Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Die Herzen der Kinder öffnen

Meine Arbeit als Kinderclown

Es hatte in der Schule mit dem „Klassen-Clown“ begonnen. Als ich später als Erwachsener an meiner beruflichen Karriere bastelte, sagten alle meine Freunde in einer Art Nachsatz immer wieder zu mir: „Schade, dass du kein Clown bist!“

Hatte ich mich bisher vor der wichtigsten Aufgabe in meinem Leben gedrückt? Mit 36 Jahren beschloss ich, meinen Beruf als Gymnasiallehrer aufzugeben und Clown zu werden. Als Kinderclown ging ich in die Grundschulen. Ich hatte nur die Fachrichtung gewechselt und sah mich als „Lehrer für´s Herz und für die Seele“. Schulleitern und Lehrer(inne)n gegenüber bestehe ich darauf, im Rahmen des Unterrichts auftreten zu dürfen. Im Anschluss an meine 75-minütigen Vorstellungen biete ich den Kindern und Lehrer(inne)n ein Gespräch bzw. eine Folgearbeit („follow-up“) in den Klassen an.

Als Kinderclown habe ich eine Vision: Ich will mich nicht über andere Menschen lustig machen, sondern nur über mich selbst. Ich will nicht über andere lachen, sondern nur mit anderen Menschen zusammen lachen. Ich will das kindliche Lachen in mir und in den Zuschauern wiederentdecken. Die Herzen der Kinder zu öffnen ist mein liebster Wunsch in dieser Arbeit.

Die Kinder und die Zuschauer sind meine Partner. Sie sind ständig in das Spiel des Clowns einbezogen. Sie helfen dem Clown, die Dinge, die er „falsch“ macht, wieder in Ordnung zu bringen. Doch das geschieht mit Lachen, mit Freude und mit Spaß – und nicht mit Bedrohung oder Erpressung. Die Kinder tun es gern, und sie wissen, dass der Clown nicht „blöde“ ist. Ich benutze Musik und Rhythmus in meinen Vorstellungen. Die Musik ist ein ebenso wichtiger „Herzöffner“.

Besonders in der Arbeit mit lernbehinderten und erziehungsschwachen Kindern wird mir immer wieder von den Erzieherinnen gesagt, dass sie durch meine Arbeit als Clown „neue Dimensionen“ im Umgang mit den Kindern gefunden haben. Sie entdecken bei ihnen Verhaltensweisen und Fähigkeiten, die ihnen bis dahin verborgen geblieben waren.

Was ist nun der Inhalt dieser Arbeit, werde ich immer wieder gefragt? Es ist das spontane Lachen, das kindliche Lachen, das sich überraschen lässt, das keine intellektuellen Ansprüche fordert und nicht nach „Inhalt“ fragt, das lacht um des Lachens willen, sich einfach erfreut und die Freude weiterträgt.

Ich arbeite nur mit ganz gewöhnlichen einfachen Dingen, die jedes Kind in seiner näheren Umgebung finden kann, um damit zu spielen. Ich ermuntere die Kinder zum Nachspielen und zum Imitieren. „Was hat der Idiot eigentlich gemacht?“, sollen sie sich fragen, um darauf zu antworten: „Das kann ich ja auch!“ Genau dahin möchte ich die Kinder bewegen. Sie sollen selbst etwas in ihrer Phantasie gestalten, sie sollen es selber tun und es zu Hause oder in der Schule nachspielen und sich dabei amüsieren. Sie können selber Clowns sein und in der Freude leben.

Shiven ist seit 25 Jahren als Kinderclown auf der ganzen Welt unterwegs. Er spielt in Circussen, Theatern, auf Festivals, in Schulen, Kindergärten, Krankenhäusern und Sonderschulen.

Gunter Bennung – „Shiven“
Körnerstr. 15, 10785 Berlin
Tel.: 030 – 26 36 77 86
E-Mail: shivenclown@yahoo.co.nz