Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Kinderschutz interdisziplinär

Wie sind frühe Warnzeichen von Vernachlässigung und anderen Formen der Kindeswohlgefährdung zuverlässig zu erkennen? Auf welche Weise kann die Erziehungskompetenz junger Eltern präventiv gefördert werden? Wodurch lassen sich institutionelle Hilfen verbessern?

Wenn es um Prävention und frühe Intervention bei Kindeswohlgefährdung geht, nimmt die Forderung nach einer besseren Zusammenarbeit der beteiligten Fachkräfte zu Recht eine Schlüsselstellung ein. Die Entwicklungspsychologin Dr. Ute Ziegenhain und der Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Dr. Jörg Fegert – beide am Universitätsklinikum in Ulm tätig – haben Anfang 2006 mit Unterstützung der Stiftung Ravensburger Verlag Kinderschutzexpert(inn)en aus Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung, Jugendhilfe und Familienrecht zusammengerufen, um im Rahmen einer Tagung über die Berufsgrenzen hinweg den Stand des Fachwissens zusammenzutragen. Die Tagungsbeiträge sind nun in dem vorzüglich redigierten Buch „Kindeswohlgefährdung und Vernachlässigung“ erschienen. Die gesetzlichen Voraussetzungen und strategischen Herausforderungen des Kinderschutzes werden dort ebenso erörtert wie Fragen der Risikoeinschätzung, Möglichkeiten einer Stärkung elterlicher Beziehungs- und Erziehungskompetenzen und Beispiele guter Praxis in der Kooperation und Vernetzung von Diensten und Einrichtungen.
Das Buch schließt mit dem „Ulmer Aufruf zum Kinderschutz“, in dem sich sämtliche beteiligte Autor(inn)en u.a. für flächendeckende und modular aufeinander aufbauende Angebote der Förderung elterlicher Kompetenzen sowie für die Etablierung von verbindlichen, empirisch abgesicherten Diagnosestandards im Bereich von Kindeswohlgefährdung aussprechen.

Dr. Jörg Maywald

Ute Ziegenhain und Jörg M. Fegert (Hg.)
Kindeswohlgefährdung und Vernachlässigung
Ernst Reinhardt Verlag 2007
216 Seiten
24,50 €

Kinderrechte – eine neue Sicht auf das Kind

„Von Kindern meinen wir, sie seien wie Gras – zu allen Zeiten gleich“, lautet der erste Teil eines Zitats des Pädagogen Hartmut von Hentig. Ihm folgt der Zusatz: „Dass dies nicht so ist, habe ich jetzt gelernt: die heutigen Kinder sind ganz offensichtlich die Kinder ihrer Zeit und ihrer Umwelt“.

Diese Einsicht verdeutlicht beispielhaft die Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten in der Sichtweise auf Kinder herausgebildet haben. Kindheit wird zunehmend weniger als natürlich vorgegebener Reifungszeitraum gesehen, sondern als gesellschaftliches, und damit auch veränderbares Konstrukt, das in verschiedenen Lebenswelten, Kulturen und sozialen Gruppen sehr unterschiedlich ausfallen kann. Subjektorientierte Ansätze gewinnen dabei immer größere Bedeutung.
Der Soziologe Manfred Liebel liefert in seinem Buch „Wozu Kinderrechte“ einen umfassenden Überblick über die historischen Prozesse, die zur Herausbildung eigener Kinderrechte geführt haben. Neben reichhaltigem Faktenwissen werden hintergründige Fragestellungen umrissen und problematisiert, darunter das Verhältnis von Objekt- und Subjektstellung des Kindes, die Gestaltung einer Gleichberechtigung von Kindern und Erwachsenen auf der Ebene gesellschaftlicher Mitsprache, das Verhältnis von Schutz- und Partizipationsrechten sowie Perspektiven einer Erweiterung der UN-Kinderrechtskonvention. Das Buch ist eine Fundgrube sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene in Sachen Kinderrechte!

Marita Salewski

Manfred Liebel
Wozu Kinderrechte
Grundlagen und Perspektiven
Juventa Verlag 2007
240 Seiten
19,50 €