Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Repräsentanzen der Vaterschaft, Triadische Fähigkeit und kindliche Entwicklung

von Kai von Klitzing

Seit den Pionierarbeiten von René Spitz und Margrit Mahler wurde eine grosse Anzahl von entwicklungspsychologischen Studien über den Einfluss der frühen Beziehungsumwelt und der frühen Objektbeziehungen auf die kindliche Entwicklung durchgeführt. Die Objektbeziehungstheorie und die Bindungstheorie betonen dabei die dyadische Natur der frühen Entwicklung und haben speziell die Mutter-Säuglings-Beziehung im Auge. Der Vater spielt in diesen Theorien ebenso wie in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen eine untergeordnete Rolle. Viele Studien zur Vater-Säugling-Interkation verwenden Konzepte, die aus der Beobachtung der Mutter-Kind-Beziehung abgeleitet wurden (wie beispielsweise die der Bindung oder der mütterlichen Sensitivität), wenden diese Konzepte unkritisch auf Vater-Kind-Interaktionen an und kommen dann in einem Zirkelschluss zu dem Ergebnis, dass der Vater in der frühen Entwicklung des Kindes eine geringere Rolle spiele als die Mutter.

Schon Freud (1914) hatte die Mutter oder die Person, die mit der Fütterung, Sorge und dem Schutz des Kindes betraut ist, als das einzige und wichtigste Sexualobjekt der ersten Lebensjahre angesehen und dem Vater erst für die spätere ödipale Entwicklung als bedeutsam eingeführt. Freud hatte dabei betont, dass das Kind erst in eine trianguläre Beziehung mit beiden Eltern eintrete, wenn es den Unterschied zwischen den Geschlechtern definitiv erfasst habe. Der Vater wurde dabei beim Jungen vor allem in seiner feindseligen und störenden Funktion konzeptualisiert: „Ganz früh entwickelt es (das männliche Kind) für die Mutter eine Objektbesetzung, die von der Mutterbrust ihren Ausgang nimmt und das vorbildliche Beispiel einer Objektwahl nach dem Anlehnungstypus zeigt. Des Vaters bemächtigt sich der Knabe durch Identifizierung. Die beiden Beziehungen gehen eine Weile nebeneinander her, bis durch die Verstärkung der sexuellen Wünsche nach der Mutter und die Wahrnehmung, dass der Vater diesen Wünschen ein Hindernis ist, der Ödipuskomplex entsteht. Die Vateridentifizierung nimmt nun eine feindselige Tönung an…“ (Freud 1923).

Die Theorie von einer ausschliesslich dyadischen frühen Entwicklungsphase wird seit geraumer Zeit von Entwicklungsforschern in Frage gestellt, die zeigen, dass der Säugling von Anfang an spezifische Beziehungen mit mehr als einem Beziehungspartner entwickelt und dass beide, Vater und Mutter, eine intuitive Elternhaltung einnehmen können. Aber auch in der psychoanalytischen Literatur gibt es Autor(inn)en, die sich mit der Frage der frühen triadischen Beziehung und deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung beschäftigen. Klein (1928) sprach von frühen ödipalen Tendenzen, die bereits am Ende des ersten Lebensjahres beginnen und „in Folge der Frustration, die das Kind durch das Abstillen erleben muss“ ausgelöst werden. Lacan (1953) sah die dritte Person, den Vater, für das menschliche Leben als ausserordentlich bedeutsam an. Dabei ging es bei ihm nicht um den real existierenden Vater, sondern um seine symbolische Funktion. Die Einführung des „nom du père“/“non du père“, welcher eben als „Name“ und als „Nein“ des Vaters verstanden werden kann, schützt das Kind davor, einzig und allein das Objekt der mütterlichen Begierde zu werden, führt das Kind damit in die Welt der Symbole und der Sprache ein und rettet es vor der Psychose. Mahler und Gosliner (1955) sahen die Bedeutung des Vaters als dritte Person vor allem in der Separations-Differenzierungsphase des zweiten Lebensjahres. In ihrem Konzept stellt der Vater eine mächtige und vielleicht notwendige Unterstützung gegen den Schrecken der „Wiederverschlingung des Ichs in den Whirlpool der frühen undifferenzierten symbiotischen Phase“ dar. Abelin (1971, 1975), ein Mitarbeiter Mahler’s, beobachtete eine spezifische Beziehung des Kindes mit dem Vater bereits in der symbiotischen Phase, wobei die Väter eine sehr wichtige Rolle in der Übungsphase spielen, indem sie für das Kind einen „entfernteren, nicht Mutter-Raum“ darstellen und ihm eine ausgedehnte Exploration der Realität ermöglichen. „Während des Verlaufes des Separations-Individuationsprozesses wird der Vater mit der Realität verbunden, welche zu diesem Zeitpunkt noch nicht eine Quelle von Begrenzung und Frustration ist, sondern viel mehr als eine Stütze für die spielerisch und adaptive Bewältigung dient“. Aufbauend auf seine Beobachtungen entwickelte Abelin das Konzept der „frühen Triangulierung“ als „den Mechanismus, der der psychischen Organisation erlaubt, von der Ebene der Beziehungen (Handlung, sensomotorisch) zu Bildern (repräsentiert, symbolisch) voranzuschreiten“. Bauriedl (1980), Rotmann(1980), Buchholz (1990) sowie Dammasch und Metzger (1999) griffen diese Konzepte der frühen Triangulierung auf und schufen psychoanalytisch orientierte Theorien, nach welchen die ödipale Situation bereits vor der Konzeption des Kindes in den elterlichen Phantasien existiert und der so geschaffene innerpsychische trianguläre Raum wesentlichen Einfluss auf die frühen interpersonalen Eltern-Kind-Interaktionen hat. Für Brickmann (1993) bedeutet die triadische Erfahrung einen wichtigen Faktor, welcher dem Selbst hilft, sich im psychischen Raum zu orientieren. Die Arbeitsgruppe um Fivaz-Depeursinge schuf Klarheit in die teilweise verworrene Terminologie. Sie nennen den interpersonalen Prozess, in welchem eine Dreierbeziehung geformt wird, „Triadifikation“ und den intrapsychischen Prozess, eine Dreierbeziehung zu erfahren, „Triangulierung“ (Fivaz-Depeursing und Corboz-Warnery 1999, Stern 1995).

