Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

„Ich habe gelernt, dass Kinder an Trennungen nicht zerbrechen müssen.“

Unsere Trennung erfolgte im Februar 1999 und unsere drei Kinder waren zu dem Zeitpunkt sechs, drei und drei Jahre alt. Mein Mann hat sich getrennt und meine ersten panischen Gedanken kreisten um die Frage, ob und wie unsere Kinder das wohl verkraften werden. Aus heutiger Sicht kann ich glücklicherweise sagen, dass sie es gut verpackt haben.

Nach der Trennung war für mich wichtig, dass wir uns auch räumlich sofort trennen, so dass mein Ex-Mann dann einige Häuser weiter gezogen ist. Diese räumliche Distanz hat auch den Kindern die neue Lebenslage deutlich gemacht und ich glaube, dass die räumliche Trennung hilfreich war, um den Kindern ganz klar den neuen Weg aufzuzeigen.

Thomas und ich haben von Anfang an recht problemlos eine Umgangsregelung gefunden. Die Hilfe Dritter haben wir nicht in Anspruch genommen und andere Bezugspersonen wurden auch nicht in unsere Umgangsregelung mit einbezogen. Von Beginn an war uns beiden klar, dass die Kinder vorwiegend bei mir sein würden, aber Thomas hat sie mittwochs nachmittags und freitags nach dem Kinderladen bis zum nächsten Morgen sowie alle zwei Wochen über das gesamte Wochenende bei sich gehabt. Die Kinder sind in die Entscheidung über die Umgangsregelung nicht einbezogen worden, es war uns beiden aber wichtig, dass sie mit beiden Elternteilen weiterhin viel Kontakt haben.

Diese Regelungen haben wir ziemlich konsequent eingehalten und ich glaube, sie haben den Kindern sehr geholfen, sich in die neue Situation einzufinden. Inzwischen sind die Kinder nicht mehr Mittwoch nachmittags bei Thomas, sondern donnerstags und dann gleich über Nacht. Die Nachmittagsregelung war keine gute Idee, dieses Hin und Her war einfach nur nervig. Wir halten die Regelungen inzwischen nicht mehr so rigoros ein, sondern tauschen auch häufiger die Wochenenden, wenn einer von uns Eltern etwas am Wochenende vor hat und die mittlerweile an diese Situation gewöhnten Kinder machen das unproblematisch mit.

Aus den Erfahrungen habe ich gelernt, dass Kinder an Trennungen nicht zerbrechen müssen, wie ich dies vorher gedacht habe. Die Kinder haben bemerkt, dass sie trotz unserer Trennung nicht ihren Halt verloren haben, sondern dass sich die Situation nur geändert hat. Beide Elternteile sind weiterhin genauso für sie da und lieben sie, wie sie dieses als Ehepaar schon getan haben.

Mir fällt nichts ein, was ich aus heutiger Sicht anders machen würde, allerdings werde ich diese Frage im Gedächtnis behalten und sie zu gegebener Zeit an meine Kinder richten, die vielleicht eine andere Sicht der Dinge haben.

Ich denke, die Kinder haben unter der Trennung etwa in dem Maße gelitten, wie wir Eltern. Das Leiden der Kinder steht nach meiner Auffassung zu großen Teilen mit dem Kummer der Eltern in Zusammenhang, der sich vor ihnen ja nicht verbergen lässt und vermutlich auch nicht krampfhaft verborgen werden sollte. Am meisten gelitten haben sie sicher darunter, dass die beiden (zu dieser Zeit noch) wichtigsten Menschen in ihrem Leben an vielen tollen Erlebnissen nicht mehr gleichzeitig teilnehmen konnten und nicht beide jederzeit greifbar für sie waren.

Mein Rat für andere betroffene Eltern ist, möglichst sofort nach der Trennung klare Umgangsregelungen zu vereinbaren, denn feste Strukturen geben den Kindern mehr Sicherheit. Außerdem sollte man dem Partner, welchen man mal geliebt hat und mit dem man es für möglich gehalten hat, bis zum Tod zusammen zu bleiben, nach der Trennung weiterhin mit Respekt begegnen und nie vor den Kindern böse über den Ex-Partner reden, so sehr man auch verletzt ist und einem entsprechende Worte auf den Lippen liegen. Die Kinder lieben beide Elternteile gleichermaßen und dürfen nicht in die Lage gebracht werden, Partei für einen Elternteil ergreifen zu müssen. Schließlich noch sollte man es sich selbst gut gehen lassen, denn wenn es einem selbst gut geht, geht es auch den Kindern gut.

Bericht einer Mutter, drei Kinder (Alter bei Trennung sechs, drei und drei Jahre)