Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Liebend gern erziehen

Triple P – Positives Erziehungsprogramm

Hinter dem Namen Triple P („dreimal P“ von Positive Parenting Program) verbergen sich verschiedene, unterschiedlich intensive Angebote für Familien (Mehrebenenansatz).

Neben dem in Deutschland wohl bekanntesten, dem Elterngruppentraining, stehen für verschiedene Erziehungsfragen Elternmaterialien zur Verfügung. Kurzberatungskonzepte, die z.B. im Rahmen einer Kita oder Arztpraxis umgesetzt werden, bieten sehr niedrigschwelligen Zugang zu fachlicher Beratung. Für Familien mit besonderem Hilfebedarf bietet das Programm intensive Einzeltrainings. Umgesetzt werden diese verschiedenen Hilfen z.B. in Beratungsstellen, Bildungs- oder Tageseinrichtungen verschiedener Träger (z.B. AWO, Caritas, Malteser) sowie in kinderärztlichen oder therapeutischen Praxen.

Ziel all dieser Angebote ist es, Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Zentrale Punkte sind dabei die Förderung einer positiven und tragfähigen Eltern-Kind-Beziehung, die Förderung der kindlichen Gesundheit und Entwicklung, die Schaffung einer positiven, gewaltfreien Familienatmosphäre und positiver Interaktion innerhalb der Familie sowie die Reduktion von familiärem Stress. In Bezug auf die Entwicklung und das Verhalten der Kinder erlernen die Eltern zum einen Fähigkeiten zur Unterstützung des Kindes in positiven Verhaltensweisen und im Erlernen neuer Fertigkeiten. Zum anderen werden Wege aufgezeigt, Problemsituationen und problematischem Verhalten des Kindes vorzubeugen bzw. konstruktiv damit umzugehen.

Das Triple P-Programm zeichnet sich dadurch aus, dass Eltern ganz konkrete, praxisnahe Hilfen erhalten, die mit ihnen gemeinsam auf ihre individuelle Situation angepasst werden. Ein wichtiger Grundsatz ist es dabei, ressourcenorientiert vorzugehen und sowohl bei den Stärken der Eltern als auch bei den Stärken der Kinder anzusetzen. Das Programm beruht auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Es stützt sich auf anerkannte Prinzipien aus den Bereichen Kommunikation und Lernen. Dazu gehört der Selbstregulationsansatz, der zum Ziel hat, Eltern in ihren Kompetenzen anzuerkennen und der Familie Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, sie also mit minimaler Unterstützung in die Lage zu versetzen, selbständig Lösungen für ihre Fragen zu finden.

Für eine Familie, die Beratung sucht, weil ihr Sohn Max unsicher ist und Schwierigkeiten mit Schulkameraden hat, kann das folgendes heißen: Zunächst werden mögliche Ursachen identifiziert. Darauf aufbauend lernen die Eltern sich konkrete und erreichbare Ziele zu setzen. Das könnte beispielsweise für Papa sein: Mehr Zeit mit Max verbringen und ihn öfter bei Fußballspielen begleiten. Für Mama könnte das heißen: Weniger meckern und mehr Anerkennung für Dinge geben, die Max gut macht. Beides geschieht zur Stärkung seines Selbstwertgefühls. Inhalt weiterer Termine könnte dann das Loben sein. Wie formuliert man ein Lob, das wirklich positiv und konkret ist? „Schön, dass Du diesmal selber angefangen hast Hausaufgaben zu machen“ ist mehr Vorwurf als Lob. Wenn es den Eltern schwer fällt zu loben, werden sie durch Übungen und Rollenspiele darin unterstützt und bekommen auch als „Hausaufgabe“ mit, in der nächsten Woche gezielt auf Dinge zu achten, für die sie Max loben können. Max auf schwierige Situationen vorzubereiten, Gelegenheiten schaffen, in dem es ihm leicht fällt, Kontakt aufzunehmen, wären weitere Themen. Immer wieder wird dabei an ganz alltagsnahen Beispielen der Familie gearbeitet. Das macht es gerade auch Familien mit geringerem Reflexionsvermögen möglich, das Erlernte umzusetzen.

National und international hat das Triple P-Programm breite Anerkennung gefunden (z.B. durch die WHO). Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, in verschiedensten Ländern erprobt und steht mittlerweile weltweit vielen Familien zur Verfügung.

Das Triple P-Mehrebenenmodell

EBENE 1 Universelles Triple P
Allgemeine Informationen über Elternschaft und Erziehung unter Nutzung verschiedener Medien (Bücher, Broschüren, Kleine Helfer, Radio- oder Fernsehbeiträge etc.)

EBENE 2 Triple P-Kurzberatung
Niedrigschwelliges Angebot und konkrete Unterstützung bei spezifischen Fragen zur Erziehung

EBENE 3 Triple P-Kurzberatung mit Übungen
Kurzberatung zur Unterstützung der Bewältigung einzelner Erziehungsschwierigkeiten mit aktivem Training von Erziehungsfertigkeiten

EBENE 4 Triple P-Elterntraining
Intensives Elterntraining im Einzel-, Gruppen- oder Selbsthilfeformat

EBENE 5 Erweitertes Triple P
Ergänzende therapeutische Angebote zu Themen wie Umgang mit Stress, Aggressionen, Partnerschaft etc.

www.triplep.de