Pressemitteilung vom 28.09.2007

Das Kindeswohl muss Vorrang haben

Deutsche Liga für das Kind fordert die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz

Anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens setzt sich die Deutsche Liga für das Kind dafür ein, die Belange von Kindern bei allen sie betreffenden Entscheidungen vorrangig zu berücksichtigen. Um dieses Ziel zu erreichen fordert die Liga, Kinderrechte in das Grundgesetz aufzunehmen und bei allen legislativen und administrativen Maßnahmen eine Kindergerechtigkeitsprüfung vorzusehen.

„Wenn Deutschland kindergerecht sein will, ist ein Umsteuern in allen Bereichen notwendig“, sagte Prof. Franz Resch, Kinder- und Jugendpsychiater und Präsident der Deutschen Liga für das Kind, am Freitag in Berlin. „Nicht nur wenn es um Kinderschutz geht, sondern auch in punkto bestmögliche Förderung und Beteiligung von Kindern müssen Eltern, die mit Kindern und für Kinder tätigen Fachkräfte und nicht zuletzt die politisch Verantwortlichen das Kindeswohl als vorrangigen Gesichtspunkt berücksichtigen. Dieser Grundsatz ist in Artikel 3 der UN-Kinderrechtskonvention verankert.“

Bis heute sind die Rechte von Kindern nicht ausdrücklich im Grundgesetz genannt. Eine Verankerung der Kinderrechte in der Verfassung würde die elterliche Verantwortung dafür stärken, die Rechte des Kindes tatsächlich zur Geltung zu bringen und die Berücksichtigung der Belange von Kindern im politischen Raum fördern. Parallel setzt sich die Deutsche Liga für das Kind dafür ein, im Bereich der Gesetzgebung und bei administrativen Maßnahmen regelmäßig zu prüfen, inwieweit die Interessen von Kindern entsprechend den Vorgaben der UN-Kinderrechtskonvention als vorrangiger Gesichtspunkt berücksichtigt werden.

Mit einer öffentlichen Jahrestagung zu dem Thema „Kindeswohl und Elternverantwortung“ begeht die Deutsche Liga für das Kind am 28./29. September in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin ihr 30-jähriges Bestehen. Zu den Referent(inn)en der Tagung gehören Dr. Christine Hohmann-Denn-hardt, Richterin am Bundesverfassungsgericht, Dr. Lore Marie Peschel-Gutzeit, Senatorin für Justiz a.D. in Hamburg und Berlin, sowie Wissenschaftler(innen) und Praktiker(innen) aus den Bereichen Pädiatrie, Jugendhilfe und Familiengericht. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung hat Eva Luise Köhler übernommen, die auch selbst sprechen wird.

Im Rahmen der Tagung findet ein Benefizkonzert hochbegabter Jungstudenten des Julius-Stern-Instituts zugunsten des Bildungsprogramms Kindergarten plus der Deutschen Liga für das Kind statt. Außerdem verleiht die Liga den Präventionspreis Frühe Kindheit 2007. Preisträger sind das Projekt „Kinder im Blick. Ein Gruppenangebot für Familien in konfliktbelasteten Trennungssituationen“ in München (1. Preis) und die beiden Kindertageseinrichtungen „Filou“ (Projekt „Vernissage“) und „Im Hutholz“ (Projekt „Freinet-Pädagogik“) in Chemnitz (jeweils 2. Preis).

Die Deutsche Liga für das Kind ist seit 1977 ein bundesweit tätiges, interdisziplinäres Netzwerk zahlreicher Verbände und Organisationen aus dem Bereich der frühen Kindheit. Zu den mehr als 250 Mitgliedsorganisationen gehören wissenschaftliche Gesellschaften, kinderärztliche und -psychologische Vereinigungen, Familien- und Jugendhilfeverbände und zahlreiche Service-Clubs. Ziel der Liga ist es, die seelische Gesundheit von Kindern zu fördern und ihre Rechte und Entwicklungschancen in allen Lebensbereichen zu verbessern.