Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Wohnen mit Kindern in Dortmund-Hacheney

Ein Projekt des Vereins „Wohnen mit Kindern“

Neun Familien mit insgesamt 18 Kindern haben als Eigentümergemeinschaft in Dortmund-Hacheney neun Wohneinheiten und ein Gemeinschaftshaus errichtet. Für den Bau und die Bewirtschaftung des Gemeinschaftshauses und einer gemeinschaftlich nutzbaren Außenfläche wurde eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) gegründet, in die jede Partei etwa 100 qm Grundstücksfläche und eine bestimmte Geldsumme einbrachte.

Das Gemeinschaftshaus war von Anfang an ein zentraler Baustein in der Konzeption der „Baufamilien“. Mit ihm verband sich die Hoffnung, dass es sich zum sozialen und kulturellen Mittelpunkt der Bewohnergemeinschaft entwickelt und auch Raum für praktische Hilfen des Alltagslebens bietet, wie beispielsweise durch eine gemeinsame Kinderbetreuung oder den Einkauf von Lebensmittelvorräten. Das Gemeinschaftshaus dient auch als Nachbarschaftstreffpunkt.

Das etwa 100 qm große Gemeinschaftshaus besteht aus einem etwa 43 qm großen Gemeinschaftsraum, einem Fahrradabstellraum sowie drei privaten Garagen und Abstellflächen. Mit seiner Errichtung wurde bereits vor dem eigentlichen Bau der Wohnhäuser begonnen. Dieser Umstand erwies sich als sehr sinnvoll, da die Gruppenmitglieder zu diesem Zeitpunkt noch über ausreichende zeitliche und finanzielle Ressourcen verfügen konnten. Durch die abzuleistenden Arbeitsstunden wurde der Bau des Gemeinschaftshauses zudem zu einer wichtigen gemeinschaftsfördernden Maßnahme und ein guter Start für die weiteren Realisierungsphasen.

Individuell und doch ein Ensemble

Die Wohnhäuser bestehen aus neun in einem Halbkreis angeordneten zweigeschossigen Reihenhäusern. Im Inneren der Kreisfläche befindet sich die gemeinschaftlich genutzte Spiel- und Aufenthaltsfläche mit Fahrradschuppen und Gemeinschaftshaus, welches zusammen mit den als Carports gestalteten Stellplätzen und einer Mauer den Abschluss zur Straße bildet. Die privaten Gärten und Wohnräume haben eine optimale Orientierung nach Süd-West. Der gesamte Außenbereich inklusive Gemeinschaftshaus wurde weitgehend barrierefrei und behindertengerecht gestaltet (städtebaulicher Entwurf und Architektur: Roder+Humpert/Dortmund).

Die Wohnhäuser wirken trotz unterschiedlicher Ausprägungen bei den Fassaden, Fensterflächen und Wintergärten, Balkonen und Hauseingängen als ein einheitliches Ensemble.

Die Wohneinheiten haben Größen zwischen 120 und 160 qm und gehen mit ihrer Grundrissorganisation besonders auf die Bedürfnisse von Kindern und das Familienlieben ein. Große Fenster und teilweise Wintergärten nach Süd-Westen und kleine Fenster nach Nord-Osten in Verbindung mit einer massiven Bauweise ermöglichen eine optimale passive Sonnenenergienutzung. Beheizt und mit warmem Wasser versorgt werden die Häuser durch Gasbrennwertkessel, die eine Minimierung des Energieverbrauchs und Schadstoffausstoßes möglich machen. Zwei Häuser nutzen zur Zeit Sonnenenergie, die anderen Häuser haben Anschlüsse für ergänzende Installationen, so dass zu einem späteren Zeitpunkt nachgerüstet werden kann. Das Regenwasser der Dachflächen wird in zwei unterirdischen Zisternen gespeichert und für die WC-Spülung genutzt.

Den Zielen des Vereins „Wohnen mit Kindern“ entsprechend wurde an die Häuser ein fester Maßstab angelegt, der allerdings aufgrund individueller Entscheidungen schließlich unterschiedlich konsequent umgesetzt wurde:

  • Jede Wohneinheit sollte über einen so genannten „Allraum“ verfügen, der als Wohnküche den zentralen Lebensbereich für alle Haushaltsmitglieder darstellt.
  • Durch geringfügige Änderungen sollte es in einer späteren Familienphase noch möglich sein, eine Wohneinheit in zwei zu unterteilen.
  • Ein ebenerdiger Zugang in die Wohnungen sollte den Kontakt zwischen Spielbereich draußen und Eltern drinnen erleichtern helfen.
  • Alle Eingangsbereiche sollten als Pufferzone mit unempfindlichen Materialien ausgestattet werden.
  • Durch heruntergezogene Fenster sollten Kinder auch im Obergeschoss Sichtkontakt zum „Außenhaus“ behalten können.
  • Als Ruhezone oder Arbeitszimmer sollte eine „gute Stube“ im Erdgeschoss zur Verfügung stehen.
  • Im Außenbereich sollte es ein gemeinschaftlich nutzbares und lautes „Vorne“ geben, welches den ganzen Tag über ohne Unterbrechungen bespielbar ist, sowie ein privates und ruhiges „Hinten“.

Die Gesamterstellungskosten ohne Bodenerwerbskosten und inklusive Gemeinschaftshaus und Baunebenkosten bewegten sich um 170.000 Euro pro Wohneinheit. Die finanziellen Aufwendungen für die Gemeinschaftsanlagen inklusive Gemeinschaftshaus, Begrünung, Lärmschutzmauern und Stellplätzen schlugen mit rund 100.000 Euro zu Buche, von denen das Gemeinschaftshaus allein etwa die Hälfte verschlang. Die Bauparteien beteiligten sich an den Gemeinschaftsanlagen mit jeweils zwischen 10.000 Euro und 13.000 Euro.