Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Kinder sehen die Umwelt anders

… viele Erwachsene haben das längst vergessen

von Gudrun Stange

Über 70% der Unfälle im Kindesalter ereignen sich in der häuslichen Umgebung. Häufig sind Unwissenheit oder Unachtsamkeit der Erwachsenen eigentliche Ursachen dafür, dass Kinder Unfälle mit oft dramatischen Folgen erleiden. Dabei hätten 95% der tödlichen Unfälle und 60% der Kinderunfälle mit schweren Verletzungsfolgen verhindert werden können.

Manchmal sind Kinderärzte müde, immer aufs Neue die einfachen Weisheiten verkünden zu müssen. Aber woher sollen es zukünftige Eltern besser wissen, wenn veränderte Kommunikation und Familienstrukturen die Weitergabe von Lebensregeln zwischen den Generationen nicht mehr ausreichend ermöglichen?

Kinder sehen und hören noch anders als Erwachsene, sie können nicht auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen und sie sehen die Umwelt aus der Perspektive ganz kleiner Menschen. Diese Überlegung wurde von der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Prävention von Kinderunfällen“ des Landes Brandenburg aufgegriffen. Mit einer Wanderausstellung „Riesenküche“ sollen Erwachsene für dieses Thema sensibilisiert werden.

Vom 14.01. bis zum 13.02.2003 war die „Riesenküche“ im Foyer des Technischen Rathauses der Stadt Cottbus zu sehen. Gern setzten sich Erwachsene auf den übergroßen Stuhl, der sie in die Lage eines Dreijährigen versetzte, der nur mühsam den Tisch überblicken kann und beim Zug am Tischtuch durch heiße Getränke gefährdet wäre. Spaßig sah es aus, wenn Erwachsene nach dem Topf auf dem Herd hangelten. Zum Vergleich stand eine normal große Küche daneben, die mit Sicherheitsartikeln, wie z.B. Herdschutz, Klemmschutz für Türen, Sicherheitsverriegelungen und verschlossenen Aufbewahrungskörben, umfangreich ausgerüstet war. Die Ausstellung informierte nicht nur über Unfallgefahren in der Küche.

Besonders häufig sind Stürze vom Wickeltisch, von Hochstühlen und Treppen, aber auch mechanisches Ersticken, Vergiftungen, Verbrühungen oder Verbrennungen, Ersticken durch Brände und Ertrinken in ungesicherten Teichen. Umfangreiches Informationsmaterial, Einzelgespräche, Fachvorträge, Demonstrationen zur Verkehrssicherheit und Kurse zur Ersten Hilfe bei Kinderunfällen konnten von jedem Interessierten genutzt werden, um über die täglich lauernden Gefahren für Kinder und über Präventionsmaßnahmen im Bilde zu sein. Erfreulicherweise waren vor allem Jugendliche in dieser Ausstellung.

Dipl.-Medizinerin Gudrun Stange ist Amtsärztin und Leiterin des Gesundheitsamtes in Cottbus

Informationen über die Riesenküche:
BAG Kindersicherheit
c/o Bundesvereinigung für Gesundheit e.V.
Heilsbachstr. 30, 53123 Bonn
Tel.: 0228 – 987 27 20
E-Mail bfge.is@bfge-3.de