Erforschung triadischer Prozesse im Übergang zur Elternschaft

Um diesen Theorien von der frühen Triangulierung und frühen Triadifizierung und deren Einfluss auf die kindliche Entwicklung eine empirische Grundlage zu verschaffen, wurde an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und -poliklinik Basel ein vom Schweizerischen Nationalfonds geförderter Forschungsschwerpunkt zur frühen Kindesentwicklung und Familienbeziehung aufgebaut. Zwei prospektive Longitudinalstudien, ausgehend von der Schwangerschaft bis in das fünfte Lebensjahr des Kindes, wurden etabliert (die erste Studie mit 40 Ersteltern ohne wesentliche Risikofaktoren, die zweite mit 80 Ersteltern mit psychosozialen und biologischen Risikofaktoren). In diesen Studien werden Entwicklungsprozesse in den mütterlichen und väterlichen Phantasien sowie in der elterlichen Paarbeziehung während des Übergangs zur Elternschaft erfasst. Diese Bereiche werden dann mit beobachtbaren Aspekten der Eltern-Kind-Interaktionen und der kindlichen Entwicklung verglichen. Dabei spielen Väter eine zentrale Rolle in den Studien und werden, wenn immer möglich, in alle Untersuchungen einbezogen. Dabei geht es nicht nur darum, den Vater als reale Person zu betrachten, sondern auch um die Frage, welche Rolle der innere Vater als dritte Person in den mütterlichen und väterlichen Repräsentanzen spielt. Im Zentrum steht das Konzept der Fähigkeit zur triadischen Beziehungsgestaltung. Dieses bezeichnet die Fähigkeit von Vätern und Müttern, ihre zukünftigen Familienbeziehungen zu konzeptualisieren, ohne sich selbst oder den Partner von der Beziehung zum zukünftigen Kind auszuschliessen. Werdende Eltern mit einer hochentwickelten Triadischen Fähigkeit sehen ihre Partnerschaft und die vorhandene intime Paarbeziehung auch nach der Geburt des Kindes noch als wichtig an. Unser Interesse gilt der Frage, ob bereits vor der Geburt des Kindes die Repräsentanzenwelt der Eltern auf ihre Triadische Fähigkeit hin überprüft werden kann und ob die pränatal erfasste Triadische Fähigkeit der Eltern einen sichtbaren Einfluss auf die spätere Interaktion und auf die Entwicklung des Kindes hat. Dabei wurde ein besonderer Augenmerk auf die Frage gelegt, ob die Art und Weise, wie der Vater seine eigene Rolle im zukünftigen Leben mit dem Säugling konzeptualisiert, eine prädiktive Bedeutung für die spätere Qualität der triadischen Familieninteraktionen und die frühen triadischen Kompetenzen des Säuglings hat.

