Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

„Sag mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist“, lautet ein altes Sprichwort. Auch wenn hier Nahrungsaufnahme und Persönlichkeit vermutlich in übertrieben engem Zusammenhang gesehen werden, so ist doch unbestreitbar, dass Zusammensetzung und Zubereitung der Nahrung einen großen Einfluss auf unsere körperliche und seelische Gesundheit ausüben.

Jahrzehntelang hat industriell gefertigte Ersatznahrung die Muttermilch als die von Natur aus vorgesehene Anfangsnahrung zunehmend an den Rand gedrängt. Parallel zur Ernährung aus der Flasche breiteten sich Fertigprodukte, Tiefkühlkost und Fast Food immer weiter aus. Für viele Kinder sind Herkunft und Zusammensetzung von Lebensmitteln, die Herstellung der Speisen und das gemeinsame Essen an einem Tisch kaum mehr im Alltag zu erleben.

In Verbindung mit dem ebenfalls ansteigenden Mangel an körperlicher Betätigung hat sich ein bedrohlicher Mix von Gefährdungen entwickelt, der die öffentliche Gesundheit massiv beeinträchtigt: rund zwei Millionen Kinder und Jugendliche sind in Deutschland übergewichtig oder adipös, ihre körperliche Fitness nimmt teilweise dramatisch ab. Fehlernährung, Bewegungsmangel und Übergewicht beeinträchtigen die Lebensqualität, verkürzen die Lebenserwartung und bewirken hohe Kosten für die Gesundheits- und Sozialsysteme.

Zugleich gibt es Anzeichen für eine Gegenbewegung, die Hoffnung machen. Die Stillraten und die Stilldauer sind in den vergangenen Jahren wieder angestiegen, das Interesse an natürlich belassenen Lebensmitteln nimmt deutlich zu und auch das Bewusstsein für die Bedeutung des Essens als sozialem Ereignis (Slow Food) und für mehr Bewegung im Alltag („Geh zu Fuß zum Kindergarten und zur Schule“) hat sich erhöht.

Allerdings erreichen diese Botschaften nicht alle Kinder in gleichem Maße. Der Teufelskreis aus Armut, ungesunder Ernährung und geringer Bildungsteilhabe dokumentiert eine nicht hinnehmbare soziale Spaltung in der Gesellschaft. Hier ist die Politik gefordert. Unter anderem muss die Gesundheitsförderung bereits im Kindergarten verbessert werden, die Gemeinschaftsverpflegung bedarf qualitativer Mindeststandards und das Wohnumfeld muss genügend Bewegungsanreize schaffen.

Unter dem Titel „Kindeswohl und Elternverantwortung“ hat die Deutsche Liga für das Kind eine filmische Dokumentation der gleichnamigen Jubiläumstagung am 28./29.9.2007 in Berlin herausgegeben. Der erste Teil des Films zeigt u. a. Ausschnitte der Ansprache von Eva Luise Köhler. Der zweite Teil dokumentiert den Festvortrag „Frühe Kindheit – Entwicklungslinien und Perspektiven“ von PD Dr. Martin Dornes. Der Film (DVD) kann bei der Geschäftsstelle der Deutschen Liga für das Kind zum Preis von 9,- Euro (plus Versand) bestellt werden.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind