Pressemitteilung vom 28.10.2005

Für ein kindergerechtes Europa Deutsche

Liga für das Kind fordert länderübergreifende Zusammenarbeit für Kinder

Rund ein Jahr nach der Aufnahme von zehn neuen Mitgliedsstaaten in die Europäische Union und sechzehn Jahre nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs ist die Lage der jungen Generation in Europa besorgniserregend. Trotz wirtschaftlichen Aufschwungs in vielen Ländern werden die Bedürfnisse und Rechte eines großen Teils der Kinder missachtet. Die Deutsche Liga für das Kind fordert politische Initiativen und verstärkte länderübergreifende Zusammenarbeit, um die Situation der Kinder spürbar zu verbessern.

Nach Angaben von UNICEF lebt in den meisten Staaten Osteuropas etwa jedes dritte Kind in Armut. Die langsame wirtschaftliche Erholung nach dem Zusammenbruch des Kommunismus geht an vielen Familien mit Kindern vorbei. Aber auch in Deutschland hat die Kinderarmut eine historisch neue Dimension erreicht. Gemäß einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes ist die Zahl der von Armut betroffenen Kinder in diesem Jahr auf eine Rekordsumme von 1,7 Millionen gestiegen. Insgesamt leben 14,2 Prozent der Kinder in Armut, also jedes 7. Kind in Deutschland. In Ostdeutschland beträgt die Kinderarmutsquote sogar 23,7 Prozent und überschreitet in einigen Städten die 30-Prozent-Marke deutlich.

Die Folgen wachsender sozialer Gegensätze und des gesellschaftlichen Ausschlusses benachteiligter Kinder sind dramatisch. Gewalt gegen Kinder unter anderem aufgrund eines massiven Anstiegs des Alkohol- und Drogenkonsums nimmt in vielen Regionen zu. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme wie das Wiederaufkommen der Tuberkulose und eine starke Zunahme der HIV-Infektionen in einigen Ländern. In Deutschland gibt besonders die Zunahme der so genannten neuen Kinderkrankheiten (Bindungs-, Entwicklungs- und Verhaltensstörungen) Anlass zur Sorge. In zahlreichen Ländern führen hohe Scheidungsraten und mangelnde Angebote präventiver Sozialarbeit dazu, dass die Zahl der Unterbringungen von Kindern in Einrichtungen weiterhin hoch ist. Aufgrund mangelnder Bildungs- und Teilhabechancen wird in den meisten Ländern Europas ein beträchtlicher Teil der jungen Generation vom gesellschaftlichen Fortschritt dauerhaft abgekoppelt.

Anlässlich ihrer öffentlichen Jahrestagung „Kinder im erweiterten Europa“ am 28./29. Oktober 2005 in Frankfurt (Oder) fordert die Deutsche Liga für das Kind, in Europa die länderübergreifende Zusammenarbeit für Kinder zu stärken. „Alle Länder in Europa haben die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Damit Kinder auch tatsächlich zu ihrem Recht kommen, müssen Europarat und Europäische Union politische Initiativen zur Umsetzung der Kinderrechte ergreifen“, erklärt Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind. „Wenn es nicht gelingt, die Situation der Kinder spürbar zu verbessern, läuft Europa Gefahr, seine eigene Zukunft zu verspielen“.

Zu den Referent(inn)en der Tagung gehören Prof. Dr. Gesine Schwan, Rektorin der Europa-Universi-tät Viadrina und Beauftragte der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen, die UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen, der Kinderrechtsbeauftragte des polnischen Parlaments, Pawel Jaros, sowie Prof. Dr. Lothar Krappmann, Mitglied im UN-Komitee für die Rechte des Kindes.

Die Deutsche Liga für das Kind ist ein bundesweites Netzwerk von rund 250 Verbänden und Organisationen. Ziel der Liga ist es, die seelische Gesundheit von Kindern zu fördern und ihre Rechte und Entwicklungschancen in allen Lebensbereichen zu verbessern.