Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Es ist ganz normal verschieden zu sein. Mit diesen Worten lässt sich einprägsam die Notwendigkeit von Inklusion begründen. Moderne Gesellschaften zeichnen sich durch Heterogenität aus und gewinnen gerade dadurch an Attraktivität. Inklusion zielt auf eine Gesellschaft, in der alle Menschen in ihrer Verschiedenheit auf der Grundlage gleicher Rechte miteinander leben können.

Jedes Kind ist anders, alle Kinder sind gleich. Im Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen bewegt sich inklusive Pädagogik. In der Praxis ist Behinderung diejenige Verschiedenheit, die in besonderer Weise benachteiligt wird. Von dem Leitbild einer Pädagogik der Vielfalt sind wir noch weit entfernt. Obwohl sich viele Kindergärten und Schulen zu integrativen oder sogar inklusiven Einrichtungen entwickelt haben, gehört Deutschland weiterhin zu denjenigen Ländern, in denen die Mehrzahl behinderter Kinder in Sondereinrichtungen abgedrängt wird: nur etwa 15 Prozent der Schüler(innen) mit Behinderungen besuchen hierzulande eine Regelschule, gegenüber mehr als 50 Prozent in anderen europäischen Ländern.

Mit der Ratifikation der UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Jahr 2008 ist Deutschland die Verpflichtung eingegangen, Schritt für Schritt ein inklusives Bildungssystem einzurichten. Inklusion ist damit ein grundlegendes Menschenrecht jedes einzelnen Bürgers der Gesellschaft. Ein Gutachten des Völkerrechtlers Prof. Eibe Riedel hat kürzlich feststellt, dass behinderte Kinder bereits heute ein Recht auf gemeinsamen Unterricht an einer allgemeinen Schule haben, ohne dass ihnen entgegengehalten werden kann, die finanziellen oder personellen Mittel stünden nicht zur Verfügung.

Inklusion bedeutet nun aber nicht, einfach die Türen der Regeleinrichtungen aufzumachen. Die zahlreichen Sonderpädagog(inn)en und Therapeut(inn)en für Kinder mit besonderen Bedürfnissen werden durch das Etikett „Inklusion“ keineswegs überflüssig. Inklusive Konzepte sind keine versteckten Sparprogramme. Vielmehr geht es darum, die bestehenden Einrichtungen räumlich, konzeptionell und personell so zu verbessern, dass alle Kinder individuell gefördert werden. Ziel muss sein, Zugehörigkeit trotz Verschiedenheit zu ermöglichen und gleiche Chancen beim Aufwachsen für alle Kinder zu gewährleisten.

Wie viel Vater braucht ein Kind? Welches Engagement, wie viel Zeit, welche Beziehung ist angemessen? Gibt es besondere, unersetzliche väterliche Eigenschaften, von denen Kinder profitieren? Unter dem Titel „Väter in neuer Verantwortung“ findet am 15./16.10.2010 in München die diesjährige Jahrestagung der Deutschen Liga für das Kind statt. Zu den Referentinnen und Referenten gehören hervorragende Wissenschaftler und Praktiker aus Neurobiologie, Medizin, Psychologie, Soziologie und Recht. Ziel der Tagung ist es, die Anforderungen an moderne Vaterschaft zu benennen und Chancen aber auch Hindernisse und Fallstricke der väterlichen Rolle aufzuzeigen. Das Programm ist ab sofort über die Geschäftsstelle erhältlich.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind