Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Turnen macht sicher

von Anke Nöcker

Es ist erschreckend zu beobachten, wie unsicher manche Kinder in ihrem Gang sind, wie sie über die eigenen Füße stolpern oder die Bordsteinkante nicht richtig hoch kommen, sondern mit der Fußspitze hängen bleiben. Szenen des Alltags, in denen wir kopfschüttelnd da stehen und uns fragen: „Waren wir auch so?“

Das Koordinationsvermögen und damit zusammenhängend die Bewegungskompetenz von Kindern sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Es wird immer Kinder geben, die in ihren Bewegungen unsicher sind oder gar deutliche Defizite in ihrem Bewegungsrepertoire aufweisen. Doch keine Angst – regelmäßiges Üben (in spielerischer Form) kann in diesem Bereich zu großen Fortschritten bei jedem Kind führen. Leider ist jedoch der Turn- und Sportunterricht in der Schule immer noch das Fach, welches im Krankheitsfall von Lehrer(inne)n und auch insgesamt in der Planung der Stundenpläne als erstes gestrichen wird. Das liegt zum einen daran, dass Personal für den Schulsport fehlt und zum anderen leider daran, dass die Notwendigkeit des Schulsports niedriger eingestuft wird als die der „klassischen“ Lehrfächer.

Eltern müssen demnach die Verantwortung für die Bewegungskompetenz ihrer Kinder selber aufgreifen und für eine gezielte Förderung in diesem Bereich sorgen. Fachkräfte dafür finden sie in den örtlichen Turn- und Sportvereinen.

Das Angebot dort reicht vom Eltern-Kind-Turnen (zwei bis vier Jahre) über das Kleinkinderturnen (vier bis sechs Jahre) bis zum Kinderturnen (sechs bis acht und acht bis zehn Jahre). Darüber hinaus werden in immer mehr Vereinen gezielte Kurse zur Gesundheitsförderung von Kindern angeboten, die teilweise sogar von den Krankenkassen als Präventionsangebot für Kinder unterstützt werden. Alle genannten Angebote haben gemeinsam, dass sie die Bewegungskompetenz von Kindern unter Berücksichtigung ihrer Alters- und Entwicklungsstufe (oder Könnensstufe) sehr gezielt fördern. Im Vordergrund steht dabei nicht die Beseitigung von Mängeln oder Defiziten, sondern die konkrete Stärkung der Schutzfaktoren, die Kinder im Alltag für ein sicheres (Fort)Bewegen, Spielen und Handeln brauchen. Das ganze natürlich in spielerischer und freudvoller Form, um Kinder möglichst lange an die Sportangebote zu binden.

In jeder der oben genannten Altersstufen entwickeln sich Kinder unterschiedlich. Daran orientiert sich auch der Förderschwerpunkt in den jeweiligen Angeboten:

Schulung der koordinativen Fähigkeiten und Wahrnehmungsbereiche

  • Orientierungsfähigkeit
  • Kinästhetische Differenzierungsfähigkeit
  • Reaktionsfähigkeit
  • Gleichgewichtsfähigkeit
  • Rhythmusfähigkeit

Schulung der konditionellen Fähigkeiten

  • Kraft
  • Ausdauer
  • Beweglichkeit
  • Schnelligkeit

Gezielte Förderung und Schulung der Kinder in diesen Bereichen führt dazu, dass sie sich sicherer bewegen, Gefahren besser einschätzen lernen, Ängste abbauen, Bewegungen automatisieren und ökonomisieren und sich im Falle von Stürzen besser abfangen. Denn auch Fallen will gelernt sein. Und nicht zuletzt schützt ein gut ausgeprägtes Muskelgewebe die darunter liegenden Strukturen wie Knochen und Gelenke vor äußeren Einwirkungen.

Anke Nöcker ist Dipl.-Sportlehrerin in Berlin

Die Deutsche Turnerjugend (DTJ) macht sich für die Bewegungsentwicklung von Kindern stark. Sie ist (gemeinsam mit ihren Landesverbänden) verantwortlich für die Entwicklung der Übungsleiter-Qualifikationen im Kinder- und Jugendbereich sowie die Weiterentwicklung der Vereinsangebote in dieser Zielgruppe.

Informationen:

Deutschen Turnerjugend (DTJ)
Otto-Fleck-Schneise 8, 60528 Frankfurt
Tel.: 069 – 6 78 01 – 0
E-Mail: Info@Kinderturnen.de