Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Die Rolle des Vaters in der Familie

Eine repräsentative Studie über Vaterschaft in Deutschland

von Wassilios E. Fthenakis und Beate Minsel

Väter haben in den letzten Jahren große Beachtung in der Wissenschaft und in den Medien gefunden. Väter sind wichtig für die Entwicklung ihrer Kinder, sie ergänzen die Mutter in ihrem Beitrag zur Erziehung und Versorgung, sie sind Rollen-Modelle, Spielpartner, Lehrer, sie stellen den Lebensunterhalt sicher und vieles mehr. In letzter Zeit wird häufig von den „neuen Vätern“ gesprochen, die sich in ihren Funktionen für die Kinder kaum von den Müttern unterscheiden.

Die Vaterstudie

In einer für Deutschland repräsentativen Studie an 1058 Männern/Vätern, an 725 Frauen/Müttern und an 333 Jugendlichen wurde während der letzten drei Jahre untersucht, wie die Rolle des Vaters konzeptualisiert wird. Bei dieser Studie geht es nur um deutsche Väter, die mit ihrer Partnerin zusammenleben. Soweit Kinder berücksichtigt wurden, handelt es sich um das älteste Kind (Alter: 11 bis 17 Jahre) der Familie. Die Befragung erfolgte mündlich, mit Fragebögen. Insgesamt wird in der Studie zwischen vier Gruppen von Männern/Vätern unterschieden: (a) Männer, die noch kinderlos sind; (b) werdende Väter, die dreimal befragt wurden: während der Schwangerschaft ihrer Frau, sechs Monate und zwanzig Monate nach der Geburt des Kindes; (c) eine dritte Stichprobe berücksichtigte Väter mit Kindern im vorschulischen Alter, sie wurden vor der Einschulung und nach der Einschulung des Kindes befragt. In allen diesen drei Stichproben wurde auch die Partnerin bzw. Ehefrau in die Studie einbezogen. In die vierte Stichprobe (d) wurden Väter und das älteste ihrer Kinder einbezogen.

Wir haben das Vaterschaftskonzept mit Hilfe von vier stabilen Dimensionen untersucht: (a) die soziale, (b) die ökonomische, (c) die instrumentelle Funktion und (d) die Bereitschaft des Vaters, zugunsten der Vaterschaft die berufliche Karriere zurückzustellen. Die Daten stützen unsere Annahme, dass wir es gegenüber einem traditionellen Vaterbild bei den befragten Vätern mit einem erweiterten Vaterschaftskonzept zu tun haben. Denn an erster Stelle von allen vier Dimensionen steht die soziale Funktion des Vaters, gefolgt von der ökonomischen Funktion (der Vater als Brotverdiener). An dritter Stelle folgt die instrumentelle Funktion. Der Karriereverzicht spielt eine untergeordnete Rolle. Die soziale und instrumentelle Funktion ergeben zusammen den Typ „Vater als Erzieher“, während die ökonomische Funktion und die fehlende Bereitschaft des Vaters auf Karriere zu verzichten, den Typ „Vater als Ernährer der Familie“ ergibt. Die Studie bestätigt, dass wir gegenwärtig von einer „sanften Revolution“ im Vaterschaftskonzept bundesweit sprechen können. 66% der Männer, unabhängig davon ob sie Kinder haben oder noch kinderlos sind und unabhängig vom Entwicklungsstand ihres Kindes definieren sich als „Erzieher des Kindes“ und nur 34% als „Brotverdiener der Familie“. Diese Auffassung teilen auch ihre Partnerinnen bzw. Frauen und die befragten Jugendlichen. Es handelt sich also um eine neue soziale Norm, die Vaterschaft neu definieren lässt.

