Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Zu Fuß zum Kindergarten und zur Schule

Eine Gemeinschaftsaktion des FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland, den vier Bundesministerien für Umwelt, Verkehr, Gesundheit und Familie und dem Umweltbundesamt

Eltern wollen ihre Kinder mit dem so genannten Eltern-Taxi vor Unfällen oder auch vor unangenehmen Begebenheiten auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule schützen oder sie können sich selbst nicht vorstellen, mal eine halbe Stunde des Tages zu Fuß zu gehen. Mit dem Projekt „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ soll darauf aufmerksam gemacht werden, wie wichtig das Gehen für Kinder ist. Es werden zahlreiche Informationen und Hilfen für Eltern, Erzieher(innen) und Lehrer(innen) angeboten.

Kinder und Eltern brauchen Alltagsbewegung
Das Mitfahren im Auto schränkt die Bewegungsmöglichkeiten und -fähigkeiten der Kinder ganz unnötig ein, lässt sie bequem werden und Anstrengungen vermeiden. Die Verhaltensweisen von Kindern insbesondere in den ersten Stunden in Kindergarten und Schule sind sehr unterschiedlich: Die einen sind noch gar nicht richtig wach, die anderen zappeln unausgeglichen herum. Beides wird häufig von den Eltern kaum wahrgenommen und kann eine Folge von Bewegungsmangel und fehlender Frischluft sein.

Die Alltagsbewegung, das dürfte sich aufgrund der Probleme im Gesundheitswesen in den letzten Jahren herumgesprochen haben, ist für die Gesundheitsprävention mindestens ebenso wichtig wie der Sport. Das gilt übrigens häufig noch ausgeprägter für Erwachsene, denen eine halbe Stunde Fußweg am Tag mit ihren Kindern nur nutzen kann. Befragungen im Rahmen der Kampagne „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ waren bisher eindeutig: Kinder haben Freude an der Bewegung, sie sind in der Regel gern zu Fuß unterwegs.

Verhalten im Verkehr muss geübt werden
Kinder trainieren sicheres und bewusstes Verkehrsverhalten, wenn sie mit ihren Eltern gemeinsam den Stadtteil, den Kindergarten- und den Schulweg „erlaufen“. Sie lernen Gefahren einzuschätzen und üben ganz konkret, wie sie sich möglichst sicher verhalten können. Erwachsene, die sich angewöhnt haben, sehr viel mit dem Auto unterwegs zu sein, können damit ebenfalls besser erkennen, wo die besonderen Probleme der Kinder im Straßenverkehr sind und wo demzufolge eine besondere Rücksichtnahme erforderlich ist.

Wenn Kinder von früh an bis über das Einschulungsalter hinaus mit dem Auto gefahren werden, verschiebt sich lediglich der Gefährdungszeitraum auf ein Alter, wo die Kinder noch risikobereiter, aber dann auch ungeübter am Straßenverkehr teilnehmen. Unbekannt scheint noch immer zu sein, dass die meisten tödlich verunglückten Kinder Mitfahrer im Auto waren und die Bedingungen in den Fahrzeugen deutlich ungesünder sind als die freie Bewegung. Auch das trifft natürlich auf die Erwachsenen zu: Die verkehrsbedingten Krankheiten führen in Deutschland mittlerweile zu mehr Todesfällen als die Straßenverkehrsunfälle.

Selbständige Menschen benötigen Kontakte
Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, bauen Freundschaften zu anderen Kindern auf, sie können sich vor und nach dem Kindergarten oder der Schule gegenseitig ihre Erlebnisse erzählen. Auch für die Erwachsenen gilt, dass das Auto stärker isoliert als die Fortbewegung als Fußgänger, Radfahrer oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Dagegen eröffnen sich für Kinder und ihre Begleiter durch das gemeinsame Gehen Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten. Wer die Selbständigkeit des eigenen Kindes unterstützen möchte, sorgt dafür, dass es Wegeverbindungen, Entfernungen und örtliche Zusammenhänge kennen lernt. Untersuchungen haben gezeigt: Wer auf diese Weise langsam ein Raumgefühl aufbauen kann, hat auch z.B. im Mathematikunterricht die besseren Voraussetzungen.

Bewegung für mehr Bewegung
Der FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland koordiniert die Aktivitäten: „Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten“ im Rahmen der internationalen Kampagne „I walk to school“ mit dem Auftakt am 22. September jeden Jahres. Hierfür haben das Umwelt- und das Verkehrsministerium die Schirmherrschaft übernommen. Darüber hinaus setzt sich der Verband dafür ein, dass das Gehen neben dem Radfahren einen deutlicheren Stellenwert im Unterricht bekommt und in der Unterrichtszeit auch die Geh-Bewegung praktisch eingebunden wird. FUSS e.V. ist Mitglied der Plattform Ernährung und Bewegung (peb e.V.) und eingebunden in die Vorbereitungen zur Bildung eines HEPA-Netzwerkes in Deutschland – Gesundheitsförderung durch mehr Bewegung im Alltag (Health-Enhancing Physical Activity). Außerdem arbeitet der Verband in verschiedenen Präventions-Zusammenschlüssen auf Landesebene mit und setzt sich für eine „Bewegung für mehr Bewegung“ ein.

Gehen muss sicherer und komfortabler werden
In den ersten Jahren setzte der 1985 gegründete Verein FUSS e.V. seinen Schwerpunkt fast ausschließlich auf die Verminderung der Verkehrsunfälle z.B. durch Geschwindigkeitsreduzierungen (Tempo 30, verkehrsberuhigte Bereiche) und verbesserte Querungsanlagen in Deutschland (Zebrastreifen, Lichtsignalanlagen, etc.). Sehr bald kamen die verkehrsbedingten Krankheiten als Problem hinzu und heute geht es dem Verband auch sehr stark um die Umsetzung der Luftreinhaltepläne und um Lärmminderung aufgrund der geänderten deutschen und europäischen Rechtslage. Ziel ist es, die Vorgaben der Umweltgesetzgebung und der Bürgermitbeteiligung mit der Entwicklung der Richtlinien für die Anlage von Straßenbauten und der Straßenverkehrs-Ordnung zu verknüpfen. Damit ist eine über zwanzigjährige Kontinuität der Arbeit gewahrt worden, denn wer die Bürger zu mehr Fußwegen in den Städten ermuntert, muss sich nach wie vor für geringere Autogeschwindigkeiten, breitere Bürgersteige, bessere Querungsanlagen und zusammenhängende Fußwegenetze einsetzen. Gehen ist attraktiv, es muss aber auch im Alltag und in der Freizeit für alle Altersgruppen sicher und komfortabel möglich sein.

FUSS e.V. Fachverband Fußverkehr Deutschland
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