Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Verbreitung – Verstetigung – Vernetzung

mobile Familienbildung der Arbeiterwohlfahrt (AWO)

von Stella Valentien

Verbreitung, Verstetigung und Vernetzung von Familienbildung hat sich das Projekt „mobile Familienbildung“ (moFa) des AWO-Bundesverbandes e.V. auf die Fahnen geschrieben. Mit finanzieller Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der „Aktion Mensch“ werden in den neuen Bundesländern Träger und Einrichtungen begleitet, um familienunterstützende Angebotsstrukturen weiterzuentwickeln. Dies mit dem Grundgedanken, dass der Auf- und Ausbau solcher Angebotsstrukturen Familien nachhaltig in ihren vielfältigen Aufgaben fördert.

Wanderausstellung „Spielen, Lesen, gesund Aufwachsen in der Familie“
Familienbildung ist mit moFa zum Beispiel in Brandenburg „im Fluss“. Nicht mit dem Boot auf Havel und Spree, sondern in Kleinlastern zwischen Nauen und Frankfurt/Oder, wenn die Wanderausstellung „Spielen, Lesen, gesund Aufwachsen in der Familie“ auf Reisen geht. „In mehr als 20 Kisten ist die Ausstellung verpackt, dafür braucht man schon einen Transporter!“, meint Claudia Lissewski, pädagogische Mitarbeiterin des von Dr. Heidemarie Waninger geleiteten Projekts mobile Familienbildung – moFa.

Claudia Lissewski hat gemeinsam mit dem Kooperationspartner, der Landesarbeitsgemeinschaft Familienbildung, das neue, überregionale Betriebskonzept für die Wanderausstellung erarbeitet. Ziel der Zusammenarbeit ist es, die Ausstellung, die es in Brandenburg seit den frühen 1990er Jahren gibt, in allen Regionen des Landes verstärkt als niedrigschwelliges Informations- und Familienbildungsmedium zu nutzen.

In den Kisten und Kartons der Ausstellung finden sich ausgewählt gutes Spielzeug, Kinderbücher und pädagogische Fachliteratur, die von Verlagen und Herstellern kostenlos zur Verfügung gestellt werden, sowie Kleingeräte – darunter ein übergroßes „Zahnputzgebiss“ – und Informationen zur Gesundheitsförderung. Die Materialien sind unterschiedlichen Themenbereichen wie „Bewegung“, „Entspannung“, „Wahrnehmungsförderung“ oder „neue Medien“ zugeordnet. Ziel der Ausstellung ist es, Eltern und Fachkräfte zu erreichen, um Spielen, Lesen und Gesundheit in der Familie zu fördern. In der Praxis gelingt dies, wenn ein Rahmenprogramm mit Familien-Spielen und Informationsanteilen ohne pädagogischen Zeigefinger zum Mitmachen einlädt. „Der Phantasie sind in der Umsetzung keine Grenzen gesetzt“, so Claudia Lissewski, die nach umfangreicher Literaturrecherche und Materialakquise auch eine praxisunterstützende Handreichung für die lokalen Träger der Ausstellung erarbeitete. Tipps zu Logistik, Organisation und Finanzierung sowie Vorschläge, wie Pressemitteilungen und Plakate gestaltet werden können, sind darin ebenso enthalten wie Informationen für Eltern und Pädagog(inn)en. Die Handreichung wird auf einer CD-ROM zur Verfügung gestellt. So können Ausstellungsbegleitmaterialien für Eltern und Fachkräfte vor Ort adaptiert und ausgedruckt werden.

