Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Kinder stark machen – von Anfang an

Ein Buch, das Eltern mit ihren Ängsten, ihr Kind könnte auf die schiefe Bahn geraten oder einer Suchtkrankheit zum Opfer fallen, nicht allein lässt; das wertvolle Anregungen für einen guten emotionalen Dialog gibt – von Anfang an.

Erwachsene, die ein Kind füttern, öffnen, meist unbewusst, selbst den Mund, wenn sie den Löffel zum Kindermund führen. Das Kind schaut es sich ab, öffnet auch den Mund und hat gelernt, wie es geht. Wer den Mechanismus – so einfach er ist – begriffen hat, hat auch verstanden, was eine gute Kommunikation mit dem kleinen Kind für die Entwicklung bedeutet. „Das Kind braucht seine Eltern als „Spiegel“, um zu sich selbst zu finden und sich zu akzeptieren, schreiben die Autorinnen.

Das Buch nennt viele Beispiele aus dem Kinderalltag; so bleiben die Ratschläge zur „Schutz-Erziehung“ nicht abstrakt, jedes Elternpaar wird nicht nur eine Situation finden, in der es sein Kind selbst schon mal erlebt hat. Zum Beispiel die Dunkelangst bei dem kleinen Mike. Im Buch wird erklärt, dass Dunkelangst mit etwa drei Jahren zum ersten Mal auftaucht. „Jetzt wird alles erlaufen, erklettert und ersprungen. Jetzt ereignen sich einige Unfälle oder ‚Fastunfälle’, die das Herz ordentlich klopfen und an der eigenen Unversehrtheit zweifeln lassen – und die beim Einschlafen, wenn alles rundum dunkel ist, noch mal durchlebt werden.“

Wer das gelesen hat, denkt nicht mehr, dass sein Kind abends, wenn es schlafen soll, nervt und den armen gestressten Eltern einfach keine Ruhe gönnt.

„Schutz-Erziehung“ hat übrigens nichts mit Behütung zu tun. Sie soll vielmehr dem Kind die Chance geben, selbst aktiv zu werden, Fähigkeiten zu entfalten, seine Einzigartigkeit und Stärken zu spüren, und zwar von Anfang an: zu Hause, im Kindergarten und in der Schule. Das Buch ist ein wertvoller Ratgeber, dazu ansprechend aufgemacht. Es wurde zu Recht von Kinderärzten und Eltern empfohlen.

Annette Wilmes

Gabriele Haug-Schnabel, Barbara Schmidt-Steinbrunner:
Wie man Kinder von Anfang an stark macht:
So können Sie Ihr Kind erfolgreich schützen – vor der Flucht in Angst, Gewalt und Sucht
Oberstebrink Verlag

Ratingen, 2002, 256 Seiten
17,80 Euro

Ruhe durch Bewegung

Durch ein gelungenes Wechselspiel von Bewegung und Ruhe können Kinder ihre Kräfte spüren und entfalten und ihren Körper besser kennen lernen. Eltern und pädagogische Fachkräfte erfahren in diesem Buch, wie Kinder zu mehr Ausgeglichenheit finden und sich im Alltag sicherer bewegen können.

„Ruhe und Bewegung sind keine Gegensätze, sie ergänzen sich gegenseitig. Der beste Weg zur Entspannung ist die Erfüllung der Bewegungsbedürfnisse der Kinder“. Unter dieses Motto stellt Renate Zimmer, Hochschullehrerin in Osnabrück und Expertin für frühkindliche Bewegungserziehung und Psychomotorik, ihr neuestes Buch.

Wer befürchtet, dass die Autorin sich auf allgemeine Ratschläge zum Erreichen einer positiven Balance von Aktivität und Ruhe beschränkt, der wird auf angenehme Weise enttäuscht: das Buch ist voller praktischer Anregungen und Tipps, die nach Themen geordnet übersichtlich präsentiert werden. Das Spektrum reicht von Tobespielen und Stilleübungen über Konzentrationstechniken bis zu spielerischen Massageübungen und Fantasiereisen. Eine Fundgrube besonders für Erzieherinnen, die ihren Alltag mit den Kindern in einen Rhythmus von Bewegung und Entspannung einbetten wollen.

Beim Lesen bleibt die ein wenig beklemmende Frage offen, ob in einer beschleunigten Gesellschaft eigentlich die Erwachsenen ausgeglichen genug sind, um den Kindern in puncto Ruhe und Bewegung ein Vorbild zu sein. Ein Buch, das Erwachsene zum Nachdenken auch über den eigenen Lebensstil bringt.

Dr. Jörg Maywald

Renate Zimmer
Bewegung und Entspannung
Anregungen für die praktische Arbeit mit Kindern
Herder Verlag

Freiburg 2002, 128 Seiten
13,90 Euro