Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Annkathrin Menger im Gespräch mit Jens (10 Jahre)

„Manchmal wünsche ich mir, dass ich ihn öfters sehen könnte.“

Menger: Wie hast du die Trennung deiner Eltern erlebt?

Jens: Als meine Mutter mir gesagt hat, dass sie und mein Vater sich trennen und mein Vater auszieht, da war ich zwar überrascht, aber ich war gar nicht so doll traurig. Das ging für mich. Ich weiß gar nicht mehr genau, wie meine Mutter es mir gesagt hat. Das ist schon so lange her. Als mein Vater dann ausgezogen ist, war das für mich nicht so eine große Umstellung. Ich habe ihn ja, als er noch bei uns gewohnt hat, auch kaum gesehen, da er bis zehn Uhr morgens schlief und erst abends um zehn Uhr wieder von der Arbeit nach Hause kam. Und da war ich dann schon im Bett.

Meine Eltern verstehen sich aber trotzdem noch. Wenn sie sich sehen, dann reden sie ganz normal miteinander und streiten nicht ständig. Ich kenne auch einige aus meiner Klasse, wo die Eltern getrennt sind und die sich ständig streiten. Aber das ist trotzdem okay für die Kinder, und sie dürfen auch beide Eltern sehen.

Menger: Wie ist der Umgang mit deinem Vater geregelt?

Jens: Nach der Trennung bin ich bei meiner Mutter geblieben und das find ich auch in Ordnung so. Ich sehe meinen Vater jedes zweite Wochenende, dann gehe ich zu ihm. Das ist fest vereinbart. Manchmal müssen wir aber diesen Termin verschieben, weil wir wegfahren oder weil ich auf eine Geburtstagsfeier von einem Freund gehen darf. Dann gehe ich einfach am nächsten Wochenende hin, das ist kein Problem, da mein Vater ja auch in Berlin wohnt. Aber manchmal wünsche ich mir, dass ich ihn öfters sehen könnte. Ich würde auch mal zwischendurch zu ihm gehen, aber das geht nicht, weil er so lange arbeitet. Wenn ich dann bei meinem Vater bin, dann unternehmen wir meistens was, wir waren zum Beispiel schon Klettern und Bowling spielen. Ich war auch schon einige Male mit ihm zusammen auf Konzerten. Das hat echt Spaß gemacht. Manchmal sitzen wir aber auch nur bei ihm zu Hause und gucken Fernsehen und reden dabei viel.

Manchmal telefoniere ich auch mit ihm und erzähl ihm wie es mir so geht. Ich habe bei meinem Papa immer einen Wunsch frei, wenn ich zum Beispiel eine eins im Deutsch-Diktat schreibe und mit ihm geübt habe. Wenn ich das schaffe, dann will ich wieder mit ihm auf ein Konzert gehen.

An Weihnachten bin ich meistens mit meiner Mama bei meinen Großeltern, da ist Papa nicht mit dabei. Aber an meinem Geburtstag kommt er vorbei.

Menger: Was sollten Eltern deiner Meinung nach beachten, wenn sie sich trennen?

Jens: Das kann ich gar nicht so sagen, da ich nicht weiß, wie die Eltern ihre Kinder vorher behandelt haben. Sie sollten sich nicht soviel streiten, so dass das Kind davon Bauchschmerzen oder so bekommt. Für viele Kinder ist es aber schon normal, dass ihre Eltern sich streiten. Und Kinder sollen immer ihre beiden Eltern sehen können.

Der Name des befragten Kindes wurde geändert.