Inzwischen stehen koordinierende Tätigkeiten und die Terminplanung für die Wanderausstellung im Vordergrund der Arbeit von moFa. Bis 2008 sind lokale Interessent(inn)en, die für jeweils zwei bis vier Monate die Verantwortung für die Ausstellung übernehmen, bereits bei der Landesarbeitsgemeinschaft Familienbildung vorgemerkt. Claudia Lissewski: „Ein Pluspunkt des neuen Konzepts ist, dass die Ausstellung nun in unterschiedlichen Regionen Brandenburgs unterwegs ist und so von Kitas, Schulen, Eltern-Kind-Zentren und anderen Einrichtungen besser genutzt werden kann. So werden die Potentiale der Ausstellung wie Information, Aufklärung, Motivation, Anregung, Leseförderung, Elternbildung, Medienpädagogik oder Gesundheitsförderung nach und nach für viele Familien landesweit zugänglich. Die örtlichen Träger haben die Möglichkeit und sind sogar dazu aufgefordert, die Ausstellung oder Teile davon in ihrer Region weiter zu verleihen. So können z.B. Eltern-Kind-Gruppen das Babyspielzeug und Bilderbücher der Ausstellung nutzen, während eine Kita Materialien zu ihrem Gesundheitsprojekt erhält und eine andere sich etwa im Bereich Literacy informiert.“

Das Konzept ermöglicht und unterstützt neue Formen der Zusammenarbeit zwischen freien und öffentlichen Trägern und die Vernetzung von Trägern der Familienbildung auf Landesebene. Austausch und Zusammenarbeit lokaler Träger am jeweiligen Standort der Ausstellung werden gestärkt. Auch lassen sich Bezüge zwischen Ausstellungspräsentation sowie regionalen Familienbildungsangeboten und Bildungsträgern, die die Wanderausstellung zur Bildungswerbung nutzen, herstellen.

Das neue Konzept bewährt sich in der Umsetzung. Die Koordinationsaufgaben auf Landesebene werden in der Startphase vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg (MASGF) finanziell gefördert, so dass die Wanderausstellung gute Chancen hat, zu einem dauerhaften und nachhaltig wirksamen Medium niedrigschwelliger Familienbildung zu werden.

An Ideen für die weitere Arbeit mangelt es dem moFa-Team nicht. Eine zweite, inhaltlich-methodische Handreichung ist in Planung. Darin sollen Tipps, methodische Hinweise und Umsetzungsvorschläge für Bildungsangebote mittels der Wanderausstellung – von der gemeinsamen Spielaktion bis zum thematischen Elternabend – enthalten sein.

Ziele und Arbeitsweise von moFa
Das Beispiel der Wanderausstellung verdeutlicht die Ziele und die Arbeitsweise des moFa-Teams, das sich als Kooperationspartner im heterogenen Feld der Familienbildung versteht. Die Mitarbeiterinnen des Projektes arbeiten aktiv mit Institutionen und Netzwerken zusammen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen die Entwicklung neuer regionaler Strukturen und Angebote für die Bildungsarbeit mit Familien, die Sicherung und Weiterentwicklung bestehender Angebote und Strukturen sowie deren regionale Vernetzung. Die Weiterentwicklung von Kitas zu familienunterstützenden Zentren und die Verknüpfung von Familienbildung mit Familienerholung bilden weitere Schwerpunkte der Arbeit. Handlungsbausteine bei Kooperationen sind vor allem Information, Fachberatung, Prozessbegleitung und Qualifizierung sowie Netzwerkarbeit unter den leitenden Prinzipien von Partizipation und Ressourcenorientierung.

Seit 2005 haben zahlreiche Familienbildungsträger mit dem moFa-Team Kooperationen vereinbart. Hierzu gehören u.a.:
– Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit Eltern in einer Kinder-Reha-Klinik
– Implementierung des „Early Excellence“-Ansatzes in einer Kita
– Begleitung der Konzeptentwicklung eines Familienzentrums
– Unterstützung des Aufbaus der Elterninformationsdatenbank des Bundesweiten ElternNetz (BEN) des Arbeitskreises Neue Erziehung (ANE) e.V. Berlin in Brandenburg

Für die Zukunft ist sinnvoll und wünschenswert, dass die „mobile Familienbildung“ Trägern und Initiativen über das Projektende 2008 hinaus als reguläre Beratungsstelle für die konstante Unterstützung in den Bereichen der Kooperation und Koordination von Familienbildung zur Verfügung steht.

www.mobile-familienbildung.de

Stella Valentien ist Diplom-Pädagogin in Berlin.