Kinderlose Männer (und Frauen)

Bei den noch kinderlosen Männern (und Frauen) konnte festgestellt werden, dass die Berufsorientierung unabhängig vom Kinderwunsch und vom Wunsch, selbst Kinder zu haben, ist. Immerhin wünschen sich 80% der Befragten Kinder, in der Regel mit der jetzigen Partnerin und nur 20% der Männer und Frauen wollen keine Kinder oder sind noch unentschieden. 71% der kinderlosen Männer und 75% ihrer Partnerinnen bzw. Frauen betrachten den Vater als den „Erzieher des Kindes“ und analog dazu sind es 29% bzw. 25%, die den Mann als „Ernährer der Familie“ definieren. Die Definition des Vaterschaftskonzeptes wird bei diesen Männern (a) von der Erfahrung, die sie mit ihrem eigenen Vater gemacht haben, (b) von ihrer Geschlechtsrollenorientierung und (c) von der Qualität der Partnerschaft beeinflusst. Die kinderlosen Paare streben mehrheitlich eine partnerschaftliche Lösung der kindbezogenen Aufgabenteilung in Form von gleichmäßiger Partizipation an: 69% streben bei allen babybezogenen Aufgaben eine partnerschaftliche Aufteilung in Form von gleichmäßiger Partizipation an. 28% der Aufgaben sollten von der Mutter und 3% vom Vater erledigt werden. Wenn sie sich vorstellen, gemeinsam etwa ein 6jähriges Kind zu betreuen, dann sollten 70% der Aufgaben von beiden Eltern zu gleichen Teilen übernommen werden, 20% von der Mutter und 10% vom Vater allein. Gleichmäßige Partizipation wird vor allem bei Männern und Frauen bevorzugt, die die soziale Funktion im Vaterschaftskonzept betonen.

Werdende bzw. Väter mit Babys

Die Geburt des ersten und noch einmal des zweiten Kindes veranlasst die Paare ein traditionelles Modell zu etablieren, das die von diesen angestrebte Symmetrie in den Rollen aufhebt und sowohl Frauen als auch Männern ein Modell des Zusammenlebens aufdrängt, das nicht in Einklang mit ihren Konzepten zu bringen ist. Diese Traditionalisierung des Zusammenlebens ist in vielen Fällen der Beginn eines innerfamilialen Prozesses, der dazu führt, dass eine Erosion in der Qualität der Partnerschaft stattfindet, von der sich viele Paare nicht mehr erholen.

Männer sind nicht nur stärker als je zuvor im Beruf involviert, sie wählen zudem ein so genanntes Segmentationsmodell, wenn es darum geht Familie und Beruf zu vereinbaren. Dies impliziert einen Lebensentwurf, in dem Beruf und Familie getrennte Bereiche darstellen. Im Gegensatz zu den Männern wählen Mütter ein so genanntes Synergiekonzept, das zwischen Beruf und Familie nicht trennt.

Während die Geschlechtsrollenorientierung der werdenden Männer keine große Rolle für Zuversicht oder Befürchtungen hinsichtlich der bevorstehenden Elternschaft spielt, erweist sie sich für die werdenden Mütter als bedeutungsvoll: Frauen, die eine traditionelle Geschlechtsrollenorientierung vertreten, sind weniger zuversichtlich hinsichtlich der zukünftigen Vaterrolle des Mannes, als Frauen, die eine egalitäre Geschlechtsrolleneinstellung haben. In der Tat partizipieren Väter mit egalitären Frauen stärker als solche mit traditionellen Frauen. Männer, die dem Typ „Vater als Erzieher“ zuzuordnen sind, reagieren auf die Schwangerschaft positiver als Männer vom Typ „Vater als Ernährer“. Gegen Ende der Schwangerschaft gleichen sich jedoch diese Unterschiede aus.

Die Qualität der Partnerschaft ist wichtig: Wenn Männer und Frauen vor der Geburt ihre Partnerschaft als gut einschätzen, so ist die Zuversichtlichkeit hinsichtlich der eigenen Eignung sowie der Eignung des Partners als Mutter oder Vater höher, als wenn die Partnerschaft schon vor der Geburt nicht sehr glücklich ist. In letzterem Fall sinkt vor allem das Vertrauen in den Partner, was ihre oder seine Rolle als Mutter oder Vater betrifft.

