Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

„Wichtig ist, sich nicht in die Rolle des Zahlvaters drängen zu lassen.“

Der Umgang mit den Kindern war während der Trennung und nach der Scheidung der am wenigsten strittige Punkt. Insgesamt hatte ich aber immer damit zu kämpfen, auch als Option für die Kinder wahrgenommen zu werden – es war überall und ohne Nachfrage erst einmal klar, dass die Kinder bei der Mutter wohnen würden. In meinem Fall hat sich später herausgestellt, dass eine Tochter lieber bei mir wohnen würde, was sie jetzt auch durchgesetzt hat.

In der Anfangszeit ging es um den maximalen Umgang für mich als derjenige, der die Wohnung verlassen hat. Dies hat den Schock bei den Kindern vermindert und mir geholfen, neben Wohnung und Umgebung mich nicht auch noch von den Kindern abgeschnitten zu fühlen.

Den Kindern war der maximale Umgang, d.h. in der ersten Zeit jede Woche von Donnerstag bis Sonntag abend, sehr recht und entsprach wohl ihren Vorstellungen. Danach wurden die Zeiten reduziert: über rund vier Jahre jedes Wochenende von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend und seit rund eineinhalb Jahren – seitdem eine Tochter bei mir lebt – alle 14 Tage von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend für die übrigen Kinder. In den ersten Monaten hat eine Mediatorin uns gut unterstützt, andere Personen wurden nicht einbezogen.

Die Umgangsregelung wurde in dem Maße nicht mehr tragbar, als ich wieder privat Fuß gefasst hatte (nach rund vier Jahren) und ich ein Minimum an eigenem Leben benötigte, um meiner neuen Beziehung überhaupt Zeit einräumen zu können. Die zweite wichtige Anpassung war der Zuzug meines ältesten Kindes. Damit war die 14-Tage Regelung für die anderen Kinder notwendig geworden. Mit den beiden Änderungen gab es bei den Kindern wenig Stress – in der Anfangszeit etwas Enttäuschung, jetzt sind sie aber voll eingewöhnt. Außerdem kann ich die Kinder auch einmal außerplanmäßig und einzeln zu mir kommen lassen, was der Beziehung insgesamt sehr förderlich ist.

Praktikabel sind flexible Lösungen und klare Absprachen mit klaren Uhrzeiten, ohne sich darauf zu versteifen. So hat man eine akzeptierte Grenze, die aber in beiderseitigem Einverständnis überschritten werden darf, wenn es dem eigenen Plan oder für die Kinder besser passt.

Insgesamt bin ich mit den bisher gefundenen Lösungen des Umgangs einverstanden und würde daran rückblickend auch nichts Wesentliches ändern.

Die Kinder haben unter der Trennung sicherlich gelitten, da ihnen beide Eltern wichtig sind. Die Kontinuität und Stabilität im wechselseitigen Umgang hat dabei diese Unsicherheitsphase sehr verkürzen können: Verlässlichkeit kam schnell wieder zurück.

Ratschläge für andere sind schwierig. Prinzipiell ist wichtig, als äquivalenter „Wohn- und Lebensort“ für die Kinder gleichberechtigt gesehen zu werden und sich nicht in die Rolle des Zahlvaters drängen zu lassen. Da sollte man selbstbewusst auftreten und sich als Vater Strategien überlegen, die Betreuung der Kinder und die eigene Arbeit alleinerziehend in den Griff zu bekommen. Damit lässt sich’s leichter verhandeln.

Bericht eines Vaters, drei Kinder (Alter bei Trennung acht, vier und ein Jahr)