Als wichtiges Forschungsinstrument wurde von unserer Forschungsgruppe ein halbstandardisiertes, psychodynmaisches Paarinterview mit den werdenden Eltern, das „triadische Interview“, welches im letzten Trimanon der Schwangerschaft durchgeführt wird, entworfen. In diesem rund zweistündigen Interview wird mit den Eltern über wesentliche Aspekte ihrer Partnerschaft, ihrer Vorstellungen vom zukünftigen Kind, die Art und Weise, wie sie die ersten Zeichen des realen Kindes, wie beispielsweise Kindsbewegungen und Ultraschallbilder, erleben, ihren Dialog untereinander und über ihre eigenen Kindheitserfahrungen gesprochen. Ein zentrales diagnostisches Anliegen ist dabei zu evaluieren, ob sich die Repräsentanzenwelt der Eltern, gerade bezüglich des zukünftigen Kindes, auf dyadischem oder triangulärem Niveau bewegt, das heisst ob in der vorgestellten Beziehung des einen Elternteils zum Kind der andere Elternteil Platz hat oder ob Ausschlusstendenzen vorliegen. Alle Interviews wurden auf Video aufgezeichnet und nach einem umfangreichen Auswertungsklossar von verschiedenen, klinisch erfahrenen Diagnostikern ausgewertet: Die Beurteilungsübereinstimmungen waren ausreichend bis gut. Zielvariable der Auswertung war die Triadische Fähigkeit von Vater, Mutter und dem Paar als Ganzem, welche sich aus Aspekten der Persönlichkeits- und Partnerschaftsdynamik, der Flexibilität innerer Bilder vom zukünftigen Kind, dem Ausmass der Triangularität der Repräsentanzen, der Dialogfähigkeit der Eltern untereinander und der Integration vor allem triadischer Kindheitserfahrungen in die eigene Lebensgeschichte zusammensetzt. Die während der Schwangerschaft erfasste triadische Fähigkeit der Eltern wurde mit weiteren Verlaufsparametern der kindlichen Entwicklung und der Elternschaft verglichen. Die Ergebnisse der pränatalen Interviews charakterisieren sehr dauerhafte Funktionen der elterlichen Repräsentanzenwelt, wie sich in noch vier mal während des ersten Lebensjahres des Kindes im Beisein des Säuglings wiederholten Interviews zeigte.

Ergebnisse der quantitativen Analysen

Die meisten Ehepaare wiesen sowohl in ihrer Innenwelt als auch in ihrer Partnerschaftsdynamik eine hohe Kontinuität vor und nach der Geburt auf. Eltern, die reichhaltige, aber flexible Vorstellungen von ihrem zukünftigen Kind entwickelt hatten, die in den Vorstellungen von der eigenen Beziehung zum Kind den jeweiligen anderen Elternteil einbezogen und in ihrer eigenen Lebensgeschichte eine hohe Kontinuität des Selbsterlebens aufwiesen (alles Aspekte einer hohen Triadischen Fähigkeit), zeigten sich auch nach der Geburt sehr stabil in ihrer Elternschaft und konnten eine positiv getönte, aber Ambivalenz zulassende und integrierende Beziehung zum Kind entwickeln.

Im Folgenden werden einige statistische Zusammenhänge, die wir zwischen diesen bereits pränatal erfassbaren Beziehungscharakteristika und postnatalen Verlaufsvariablen gefunden haben, dargestellt: Es zeigte sich eine hochsignifikante Korrelation zwischen den pränatal erfassten triadischen Fähigkeiten der Eltern und der Qualität der Eltern-Kind-Interaktionen in einer standardisierten auf Video aufgezeichneten triadischen Interaktionsbeobachtung im Alter von vier Monaten des Kindes („Spiel-Zu-Dritt“). Dabei hat die Innenwelt der Eltern, ihre innere triadische Szene, wie sie bereits im Erstinterview erfasst wurde, bevor das Kind überhaupt da war, einen höheren prädiktiven Wert für die Dreier-Interaktion Mutter-Vater-Kind („Trilog“) als auf die Art und Weise, wie Vater oder Mutter getrennt von einander in den Dialog mit dem Kind treten konnten. Ein besonders hoher statistischer Zusammenhang ergab sich zwischen der pränatalen väterlichen Repräsentanzen und der „Trilogfähigkeit“ des Kindes, das heisst der Intensität, mit der das Kind in der Dreier-Interaktion mit beiden Eltern wechselseitig Beziehung aufnahm. Je mehr die Väter in dem pränatalen Interview reiche und flexible Phantasien über ihr zukünftiges Kind ausgedrückt hatten, ohne dabei die Mutter als bedeutende Beziehungsperson für sich selbst und für das Kind auszuschliessen, desto mehr war das vier Monate alte Kind fähig, einen eigenständigen, durch wechselseitige Aktivität und Flexibilität geprägten Beitrag zu einem gut balancierten Beziehungskontakt mit beiden Eltern während des triadischen Spiels zu leisten. Interessanterweise korrelierte die Qualität der Interaktionen im dyadischen Vater-Kind-Kontakt signifikant mit der pränatal eingeschätzten triadischen Fähigkeit der Mutter.

