Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Neue Lebensräume für Kinder – Spielhäuser entstehen

von Moni Bezdek

Die Idee, in Kindergärten und in Familienbildungseinrichtungen interessante Bewegungsräume für Kinder einzubauen, entstand schon vor vielen Jahren. Damals wurden die Folgen von mangelnder Bewegung bei Kindern deutlich: Aggressivität und Zappeligkeit genauso wie Bewegungshemmungen und Schulprobleme. Wir wollten den Kindern wieder Spaß an Bewegung vermitteln, ihnen Räume schaffen, in denen selbst bestimmtes freies Bewegen möglich ist, wodurch den Kindern Entwicklungsmöglichkeiten in vielen Bereichen eröffnet werden.

Nicht nur die Motorik wird durch vielfältige Bewegung verbessert, die Kinder lernen ihre Kräfte einzuschätzen, das Selbstwertgefühl und die Selbsteinschätzung werden gefördert. Je mehr Synapsen im Gehirn durch vielfältige Bewegung im Kindesalter verschaltet wurden, desto komplexer wird das Denkvermögen. Die Bedeutung von Bewegung für die soziale Kompetenz soll nicht unterschätzt werden. Im bewegten Spiel lernen die Kinder ihre Grenzen kennen, nehmen Kontakte auf, messen sich mit anderen und müssen Regeln einhalten. Bewegung bewegt, Kinder drücken ihre emotionale und soziale Befindlichkeit in Bewegung aus, Spannungen und Aggressionen werden abgebaut, Freude findet Ausdruck, die Kinder empfinden Entspannung.

Mit diesen Argumenten konnten wir bei jedem Projekt die beteiligten Eltern motivieren, sich aktiv am Spielhausbau zu beteiligen und unter Anleitung eines Schreiners in vielen Stunden ein ganz individuelles Spielhaus zu bauen. Zuerst musste geklärt werden, wie der Raum sinnvoll genutzt werden konnte und wie viele Kinder in welchem Alter hier einmal spielen sollten. Je höher und größer die Räume, desto mehr Ideen können verwirklicht werden. Wir haben in zwei oder drei Ebenen gebaut.

Sehr wichtig sind uns beim Bau der Spielhäuser die Grundsätze aus der Motopädie: eine schiefe Ebene, die Möglichkeit zu springen, zu schaukeln oder zu schwingen, zu hangeln, zu klettern und Höhlen für den Rückzug. Außerdem gibt es bei jedem Spielhaus einen freien Raum zum Toben. Wir haben jedes Mal einen interessierten Schreiner gefunden, der aus unseren Ideen einen guten Plan gezeichnet hat und auch Spaß daran hatte, Laien beim handwerklichen Arbeiten anzuweisen.

Wichtig ist es, bei der Planung die Vorgaben vom TÜV zu beachten: die Höhe der Geländer, die Abstände der Leisten in den Geländern, die Fallhöhen, und wenn nötig die Rettungswege, die der Brandschutz vorschreibt.

Rutschbahnen, kleine Bühnen zum Theater spielen, Brücken, Höhlen, Verstecke, Podeste und Kletterwände wurden zu einer Einheit. Die verschiedenen Ecken und kleinen Spielflächen werden durch Treppen und Stege verbunden. Unter der Rutschbahn und unter dem Sprungturm werden Schaumgummimatratzen in der richtigen Dichte eingepasst, manche Höhlen sind weich ausgepolstert. Während des Arbeitens sind noch viele Ideen entstanden und der Spaß an der Arbeit drückt sich in vielen kleinen künstlerischen Details aus: eine Zeichnung auf dem Holz, ein eingebautes Musikinstrument, ein Bogen oder ein Durchblick, eine Fühlwand aus verschiedenen Materialien. Wir verwenden nur naturbelassenes Holz und bearbeiten die Oberflächen sehr sorgfältig, damit wir weder streichen noch wachsen müssen. So treten bei den Kindern später auch keine allergischen Reaktionen auf.

In den Spielhäusern haben wir nur wenig Spielmaterial: Schaumgummiwürfel im Tobebereich, Kasperlpuppen oder Stabpuppen dort wo Theater gespielt wird, Bücher in der Leseecke und sonst nur Tücher, Stoffe, Decken, Vorhänge, damit die Kinder sich den Raum so gestalten können, wie sie es wollen.

Die Spielhäuser haben einen großen Aufforderungscharakter. Jedes Kind kann entsprechend seinen Möglichkeiten lernen: erst zuschauen und beobachten, dann ausprobieren, was es sich zutraut und die Schwierigkeit steigern. Wenn wir die Kinder heute beobachten, freuen wir uns immer wieder an ihrem Einfallsreichtum, mit dem sie die Spielhäuser nutzen. Wir freuen uns, dass viele Eltern Ideen aus den Spielhäusern aufgegriffen und die Kinderzimmer zu Hause entsprechend gestaltet haben.

Informationen unter www.ekp.de.

Moni Bezdek ist Sozialpädagogin und Leiterin des Eltern-Kind-Programm e.V. in Stockdorf