Das Vaterschaftskonzept in dieser Stufe des Familienentwicklungsprozess gleicht dem der kinderlosen Männer: die wichtigste Funktion im Vaterschaftskonzept ist die soziale Funktion des Vaters, gefolgt unmittelbar von der ökonomischen und der instrumentellen Funktion. Männer, die ein Vaterschaftskonzept vertreten, welches dem Typ „Vater als Erzieher“ entspricht, reagieren bei der Neuigkeit, dass sie Vater werden, positiver darauf, als Männer, die dem Typ „Vater als Ernährer“ entsprechen. Bis zum letzten Drittel der Schwangerschaft gleichen sich diese Unterschiede aber aus, und die Väter vom Typ „Vater als Ernährer“ sind dann sogar besonders stolz auf ihre zukünftige Vaterschaft. Der Karriereverzicht wird von den meisten Befragten abgelehnt.

Das Vaterschaftskonzept wird durch die Erfahrungen mit dem eigenen Vater beeinflusst. Männer und Frauen, die eine gute Beziehung zu ihren eigenen Vätern hatten oder haben, möchten ein ebenso guter Vater werden bzw. erwarten dies von ihrem Partner. Dagegen kompensieren werdende Eltern mit schlechter eigener Kindheitserfahrung, indem sie sich bewusst vom Verhalten ihrer eigenen Väter abgrenzen.

Veränderungen nach der Geburt eines Kindes betreffen einerseits die Partnerschaftsqualität. Diese sinkt im Zeitraum von vor der Geburt bis 6 Monate nach der Geburt deutlich ab, und auch in der Zeit, bis das Kind 20 Monate alt ist, sinkt sie nochmals. Das Absinken der Partnerschaftsqualität nach der Geburt von Kindern ist ein Befund, der in der psychologischen Literatur immer wieder beschrieben wird. Der Grund für diese Veränderung wird darin gesehen, dass die Paare Schwierigkeiten haben, mit der neuen Lebenssituation zurecht zu kommen, dass die Lebenswelten von Männern und Frauen sich auseinander entwickeln und dass die Partner wegen der vielen neuen Aufgaben weniger Zeit als vorher miteinander verbringen können.

Weitere Veränderungen betreffen die Wichtigkeit einzelner Lebensziele. Die Wichtigkeit des Ziels, eigene Kinder zu haben, ist bereits vor der Geburt wesentlich höher als bei kinderlosen Paaren und nimmt nach der Geburt noch weiter zu. Berufsbezogene Ziele treten bei den Frauen in den Hintergrund, und persönliche Unabhängigkeit wird für die Väter weniger wichtig, als vor der Geburt.

Das Vaterschaftskonzept selbst ändert sich beim Übergang zur Elternschaft im Mittel nicht. Aber es treten in Abhängigkeit von der Partnerschaftsqualität Veränderungen in unterschiedliche Richtungen auf: Je besser die Partnerschaftsqualität ist, desto mehr ändert sich das Vaterschaftskonzept der Männer in Richtung des Typs „Vater als Erzieher“, und je schlechter die Partnerschaftsqualität ist, desto mehr ändert sich das Vaterschaftskonzept in Richtung „Vater als Ernährer“. Ein ähnliches Ergebnis wurde für Eltern von 6-jährigen Kindern im Zeitraum der Einschulung gefunden. Wenn die eheliche Beziehung unglücklich ist, scheinen familiäre Übergangssituationen (Geburt des ersten Kindes oder Übertritt des ersten Kindes in die Schule) Väter anfällig dafür zu machen, die Ernährer-Rolle einseitig zu betonen und sich aus der Erzieher-Rolle zurück zu ziehen.