Es fand sich eine signifikante Korrelation zwischen der pränatal erfassten triadischen Fähigkeit der Mutter und der Qualität des Mutter-Kind-Dialoges in der Wiedervereinigungsphase des Separations- und Wiedervereinigungsversuches, der im obigen Fallbeispiel beschrieben wurde. Dagegen korrelieren die pränatal erfassten triadischen Fähigkeiten der Eltern nicht mir der Qualität der triadischen Interaktion in der Wiedervereinigungsphasen nach der Stresssituation der Trennung. Diese wurde dagegen wesentlich von der kindlichen Fähigkeit zur Regulation des eigenen emotionalen Gleichgewichtes während der Trennung beeinflusst (von Klitzing et al. 1999a).

Die pränatal erfassten Beziehungscharakteristika (Triadische Fähigkeit der Eltern) korrelierten signifikant positiv mit dem Ausmass und der Intensität früh auftauchender funktioneller Symptome beim Kind, wie beispielsweise Säuglingskoliken, Trink- oder Schlafproblemen sowie mit der mütterlichen Einschätzung schwieriger Temperamentseigenschaften des Kindes im ersten Lebensjahr.

Keinen Einfluss hatten die pränatal erfassten Variablen auf die kognitive Entwicklung des Kindes sowie auf Verhaltensbeurteilungen des Vaters und eines unabhängigen Beobachters.

Im fünften Lebensjahr wurden die Kinder der Untersuchungsgruppe mit Hilfe eines standardisierten projektiven Tests untersucht. Es wurden ihnen Geschichts-Anfänge erzählt, und sie wurden gebeten, diese verbal und mit Hilfe kleiner Puppen zu Ende zu erzählen. Dabei zeigten sich signifikant positive Korrelationen zwischen den pränatal erfassten triadischen Fähigkeiten der Eltern und der Anzahl positiver Themen und der Qualität der Erzählkohärenz in den kindlichen Erzählungen. Je mehr die Eltern also bereits im pränatalen Interview andeuteten, dass sie dem Kind einen triadischen Raum zur Verfügung stellen konnten, desto mehr waren die Kinder in der Lage, die angebotenen Beziehungskonflikte mit positiven Erzählinhalten zu lösen und desto kohärenter waren ihre Geschichten. Ebenso zeigte sich ein signifikanter eigenständiger Zusammenhang zwischen der pränatal erfassten Triadischen Fähigkeiten der Eltern und dem Vorhandensein aggressiver Verhaltensprobleme der Kinder, wie sie von den Müttern mittels der Child-Behaviour-Checklist eingeschätzt wurden.

Zusammenfassung

Werdende Eltern entwickeln bereits während der Schwangerschaft (vielleicht auch schon vorher) einen inneren triadischen Raum für ihr zukünftiges Kind, welcher mehr oder weniger flexibel, mehr oder weniger auf eine gesunde Persönlichkeit und eine ausgeglichene Partnerschaft und welche mehr oder weniger auf eine Erlebenskontinuität eigener triadischer Erfahrungen vor allem während der eigenen Kindheit abgestützt sein können. Dieser innere triadische Raum hat erheblichen Einfluss auf den Dialog zwischen den Eltern und auf die späteren Interaktionen mit ihrem Kind. Die Ergebnisse unserer Studien zeigen, dass elterliche Fähigkeit zur triadischen Beziehungsgestaltung, einen wesentlichen und langandauernden Einfluss auf die psychische Entwicklung des Kindes hat. Es konnte auch gezeigt werden, dass die väterliche Triadische Fähigkeit bereits mit vier Monaten einen erheblichen Einfluss auf beobachtbare Eltern-Kind-Interkationen und auf wichtige Elemente des kindlichen Verhaltens hat.

