Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Altersleiden bei Grundschülern?!

Ergebnisse der CHILT-Studie zu Haltungsschäden bei Kindern

Immer mehr Kinder in Deutschland leiden bereits im Grundschulalter unter Beschwerden, die eigentlich typischerweise als „Alterserscheinungen“ gelten wie z.B. Übergewicht, Altersdiabetes und Haltungsschäden. Mehr als 40 Prozent der Grundschüler klagen über Kopfschmerzen. Knapp 20 Prozent der untersuchten Kinder leiden unter Rückenschmerzen. Lediglich ein Drittel der Kinder weist eine normale Körperhaltung auf. Zu diesen und weiteren Ergebnissen kommt die aktuelle CHILT-Studie.

Die CHILT-Studie (Children´s Health Interventional Trial) ist ein Projekt der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Team um Dr. med. Christine Graf, dem Sportwissenschaftler Benjamin Koch und Dr. rer. nat. Sigrid Dordel führt seit 2001 Untersuchungen an Grundschulen durch. Ziel der Studie ist die Erforschung der Ursachen für medizinische Beschwerden bei Kindern und die Entwicklung von Maßnahmen, um Kindern, Eltern und Lehrern Freude an einer rundum gesunden Lebensweise zu vermitteln.

Die aktuelle Projektphase ist besonders der „Haltungsförderung“ gewidmet. Unter diesem Aspekt wurden bislang knapp 500 Zweitklässler untersucht. Mit dem so genannten Matthiaßtest (Arm-Vorhalte-Test) konnte die Körperhaltung der Kinder geprüft werden. Die Ergebnisse wurden im Zusammenhang mit einer ausführlichen Befragung der Eltern zu den Themen Bewegung, Arbeitsmöbel und medizinische Beschwerden ausgewertet. Das Ergebnis der Studie unterstützt massiv die Forderung nach frühen Gegenmaßnahmen, denn bei etwa zwei Dritteln der untersuchten Kinder wurden leichte bis extreme Haltungsschäden festgestellt.

Was können Eltern also tun? Zu allererst für viel Bewegung und für das passende Arbeitsumfeld sorgen. Dr. Graf macht dies an einem Beispiel fest: Kein Erwachsener würde auf einem Bobbycar zur Arbeit fahren, denn die ergonomischen Nachteile wären unübersehbar. Stattdessen passen wir den Autositz an unsere Körpergröße und die bequemste Haltung an. Gleiches gilt für die Arbeitsmöbel, an denen Kinder schon in jungen Jahren viel Zeit verbringen, an denen sie Hausaufgaben machen, basteln oder lesen: Sie sollten wachstumsgerecht angepaßt werden können. Zu möglichst viel Bewegung animieren auch die Übungen, die von den Projektpartnern entwickelt wurden. Diese können ebenfalls in der Schule gezielt von den Lehrern durchgeführt werden.

Weitere Informationen unter www.chilt.de

Die aktuelle Projektphase der CHILT-Studie wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Moll (read here), Hersteller mitwachsender Schreibtische und Stühle, durchgeführt.