Pressemitteilung vom 31.7.2014

Krippe und Kindertagespflege: auf die Qualität kommt es an

Ein Jahr Rechtsanspruch: Deutsche Liga für das Kind fordert verbindliche Qualitätsstandards

 

Seit dem 1.8.2013 haben Kinder ab Vollendung des ersten Lebensjahres einen Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in einer Krippe oder Kindertagespflegestelle. Versäumt wurde allerdings, parallel zum Ausbau der Plätze zugleich für eine gute Qualität in Einrichtungen und Tagespflegestellen Sorge zu tragen. Die Deutsche Liga für das Kind fordert die Einführung bundesweit verbindlicher Qualitätsstandards.

„Frühe Tagesbetreuung in den sensiblen ersten Lebensjahren der Kinder kann nur gelingen, wenn die Qualität stimmt. Das ist aber bei weitem nicht überall der Fall. Die Ergebnisse der Nationalen Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK, 2013) zeigen, dass gute pädagogische Prozessqualität in weniger als zehn Prozent der Betreuungssettings anzutreffen ist. In deutlich mehr als zehn Prozent ist die Qualität unzureichend“, sagt Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München und Präsidentin der Deutschen Liga für das Kind. „Betreuungsplätze, die wissenschaftlich gesicherten Anforderungen an Qualität nicht genügen, stellen für die Kinder ein Entwicklungsrisiko dar. Verbesserungen müssen auf der pädagogischen Handlungsebene, aber auch über die Verbesserung der Rahmenbedingungen erreicht werden. Das sind wir den Kindern und Eltern schuldig.“

Am Stichtag 1. März 2014 nahm fast ein Drittel (32,5 Prozent) aller unter dreijährigen Kinder frühkindliche Förderung in Anspruch, darunter vor allem die Ein- und Zweijährigen. Auch wenn in manchen Regionen der Bedarf an Plätzen das Angebot immer noch deutlich übersteigt, muss jetzt vor allem in die Qualität investiert werden. Dies muss das zentrale Ziel des für den Herbst 2014 vorgesehenen ersten Treffens zwischen Bund, Ländern, Kommunen, Trägern, Gewerkschaften und Elternvertretungen zu Struktur- und Qualitätsfragen der Kindertagesbetreuung sein. Dringend notwendig sind eine kindgerechte Bemessung des Fachkräfte-Kind-Schlüssels (nicht mehr als drei Kinder unter einem Jahr bzw. vier Kinder zwischen ein und drei Jahren pro pädagogische Fachkraft) und der Gruppengröße (maximal sechs Kinder zwischen null und zwei Jahren bzw. acht Kinder zwischen zwei und drei Jahren pro Gruppe) sowie die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung des pädagogischen Personals.

Wichtig für gute Qualität ist auch eine angemessene Berücksichtigung der so genannten mittelbaren pädagogischen Arbeitszeiten, in denen die pädagogischen Fachkräfte nicht mit den Kindern tätig sind, sondern die sie u. a. für Zusammenarbeit mit den Eltern, Beobachtung und Dokumentation sowie für Qualitätssicherung benötigen. Ziel muss sein, die anerkannten Qualitätsziele in einem bundesweiten Konsensprozess zu bündeln und die Ausstattung der Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen verbindlich daran zu orientieren. Damit Eltern die Qualität einer Einrichtung oder Tagespflegestelle leicht erkennen können, sollten interne und externe Evaluationen verpflichtend werden.

Besonders beunruhigend sind Berichte, dass an manchen Orten eine Absenkung von Qualitätsstandards infolge des quantitativen Platzausbaus stattfindet oder ein- und zweijährige Kinder ohne konzeptionelle Vorbereitung in Kindergartengruppen aufgenommen werden. Eine Schaffung neuer Plätze darf jedoch keinesfalls auf Kosten der Qualität geschehen. Aus Sicht der Kinder ist auch von großer Bedeutung, die Kontinuität in der Betreuung sicherzustellen. Hierzu gehören eine fachgerechte Eingewöhnung und ein individualisiertes Bezugspersonenkonzept ebenso wie die Gestaltung des Übergangs von der Kindertagespflegestelle in die Kita und eine enge Kooperation zwischen den Betreuungssettings Krippe und Kindertagespflege.

Das Positionspapier „Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege“ ist als Druckversion erhältlich sowie im Internet verfügbar unter http://www.aquariusmusicshop.com/