Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

MusikSpielTherapie (MST)

Eltern-Kind-Psychotherapie für Kinder im Alter von 0 bis circa 4 Jahre

von Katrin Stumptner und Cornelia Thomsen

Die MusikSpielTherapie-Methode hat das Ziel, früh auftretende gravierende Unstimmigkeiten und Missverständnisse in den Beziehungs- und Interaktionssequenzen zwischen Eltern und Kind im Rahmen eines therapeutischen Settings zu regulieren und positive Sequenzen anzuregen und zu unterstützen. Zusätzlich soll die Reflektion der Eltern bezüglich der Eltern-Kind-Interaktion in beratenden Gesprächen angeregt werden.

Jedes Kind hat ein existentielles Bedürfnis nach einer stabilen, verlässlichen Beziehung. Gerade die frühe Phase des Eltern-Kind-Beziehungsaufbaus ist dafür von besonderer Wichtigkeit. Verschiedene Risikofaktoren können Eltern in dieser wichtigen Anfangsphase in ihren intuitiven elterlichen Kompetenzen stark verunsichern und die frühe Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig belasten. Durch auftretende Unsicherheiten und Irritationen im frühen Beziehungsgeschehen entwickeln sich bereits beim Säugling oder Kleinkind Schwierigkeiten, die sich später in den Bereichen der emotionalen, sozialen und kognitiven Entwicklung als Störungsbilder manifestieren.

Vor diesem Hintergrund ist in dieser frühen Phase (0 bis circa 4 Jahre) eine professionelle Intervention im Sinne einer Eltern-Kind-Psychotherapie indiziert und von nachhaltiger Wirkung: Bei früh auftretenden Interaktionsstörungen kann sofort regulierend interveniert werden, indem sowohl das Kind als auch die Eltern miteinander in einen therapeutischen Prozess einbezogen werden. Das frühe Beziehungsgeschehen ist vor allem von komplexen, alle Sinnesebenen ansprechenden Kommunikationssequenzen im nonverbalen Bereich gekennzeichnet. Säuglinge und Kleinkinder können sich noch nicht oder nur wenig sprachlich mitteilen.

Hier setzt das Konzept der MST-Methode an: Wir arbeiten mit dem Kind und jeweils einem Elternteil nach einer dafür entwickelten psychotherapeutischen Methode zur Behandlung früher Interaktionsstörungen. Als ein besonders geeignetes Medium haben wir die Musik integriert, weil sie im Bereich der vorsprachlichen Kommunikation ansetzt. Sie greift auf der Interaktionsebene von Säuglingen und kleinen Kindern deren präverbale Ausdrucks- Spiel- und Kommunikationsmöglichkeiten auf. Die therapeutischen Sitzungen werden in regelmäßigen Abständen videogrphiert.

Der Focus in der Arbeit mit der MST-Methode liegt bei dem sich in den Therapie-Sitzungen szenisch entwickelnden triadischen Interaktionsgeschehen. Weder das Kind mit seinem Störungsbild noch der Elternteil mit seinen Unsicherheiten und dem Anliegen auf Verbesserung stehen jeweils einseitig im Vordergrund, sondern das sich abbildende Interaktionsgeschehen zwischen allen Anwesenden wird fokussiert (Gruppenblick). Im geschützten Rahmen der Sitzungen werden nicht nur die Schwierigkeiten, sondern auch die Kompetenzen in der Beziehungsgestaltung, insbesondere im Affektaustausch, wahrgenommen. Dem Elternteil eröffnet sich die Möglichkeit, eigene Spielfähigkeiten und Grenzen zu entdecken und neue Wege im lustvollen Miteinander zusammen mit dem Kind aufzuspüren. Die Therapeutin übernimmt resonanzgebende Funktionen, wie z.B. Halten, Beruhigen, Anregen, Antworten. Das ‚Verstehen’ der Affekte und deren Integration in den bestehenden Kontext wird im aktuellen Spielgeschehen ‚gelernt’, was sowohl auf Seiten des Elternteils als auch auf Seiten des Kindes identitätsbildend und entwicklungsfördernd wirkt.

Ergänzend zu der psychotherapeutischen Intervention werden regelmäßig Eltern-Beratungsgespräche mit beiden Elternteilen geführt. Dabei werden gelungene Spielsequenzen aus den Videoaufnahmen im Sinne einer ressourcenorientierten Zielsetzung besprochen.

Katrin Stumptner ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Musiktherapeutin (BVM) und Gruppenanalytikerin (DAGG/AG)

Cornelia Thomsen ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, Musiktherapeutin (BVM) und Gestalttherapeutin (DVG)

KunstMusikRäume
Institut für Musik und Psychotherapie
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