Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Abschied muss nicht weh tun

Der Übergang von der Tagespflege in den Kindergarten

Von Eveline Ergang-Mauser

Jedes Jahr verlassen unsere Kindertagespflegestelle kleine Menschen im Alter von drei bis fünf Jahren, um einen weiterführenden Kindergarten zu besuchen. Früher sind fast alle unsere Kinder mit fünf Jahren in die Vorschule gekommen. Nach der Abschaffung dieser Einrichtung halten wir es für sinnvoll, dass die Kinder vor ihrer Einschulung noch einmal eine größere Gruppe im Kindergarten erleben, sich dort zu behaupten lernen und viele Gleichaltrige treffen.

Wir sind eine Verbundpflegestelle mit zwei Betreuerinnen und acht Kindern im Alter von ein bis fünf Jahren. Eltern, die ihre Kinder zu uns bringen, entscheiden sich bewusst für eine kleine, überschaubare Gruppe. Wir bieten eine Betreuungszeit von 07.00 bis 16.00 Uhr an mit einem strukturierten Tages- und Wochenablauf, der jedoch individuell und spontan je nach den Bedürfnissen der Kinder geändert werden kann. Gemein-sames Frühstück und Mittagessen, Mittagsschlaf, Spiel- und Bastelangebote, Kinderturnen und Musikalische Frühförderung, Büchereibesuch, Ausflüge, Reisen usw. dienen nicht nur der Beschäftigung und Beaufsichti-gung, sondern beinhalten auch ein großes Maß an Förderung und Bildung.

Mit den Eltern halten wir einen regelmäßigen Austausch, wann der beste Zeitpunkt ist, um den Übergang so sanft wie möglich zu gestalten. Meistens wird dieses Thema schon beim Vorstellungsgespräch angesprochen und es besteht oft eine klare Vorstellung. Jedoch bitten wir die Eltern, dass die Kinder mindestens zwei Jahre bei uns bleiben können. Oft bleiben sie länger. Wenn der Termin feststeht, d. h. wenn die Eltern – meistens zu Beginn des Jahres – einen Vertrag mit der Kita abgeschlossen haben, thematisieren wir mit den Kindern, wer uns im nächsten Sommer verlässt.

Wir haben Bücher über den Kindergarten, die wir anschauen und vorlesen. Bei unseren wöchentlichen Besuchen in der Bücherei ergänzen wir diese Auswahl. Häufig kennen unsere Kinder die Kindergärten in der Nachbarschaft, weil dort schon Freunde oder ehemalige Tageskinder sind. Die Kinder freuen sich darauf, alte Bekannte wiederzusehen, selten kommt es zu Ablehnung. Bei unseren Spaziergängen kommen wir auch manchmal dort vorbei und ein Winken über den Zaun oder ein kurzer Plausch ist immer drin. Ist die Kita kooperativ, nehmen wir Kontakt auf und vereinbaren einen Besuchstermin. So spüren die Kinder schon mal die Atmosphäre und sehen die Erzieher(innen).

Ablösungsrituale zelebrieren und genießen
Wir laden ehemalige Tageskinder ein, die uns vom Kindergarten erzählen. Wir unternehmen jedes Jahr kurz vor den Sommerferien eine Reise über mehrere Tage und veranstalten ein Abschiedsfest. Wir planen einen Nachmittag mit allen Eltern zusammen, essen und trinken und denken an die vergangene Zeit. Es gibt für jedes Kind kleine Geschenke, ein Fotoalbum, eine Mappe mit gesammelten Werken und eine kleine Rede. Darauf freuen sich besonders die Eltern. Wir raten dann zu einem kleinen Urlaub, der vor dem Übergang in die größere Einrichtung für ein wenig Abstand sorgen soll. Immer wieder besuchen uns ehemalige Tageskinder, die von einer schönen Zeit bei uns erzählen.

Wir laden ehemalige Tageskinder ein, die uns vom Kindergarten erzählen. Wir unternehmen jedes Jahr kurz vor den Sommerferien eine Reise über mehrere Tage und veranstalten ein Abschiedsfest. Wir planen einen Nachmittag mit allen Eltern zusammen, essen und trinken und denken an die vergangene Zeit. Es gibt für jedes Kind kleine Geschenke, ein Fotoalbum, eine Mappe mit gesammelten Werken und eine kleine Rede. Darauf freuen sich besonders die Eltern. Wir raten dann zu einem kleinen Urlaub, der vor dem Übergang in die größere Einrichtung für ein wenig Abstand sorgen soll. Immer wieder besuchen uns ehemalige Tageskinder, die von einer schönen Zeit bei uns erzählen.

Maria war ein Kind, das eine sehr enge Beziehung zu uns hatte. Sie hatte eine gesundheitliche Ein-schränkung und so war die Wahl des Kindergartens sehr schwierig. Nach langer Suche fanden die Eltern endlich eine Kita, die aber ziemlich weit weg lag. So haben wir mit ihr kleine kurze Besuche in der Einrichtung am Vormittag gemacht. Maria war zwar scheu und zurückhaltend, wurde aber freundlich empfangen. Nach der Eingewöhnung durch die Eltern haben wir sie ab und zu noch einmal abgeholt. Sie hat sich sehr darüber gefreut und besucht uns heute noch gerne. So war es für sie ein sanfter Übergang. Das ist der Idealfall.

Leider haben wir auch schon Absagen von Einrichtungen für Besuche bekommen mit der Begründung, dies würde den Tagesablauf stören. Wir haben auch schon von Kolleginnen gehört, die anstelle der Eltern die Eingewöhnung des Kindes in den Kindergarten durchgeführt haben. Solch ein Fall ist bei uns noch nicht vorgekommen.

Früher wurden wir mit unserem Wunsch nach Kontakten von Kitas oft abgewiesen und als Störung empfunden, denn man sah uns als Konkurrenz. In den letzten Jahren hat sich die Zusammenarbeit ein wenig verbessert, nicht zuletzt durch die öffentliche Anerkennung der Kindertagespflege. Kindergärten, die Plätze frei haben, bitten uns sogar, für sie zu werben. Fortbildungen oder Leitlinien haben wir bisher nicht gehabt. Wir haben das bisher aus dem Bauch heraus gemacht in Absprache mit den Eltern. Gesetzliche Vereinbarungen gibt es seit neuestem nur zum Übergang vom Kindergarten zur Schule.

Ich wünsche mir eine noch größere Akzeptanz der Kindergärten für unsere Vorarbeit. Leitlinien und Orientierungen von übergeordneter Stelle könnten hilfreich sein und so manche Tür öffnen. Dann könnte man zusammen mit dem Jugendamt ein Konzept erarbeiten, wie man einen sanften Übergang gestaltet. Ich habe von vielen Tagesmüttern aus anderen Bezirken gehört, dass sie von Kindergärten freundlich aufgenommen und zum Spielevormittag eingeladen wurden.

Eveline Ergang-Mauser ist seit 35 Jahren Tagesmutter und in einer Verbundpflegegestelle zusammen mit Rosemarie Fischer in Berlin (Reinickendorf-Heiligensee) tätig.