Pressemitteilung vom 10.10.2014

Kinder und Medien: Eltern brauchen Orientierung

Deutsche Liga für das Kind fordert Stärkung der Medienkompetenz von Kindern, Eltern und pädagogischen Fachkräften

 

Kinder-Tablets bereits für die Einjährigen, Spielekonsolen im Kinderzimmer, hoher Fernseh-konsum, frühe Nutzung von Smartphones und des Internets: Kinder wachsen von Beginn an in eine stark durch Medien beeinflusste Umwelt hinein. Anlässlich ihrer Jahrestagung „Zwischen Bilderbuch und Touchscreen. Kinder und Medien“ am 10./11. Oktober im Konferenzgebäude des ZDF auf dem Lerchenberg in Mainz fordert die Deutsche Liga für das Kind eine Stärkung der Medienbildung in Kindergarten und Schule, mehr und bessere Informationen für Eltern, die Verankerung medienpädagogischer Inhalte in den Aus- und Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte sowie einen effektiven Kindermedienschutz.

Angesichts einer kaum noch zu überblickenden Flut medialer Angebote sind viele Eltern verunsichert, gerade in den ersten Lebensjahren der Kinder. Welche Medien sind angemessen und wieviel ‚Medienzeit‘ ist sinnvoll? Wie kann ich selbst ein gutes Vorbild sein? Gemäß einer Befragung des Medien-pädagogischen Forschungsverbunds Südwest (KIM-Studie) äußerten 68 Prozent der Eltern, „gerne“ bzw. „sehr gerne“ weitere Informationen zum Thema ‚Kinder und Medien‘ zu erhalten. In einer Video-botschaft unterstützt Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und Schirmherrin der Tagung, das Anliegen der Eltern: „Natürlich wünschen wir uns keine mediengerechten Kinder, sondern Kinder, die kindgerecht die Medien nutzen. Eltern brauchen Orientierung, sie brauchen auch klare Empfehlungen.“

Auch zahlreiche Pädagoginnen und Pädagogen zeigen Unsicherheiten. Sollen PC und Tablet Einzug in den Kindergarten halten? Welche medienpädagogischen Angebote soll die Schule vorhalten und welche Regeln im Umgang mit Medien sollen hier gelten? „Wir dürfen Kinder und Eltern nicht alleine lassen. Gerade junge Kinder haben Anspruch auf eine altersgerechte Begleitung und zugleich auf Schutz vor schädigenden Einflüssen von Medien, die ihr Wohlergehen beeinträchtigen“, sagt Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München und Präsidentin der Deutschen Liga für das Kind. „Unser Ziel muss sein, alle Kinder in den kompetenten Umgang mit Medien einzuführen und eine kreative, möglichst interaktive und selbstbestimmte Nutzung der alten wie auch der neuen Medien zu fördern.“

Zu diesem Zweck fordert die Deutsche Liga für das Kind gemeinsame Anstrengungen von Bund, Ländern, Kommunen und Fachgesellschaften mit dem Ziel, (1) das Bewusstsein für die Bedeutung des Vorlesens und Zuhörens sowie die frühe Begegnung mit Büchern zu fördern, (2) Eltern bereits in den ersten Lebensjahren ihres Kindes wissenschaftlich fundierte, leicht zugängliche und gut verständliche Informationen und Empfehlungen zum altersgerechten Umgang mit Medien zur Verfügung zu stellen, (3) die Themen ‚Medienbildung‘ und ‚Medienschutz‘ in den Ausbildungen von Erzieherinnen und Erziehern sowie von Lehrerinnen und Lehrern verpflichtend zu verankern, (4) die gesetzlichen Regelungen zum Kinder- und Jugendmedienschutz hinsichtlich der besonderen Bedürfnisse junger Kinder zu überprüfen.

Zu den Referentinnen und Referenten der Tagung am 10./11. Oktober in Mainz gehören unter anderem der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Prof. Dr. Stefan Aufenanger (Universität Mainz), die Leiterin der Abteilung für Audiovisuelle und Online-Kommunikation der Universität Salzburg, Prof. Dr. Ingrid Paus-Hasebrink, die Vorsitzende der Gesellschaft für Medienbildungsforschung, Prof. Dr. Gudrun Marci-Boehncke (TU Dortmund), und die Leiterin des Instituts für Lese- und Medienforschung der Stiftung Lesen in Mainz, Dr. Simone C. Ehmig.