Qualitative Analysen der Interviews zeigten, dass Väter mit einer hohen Triadischen Fähigkeit bereits pränatal eher davon überzeugt waren, dass sie für den Säugling von Anfang an wichtig sein würden, als solche mit einer niedrigen Triadischen Fähigkeit. Väter, die über tiefgehende Beziehungserfahrungen mit ihren eigenen Vätern oder anderen bedeutsamen dritten Personen verfügten, konnten in der Regel eine grosse Bandbreite innerer Bilder über ihre zukünftige Rolle als bedeutsame Beziehungsperson für ihr Kind entwickeln. Die väterlichen Beziehungserfahrungen mit einer Vaterfigur konnten auch innerpsychische Phantasien sein, meist allerdings gefördert durch Erzählungen der Vatersmütter in Fällen, in denen ihr realer Vater abwesend war. Die Identifikation mit einem inneren Bild von einem Vater, der gut oder wichtig genug ist, führte bei den Vätern meist zu einem starken Kinderwunsch und dazu, dass sie die Schwangerschaft und den Übergang zur Elternschaft als eine Bereicherung auch für ihre Partnerschaft erlebten. Dabei war es auch wichtig, dass die Mütter den Vätern überhaupt erlaubten, eine wichtige Beziehungsperson für den Säugling zu sein, wie es Winnicott (1964) beschrieben hat. Man könnte auch spekulieren, dass die väterliche Identifikation mit der Vatersmutter ebenso eine Grundlage für eine Vaterschaft, die gut genug ist, sein könnte. Wahrscheinlich führt die Flexibilität elterlicher Einstellungen dazu, dass das Kind sich in einem triadischen Beziehungsraum erlebt, in welchem sich verschiedene Arten von Identifikationen entwickeln können und welcher einen transgenerationalen Einfluss auf die elterliche Haltung der nächsten Generationen hat.

Die Triade kann als die primäre Beziehungsform angesehen werden, in die das Kind hineingeboren wird. Bereits mir vier Monaten ist die Fähigkeit des Kindes, in eine Drei-Personen-Beziehung einzutreten und diese eigenständig mitzugestalten, beobachtbar. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine angeborene Fähigkeit des Kindes zur triadischen Beziehungsgestaltung. Ob diese Fähigkeit realisiert und entwickelt werden kann, hängt entscheidend von der elterlichen Repräsentanzenwelt und damit vom Ausmass und der Qualität triadischer Interaktionen, welche sie dem Kind anbieten, ab. Wenn die Eltern über reiche Erfahrungen mit triadischen Objektbeziehungen – seien sie real oder phantasierter Art – verfügen und eine Partnerschaft, die frei von projektiven Verzerrungen ist, formen, in welche sie das Kind mit Hilfe flexibler und triangulärer Phantasien integrieren (alles Dimensionen der „triadischen Fähigkeit“), kann sich diese angeborene Fähigkeit zum triadischen Kontakt beim Säugling dadurch ausdrücken, dass er aktiv triadische Beziehungen eingeht. Erfahrungen in Dreier-Beziehungen und die inneren Repräsentanzen solcher Erfahrungen haben einen starken Einfluss auf die frühe Entwicklung des Kindes im ersten Lebensjahr. Darüber hinaus besteht offensichtlich eine Kontinuität zwischen diesen frühen Triadifizierungs- und Triangulierungsprozessen und der späteren Entwicklung der kindlichen Innenwelt im Vorschulalter. Für die psychoanalytische Entwicklungstherorie bedeutet das, dass der Ödipus-Komplex nicht mehr als ein Neueintritt des Kindes in die triadische Beziehungswelt sondern als eine Weiterentwicklung des Kontinuums triadischer Erfahrungen verstanden werden sollte.

Gekürzte Fassung des gleichnamigen Beitrags, erschienen in: Hans Bosse, Vera King (Hg.): Männlichkeitsentwürfe. Wandlungen und Widerstände im Geschlechterverhältnis, Campus Verlag Frankfurt/New York 2000. Wir danken dem Campus Verlag für die Genehmigung.

Die vollständige Fassung einschließlich der Literaturangaben ist über die Geschäftsstelle erhältlich.

Prof. Dr. med. Kai von Klitzing ist Leiter des Bereichs Forschung an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Universitätsklinik und –Poliklinik in Basel