Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Vermutlich geht es Ihnen genauso: Wenn von Kindern als Unfallopfern die Rede ist, denken wir zuallererst an den Straßenverkehr. Dabei ereignen sich mehr als siebzig Prozent der Kinderunfälle im häuslichen Bereich.

Selbst die Zahl der tödlichen Verletzungen in Heim und Freizeit übersteigt inzwischen diejenigen im Verkehr. Dank aufwändiger Aufklärungs- und Vorsorgemaßnahmen und dem Zusammen-spiel von Industrie, öffentlicher Hand und Verbänden wie etwa dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat konnte die Zahl der tödlich verlaufenden Kinderunfälle im Verkehr in den vergange-nen dreißig Jahren um etwa neunzig (!) Prozent gesenkt werden.

Demgegenüber steckt die Prävention von Heim- und Freizeit-unfällen noch in den Kinderschuhen. Dabei könnten auch hier mit vergleichsweise geringem Aufwand ähnliche Erfolge erreicht werden.
Unfälle sind keine Schicksalsschläge. Sie haben Ursachen, die festgestellt und zum großen Teil verhindert werden können. Besonders betroffen sind benachteiligte und psychosozial belastete Kinder.
Wir brauchen eine konzertierte Aktion. Produkte müssen kindersicherer, die Produkthaftung in puncto Kindersicherheit muss ausgebaut werden. Warum kann nicht beispielsweise ein Herdschutzgitter beim Neukauf eines Küchenherdes gleich mitgeliefert werden?

Die Aufklärung der Eltern über Gefahren, aber auch über die Möglichkeiten, ihre Kinder gefahrenbewusster zu machen, muss verstärkt werden.

Schließlich brauchen wir eine kompetente Einrichtung auf Bundesebene, die alle Maßnahmen koordiniert und für die Qualitätssicherung zuständig ist.

Auf dem Weltkindergipfel im vergangenen Jahr in New York wurde ein Internationaler Aktionsplan beschlossen. Darin verpflichten sich alle Staaten, „durch die Ausarbeitung und Durchführung geeigneter Vorbeugungsmaßnahmen dafür (zu) sorgen, dass weniger Kinder bei Unfällen oder auf andere Weise verletzt werden“.

Was bisher in Deutschland fehlt, sind der politische Wille und die Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Die meisten Kinderunfälle sind vermeidbar!

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind