Pressemitteilung vom 10. Oktober 2008

Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege

Deutsche Liga für das Kind stellt Eckpunktepapier vor

 

Der Erfolg des von der Bundesregierung beschlossenen Ausbauprogramms der Tagesbetreuung für Kinder zwischen null und drei Jahren hängt entscheidend von der Qualität ab. Im Rahmen ihrer Jahrestagung „Frühe Kommunikation und Beziehung“ hat die Deutsche Liga für das Kind am 10. Oktober in Leipzig ein von Wissenschaftler(inne)n und Praktiker(inne)n unterschiedlicher Disziplinen erarbeitetes Eckpunktepapier „Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege“ vorgestellt. Ziel der darin formulierten Mindeststandards ist es, Politik, Fachkräfte, Eltern und die Öffentlichkeit mit gesichertem Wissen zu versorgen, um dringend notwendige Qualitätsverbesserungen umzusetzen.

„Die Sorge, dass frühe Tagesbetreuung Kindern generell schadet, ist aus wissenschaftlicher Perspektive unbegründet. Im Gegenteil, gerade Kinder, die von ihren Eltern nicht ausreichend gefördert werden, profitieren deutlich von einer guten Tagesbetreuung“, sagte Prof. Franz Resch, Kinder- und Jugendpsychiater und Präsident der Deutschen Liga für das Kind, am Freitag in Leipzig. „Diese Förderung wirkt sich auch positiv auf den späteren Schulerfolg aus. Insofern trägt ein hoher Qualitätsstandard dazu bei, Begabungen zu fördern und die Chancengerechtigkeit zu verbessern. Krippen und Kindertagespflegestellen allerdings, die Mindestanforderungen an Qualität nicht genügen, können für die dort betreuten Kinder ein erhebliches Entwicklungsrisiko darstellen.“

Die Deutsche Liga für das Kind setzt sich mit Nachdruck für eine konzertierte Aktion zur Steigerung der Qualität in Krippen und in der Kindertagespflege ein. Notwendig sind vor allem eine am Kindeswohl orientierte Bemessung des Erzieher(innen)-Kind-Schlüssels und der Gruppengröße sowie die Verbesserung der Ausbildung des pädagogischen Personals. Dies ist mit erheblichen Investitionen verbunden, zumal in Deutschland ein deutlicher Nachholbedarf besteht. Der politische Wille bei Bund, Ländern und Gemeinden ist dafür ebenso wichtig wie die fachliche Entschlossenheit bei Trägern, Fachverbänden und den Fachkräften bzw. Tagespflegepersonen vor Ort. Nicht zuletzt kommt es darauf an, dass die Eltern sich für eine bestmögliche Qualität früher Tagesbetreuung stark machen.

Eine solche gemeinsame Aktion muss sich an wissenschaftlich fundierten und fachlich anerkannten Qualitätsstandards orientieren. Die von der Deutschen Liga für das Kind vorgelegten „Eckpunkte guter Qualität in Krippe und Kindertagespflege“ bieten hierfür eine Grundlage. Ziel ist es, zu einer Länder und Träger übergreifenden Verständigung über Mindestanforderungen für die Qualität in Krippen und Kindertagspflegestellen zu kommen, die nicht unterschritten werden dürfen. Auf mittlere Sicht ist darüber hinaus die Einführung eines unabhängigen Gütesiegels anzustreben, das Eltern die Si-cherheit bietet, sich auf die Qualität einer Einrichtung oder einer Kindertagespflegestelle verlassen zu können.

An der Ausarbeitung des interdisziplinären Eckpunktepapiers waren Wissenschaftler(innen) und Praktiker(innen) aus den Bereichen Pädiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Entwicklungspsychologie und Psychoanalyse, Pädagogik, Soziologie und Recht beteiligt. Das Eckpunktepapier kann bei der Geschäftsstelle der Deutschen Liga für das Kind bezogen werden.

Die Deutsche Liga für das Kind wurde 1977 gegründet. Sie zählt zu den führenden Verbänden in Deutschland, wenn es um das Wohl und die Rechte der Kinder geht. Zu den heute mehr als 250 Mitgliedsorganisationen gehören wissenschaftliche Gesellschaften, kinderärztliche und -psychologische Vereinigungen, Familien- und Jugendverbände und zahlreiche Service Clubs.