Beim Übergang zur Elternschaft tritt in der Aufgabenteilung eine Traditionalisierung ein. Für die Haushaltsaufgaben kann man beobachten, dass nach der Geburt die gleichmäßige Partizipation deutlich abnimmt und die Frau mehr Aufgaben allein übernimmt. Die Geschlechtsrolleneinstellung der Männer hat einen starken Einfluss auf die Idealvorstellung der Aufgabenteilung – egalitär Eingestellte wollen gleichmäßige Partizipation, traditionell Eingestellte wollen Aufgabendifferenzierung. Der Einfluss auf die tatsächliche Aufgabenteilung ist auch vorhanden, aber deutlich geringer. Das führt zu einem Scheren-Effekt, der darin besteht, dass die Differenz zwischen Ideal und Realität bei den Personen mit der ausgeprägtesten egalitären Einstellung am höchsten ist. Die größte Ähnlichkeit zwischen Ideal und Realität bezüglich gleichmäßiger Partizipation findet man bei den traditionell Eingestellten. Die traditionell eingestellten Mütter sind denn auch nach der Geburt am zufriedensten mit der Aufgabenteilung im Haushalt, die egalitär eingestellten Mütter sind am unzufriedensten.

Die Aufgaben mit dem Baby wollen sich die Partner vor und auch nach der Geburt gleichmäßig teilen (Idealvorstellung: über 70% der Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung, 20% bis 30% der Aufgaben soll die Mutter übernehmen, 1% bis 3% soll der Vater übernehmen), tatsächlich übernimmt aber die Mutter mehr als die Hälfte der Aufgaben. Allerdings beteiligen sich die Väter dann mehr an Aufgaben mit dem Kind, wenn die Mutter eine egalitäre Geschlechtsrolleneinstellung hat und wenn sie ein Vaterschaftskonzept vertritt, das den Karriereverzicht und die soziale Funktion besonders hoch gewichtet. Diese Mütter trauen ihren Männern offenbar mehr zu und überlassen ihnen eher das Kind alleine. Das führt dazu, dass die Väter von Anfang an die Chance bekommen, den Umgang mit dem Kind einzuüben.

Ein weiterer Einflussfaktor ist die berufliche Belastung. Die Partner entlasten sich gegenseitig, wenn die berufliche Belastung hoch ist. Paare, die vor der Geburt eine partnerschaftliche Aufgabenteilung praktiziert haben, die also viele Aufgaben zu gleichen Teilen wahrgenommen haben, scheinen mit der Anpassung an die neue Lebenssituation besser zurecht zu kommen, als Paare, die vorwiegend Aufgabendifferenzierung praktiziert haben. Die Art der Aufgabenteilung wirkt sich auf die Partnerschaftsqualität und auf die Freude am Familienleben aus. Es sind aber nicht nur die gemeinsam wahrgenommenen Aufgaben, die sich auf das Wohlbefinden auswirken. Für die Partnerschaft scheint es förderlich zu sein, wenn der Mann sich von Zeit zu Zeit allein mit dem Kind beschäftigt.

Väter mit Kindern vor der Einschulung bzw. unmittelbar danach

Väter und Mütter derselben Familie stimmen in ihren Vaterschaftskonzepten gut überein. Aus der Kombination der vier Facetten lassen sich zwei Vaterschaftskonzept-Typen bilden, nämlich einen Typ „Vater als Erzieher“, dem 66% der Väter und Mütter angehören sowie einen Typ „Vater als Ernährer“, dem 34% der Eltern angehören.

Das Vaterschaftskonzept korrespondiert mit der Geschlechtsrolleneinstellung. Egalitär eingestellte Männer bewerten Karriereverzicht, soziale und instrumentelle Funktion höher als traditionell eingestellte Väter, letztere betonen die Brotverdienerfunktion höher. Väter, die die Brotverdienerfunktion wichtig finden, haben für sich selbst hohe berufliche Ziele, sind an finanzieller Sicherheit interessiert und legen auf glückliche Partnerschaft nicht ganz so viel Wert wie Väter, die die Brotverdienerfunktion weniger betonen. Dagegen ist die hohe Bewertung der sozialen Funktion im Vaterschaftskonzept verbunden mit wenig Streben nach beruflichem Erfolg und finanzieller Sicherheit, aber mit hoher Bewertung einer stabilen Partnerschaft als Lebensziel. Diese Männer sind auch zufriedener in ihrer Partnerschaft und beteiligen sich mehr an kindbezogenen Aufgaben.

