Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Erzieherinnenausbildung: wohin geht die Reise?

Im Unterschied zum Beruf des Lehrers/der Lehrerin erfuhr die Tätigkeit von Erzieher(inne)n lange Zeit wenig Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Im Bild der Öffentlichkeit schienen Freundlichkeit, ein paar pädagogische Kniffs und ein großer Schuss Mütterlichkeit zu genügen, um Kinder gut durch die Zeit im Kindergarten zu bringen. Die Forderung nach einer Qualifizierung früher Bildung hat dieses Bild ins Wanken gebracht.

Frühe Kindheit ist Bildungszeit. Darüber besteht kein Zweifel mehr. Wie jedoch Bildungsprozesse in den ersten Lebensjahren initiiert und gefördert werden können und welche Ausbildungsprofile hierfür angemessen sind, ist umstritten. Tatsächlich begegnen Kinder in den Tageseinrichtungen sehr unterschiedlich qualifiziertem Personal, von Kinderpfleger(inne)n über Erzieher(innen) bis zu Sozialpädagog(inn)en und (in seltenen Fällen) Erziehungswissenschaftler(inne)n.

Der von Angelika Diller und Thomas Rauschenbach herausgegebene Sammelband des Deutschen Jugendinstituts versachlicht eine häufig kontrovers geführte Diskussion und zeigt mögliche Entwicklungslinien auf. Gegenüber Maximalforderungen nach einer vollständigen Akademisierung der Erzieherinnenausbildung wird darauf verwiesen, dass es in erster Linie auf eine Verbesserung der Ausbildungsinhalte ankommt. Und dem Wunsch nach lediglich kosmetischen Veränderungen der bestehenden Ausbildungsgänge wird entgegengehalten, dass diese der Komplexität heutiger Bildungsanforderungen nicht mehr gerecht werden.

In den Beiträgen der Autor(inn)en werden – mit unterschiedlichem Tiefgang – gleichermaßen historische, ökonomische, institutionelle und curriculare Aspekte einer zeitgemäßen Erzieher(innen)ausbildung behandelt. Dabei zeichnet sich am Horizont das Konzept einer integrierten und modularisierten Ausbildung mit unterschiedlichen Qualifizierungsniveaus ab. Frühpädagog(inn)en „neuen Typs“ wären demzufolge Fachkräfte in einer Mischung aus Erzieher(in), Sozialpädagogin/Sozialpädagoge und Lehrer(in).

Dr. Jörg Maywald

Angelika Diller und Thomas Rauschenbach (Hrsg.)
Reform oder Ende der Erzieherinnenausbildung?
DJI Verlag Deutsches Jugendinstitut 2006
248 Seiten
11,50 €

Zusammenarbeit zum Wohl des Kindes

Eltern werden heute nicht mehr nur als Konsumenten der Dienstleistung Kita gesehen. Sondern als gleichwertige und gleichberechtigte Partner in der Erziehung und Bildung des Kindes. Doch wie kann diese Zusammenarbeit gestaltet werden?

In den letzten Jahren hat ein Paradigmenwechsel von der Arbeit „an“ den Eltern zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit ihnen stattgefunden. Auch die verschiedenen Bildungspläne der Bundesländer fordern die enge Kooperation. Das von Martin Textor herausgegebene Buch stellt verschiedene Konzepte der Elternbildung mit zahlreichen Anregungen zur praktischen Umsetzung einer gelingenden Erziehungs- und Bildungspartnerschaft vor.

Der Sammelband enthält elf Artikel zu Themen wie erfolgreiche Gesprächsführung, Kooperation mit Familien mit Migrationshintergrund oder Bewusstmachung der Ängste von Eltern. In allen Beiträgen wird die Bedeutung der wechselseitigen Akzeptanz und Wertschätzung von Erzieher(inne)n und Eltern hervorgehoben. Aber auch die Möglichkeiten zur Schaffung und Sicherstellung geeigneter Rahmenbedingungen werden aufgezeigt.

Erzieher(innen), die die Zusammenarbeit mit den Familien der Kinder ausbauen wollen, finden in diesem Buch hilfreiche Anregungen. Die Beiträge verdeutlichen nicht nur die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit, sondern machen Mut, die unterschiedlichen Kompetenzen von Eltern und Fachkräften zu nutzen und dadurch mehr als bisher über das Kind zu erfahren.

Antje Mickan

Martin R. Textor (Hrsg.)
Erziehungs- und Bildungspartnerschaft mit Eltern
Gemeinsam Verantwortung übernehmen
Herder Verlag 2006
175 Seiten
15,90 €