Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Wenn wertvolle Puzzleteile nicht mehr zusammen passen

Kinder, deren Eltern sich trennen, haben oft Angst vor der Zukunft. Sie brauchen Halt und einen roten Faden für ihr Leben. Ein solcher Faden ist aber oft nur schwer zu finden, wenn Gefühle nicht ausgedrückt und die Geschehnisse nicht mit klarem Kopf bewertet werden können.

„Papa darf nicht gehen. Ich muss etwas tun! Ich nehme alle meine Springseile und verbarrikadiere die Tür!“, so versucht die siebenjährige Lena ihren Vater vom Weggehen abzuhalten. „Aktion Springseil“ von Schirin Homeier und Barbara Siegmann-Schroth ist ein Ratgeber in Bildern für Kinder und Jugendliche. Das Buch beschreibt die Geschichte von zwei Kindern, deren Eltern sich trennen und begleitet sie durch das erste „andere“ Jahr. Die Autorinnen machen kindgerechte Vorschläge, die eigenen Gefühle zu ergründen und auszudrücken und sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Sie ermutigen Kinder, über ihre Ängste zu sprechen und auf diese Weise die neue Situation so gut es geht zu meistern.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Kinder, aber auch an Eltern und nahe Bezugspersonen. Tipps zum gemeinsamen Lesen regen auf liebevolle und ungezwungene Art dazu an, eigene Gefühle auszudrücken und zu reflektieren. Außerdem werden Informationen zu typischem Verhalten von Kindern in Trennungskonflikten, grundsätzliche Regeln für den Umgang und rechtliche Hintergründe vermittelt.
Außerordentlich gut gelingt es den Autorinnen, sowohl die Sicht der Kinder als auch die der Eltern zu würdigen. „Aktion Springseil“ gibt klare fachliche und kindgerechte Ratschläge, wenn sich die Eltern fremd geworden sind und das Leben auf den Kopf gestellt wurde.

Alexandra Köpp

Schirin Homeier und Barbara Siegmann-Schroth
Aktion Springseil
Ein Kinderfachbuch für Kinder, deren Eltern sich getrennt haben
Mabuse-Verlag 2011
157 Seiten
22,90 €

Ehrlich und selbstbewusst auch bei Trennung und Scheidung

Wenn Eltern sich trennen, machen sie sich Sorgen um das Wohlergehen ihres Kindes. Häufig kommen rechtliche Unsicherheiten hinzu. In ein und demselben Ratgeber sowohl die psychologischen als auch die juristischen Aspekte einer Trennung oder Scheidung zu behandeln, ist ungewöhnlich. Aber es ist möglich.

Jede Elterntrennung ist für das Kind eine große Belastung. Wenn die Eltern mit der neuen Situation offen umgehen, haben jedoch die meisten Kinder gute Chancen, die Krise ohne nachhaltigen Schaden zu überstehen und sich zu glücklichen Erwachsenen zu entwickeln. Diese Erkenntnisse bilden den Ausgangspunkt des Elternratgebers von Claus Koch (Psychologe) und Christoph Strecker (Familienrichter a. D. und Mediator).
Verständlich geschrieben und übersichtlich gegliedert erhalten Eltern im ersten Teil Antworten auf die wichtigsten Fragen entlang des Trennungsprozesses. Gibt es aus Sicht des Kindes einen „richtigen“ Zeitpunkt für die Trennung? Wie kann mit Schuldgefühlen umgegangen werden? Auf welche Weise können die Kinder aufgeklärt werden? Sind langfristige negative Folgen zu erwarten? Welche Schutzfaktoren sollten Eltern beachten?
Ein zweiter Teil informiert über die rechtlichen Regelungen und weist Eltern auf die Möglichkeiten außergerichtlicher Einigung zum Beispiel durch Mediation hin. Gerade weil die Autoren das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellen, erscheint eine Behauptung des Juristen allerdings zweifelhaft: ob es wirklich in jedem Fall die beste Lösung ist, das Sorgerecht auf beide Eltern zu verteilen, muss angesichts von Partnergewalt oder Kindesmisshandlung bei einem – glücklicherweise sehr kleinen – Teil der Familien dann doch in Zweifel gezogen werden.

Prof. Dr. Jörg Maywald

Claus Koch und Christoph Strecker

Kindern bei Trennung und Scheidung helfen
Psychologischer und juristischer Rat für Eltern
BELTZ Verlag 2011
112 Seiten
12,95 €(plus Arbeitsbuch 14,90 €)