Das Vaterschaftskonzept entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Vater. Väter, die als Kinder mit ihren eigenen Vätern sehr gute Erfahrungen gemacht haben (die viel Liebe erfahren haben und selten bestraft worden sind), entwickeln ein Vaterschaftskonzept für sich selbst, das durch eine besonders hohe Ausprägung der sozialen Funktion gekennzeichnet ist. Diesen Zusammenhang kann man als Lernen am Modell interpretieren: Die Einstellung des eigenen Vaters, zu dem man eine gute Beziehung hatte, wird nachgeahmt. Wenn die Beziehung zum eigenen Vater schlecht war, so tritt bei einem Teil der Väter Kompensation ein: Heutige Väter mit selbst erlebter besonders schlechter Vater-Kind-Beziehung entwickeln ebenfalls ein Vaterschaftskonzept für sich selbst, das die soziale Funktion stark betont.

Das Vaterschaftskonzept ändert sich während der Einschulung des ältesten Kindes im Mittel nur geringfügig. Die Brotverdienerfunktion nimmt in ihrer durchschnittlichen Bedeutsamkeit sowohl bei Männern als auch bei Frauen leicht zu, während sich die Wichtigkeit der anderen Facetten im Mittel nicht bedeutsam ändert. Gleichwohl treten bei einzelnen Vätern relativ große Veränderungen im Vaterschaftskonzept auf. Diese Veränderungen bei den einzelnen Personen können durch die Partnerschaftsqualität vorhergesagt werden. Eine gute Partnerschaftsqualität ist eine Ressource, die die Anpassung des Vaters an die Anforderungen, die mit dem Übergang des Kindes in die Schule auftreten, erleichtert. So führt ein niedriges Streitniveau zwischen den Partnern und gute Kommunikation in der Partnerschaft dazu, dass sich die Vaterschaftskonzepte von Mann und Frau einander annähern. Bei guter Kommunikation der Partner wird außerdem die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass der Vater vom Typ „Vater als Ernährer“ zum Typ „Vater als Erzieher“ wechselt. Veränderungen des Vaterschaftskonzepts haben aber auch Konsequenzen für die Partnerschaft. Während Väter, die nach der Einschulung des Kindes zum Typ „Vater als Erzieher“ gehören, nur wenig Streit in der Partnerschaft erleben, ist bei denjenigen, die vom Typ „Vater als Erzieher“ zum Typ „Vater als Ernährer“ wechseln, gleichzeitig eine deutliche Erhöhung der Konflikte in der Partnerschaft festzustellen.

Die Realisierung der Vaterschaft wurde an der Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau sowie an den Tätigkeiten des Vaters mit dem Kind an jeweils zwei Stichtagen untersucht. Betrachtet man die kindbezogene Aufgabenteilung, so fällt auf, dass Väter und Mütter ein Ideal gleichmäßiger Partizipation verfolgen, das darin besteht, möglichst viele Aufgaben in gemeinsamer Verantwortung zu übernehmen, tatsächlich aber meistens ein Modell von Aufgabendifferenzierung realisieren. Die Idealvorstellung von Vätern und Müttern ist die, dass 72% der kindbezogenen Aufgaben zu gleichen Teilen, 21% von der Mutter und 8% vom Vater wahrgenommen werden sollten. Tatsächlich erledigen die Mütter mehr als doppelt so viele Aufgaben, nämlich 44%, die Väter 11%, und nur 45% der kindbezogenen Aufgaben werden zu gleichen Teilen wahrgenommen. Nach der Einschulung verschiebt sich die Aufgabenteilung noch etwas mehr in die traditionelle Richtung: die Mütter übernehmen nun 48% und die Väter nur noch 9% der Aufgaben.

Diese ungleiche Aufgabenübernahme führt zu Unzufriedenheit mit der Aufgabenteilung selbst und auch zu einer Verschlechterung der Partnerschaftsqualität. Nicht nur die absolute Belastung mit familiären Aufgaben führt zu Unzufriedenheit, auch die jeweilige Differenz zwischen zu gleichen Teilen wahrgenommenen Aufgaben und Aufgaben, die nur einer der Eltern wahrnimmt.

Bei der Betrachtung der väterlichen Beteiligung an ganz bestimmten Tagen zeigte sich, dass an Sonntagen und auch an Werktagen, außerhalb der Arbeitszeit, sehr viel Kontakt innerhalb der Familie besteht. Die meisten Aktivitäten, an denen der Vater teilnimmt, werden von beiden Eltern gemeinsam mit dem Kind ausgeführt. Väter beschäftigen sich aber dann mehr mit den Kindern alleine, wenn die Frauen voll berufstätig sind und wenn sie ein Vaterschaftskonzept vertreten, das der Rolle „Vater als Erzieher“ entspricht. Die Väter reagieren auch auf psychische Belastungen der Mütter, indem sie mehr mit ihren Kindern tun. Die vermehrte Beschäftigung der Väter mit den Kindern führt zu Entlastung der Mütter, zu mehr Zufriedenheit der Väter und zu einer höheren Ehezufriedenheit beider Eltern.

Berufstätige Väter, deren Partnerinnen ebenfalls berufstätig sind, beteiligen sich um so mehr an kindbezogenen Aufgaben, je höher ihre berufliche Arbeitsmotivation ist. Je mehr Aufgaben sie sich mit ihrer Partnerin gleichmäßig geteilt haben, um so besser sind sie während der Arbeitszeit für die Familie erreichbar. Familie und Beruf sind bei ihnen keine Gegensätze, sondern ergänzen sich; es gibt Väter, die in beiden Bereichen stark engagiert sind und auch solche, die sich weder für den Beruf, noch für die Familie besonders stark engagieren. Die Partnerinnen entlasten aber auch ihre Männer, indem sie sie um so weniger an kindbezogenen Aufgaben beteiligen, je mehr Verständnis sie für die arbeitsbezogenen Probleme der Männer aufbringen. Dagegen scheinen Familien- und Arbeitswelt bei den Vätern, deren Partnerinnen nicht berufstätig sind, mehr voneinander getrennt zu sein. Bei ihnen führt z.B. hohe Arbeitsmotivation dazu, dass eher wenige Aufgaben für die Familie während der Arbeitszeit erledigt werden, und hohes Verständnis der Kollegen für familienbezogene Belange führt zwar dazu, dass die Väter während der Arbeit besser für die Familie erreichbar sind, andererseits aber auch dazu, dass zu Hause weniger kindbezogene Aufgaben gleichmäßig mit der Mutter geteilt werden.

Was wünschen sich Väter?

Ansprechpartner bei Problemen, die in der Partnerschaft oder in der Familie auftreten könnten, sind vor allem Personen des informellen Netzwerks, also Verwandte, Freunde und Kollegen. Für gesundheitliche Probleme werden Ärzte und Hebammen an erster Stelle genannt, für Schulprobleme an erster Stelle die Lehrer. Dagegen ist die Bekanntheit bzw. Akzeptanz der Psychologen als Berater, sei es als Schulpsychologe, Erziehungs-, Ehe- oder Lebensberater oder als Psychotherapeut, deutlich geringer, vor allem bei den Vätern.

Beim Ausbau bestimmter familienpolitischer Leistungen sind die Väter vor allem an finanziellen Zuwendungen interessiert, also an Erhöhung des Kindergeldes, des Kinderfreibetrags sowie des Erziehungsgelds und steuerlicher Förderung des Wohneigentums. Mütter wünschen sich außerdem, dass die Leistung „Freistellung von der Arbeit zur Pflege kranker Kinder“ verbessert wird und dass Kindererziehungszeiten im Rentenrecht besser berücksichtigt werden. Es ist noch interessant anzumerken, dass es keine familienpolitische Leistung gibt, die nicht von mindestens 5% der Befragten als eine der drei wichtigsten genannt worden ist.

Die vollständige Fassung ist über die Geschäftsstelle erhältlich.

Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis ist Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München

Dr. Beate Minsel ist Mitarbeiterin am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München