Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Wie geht´s der Familie?, lautet eine häufige, fast routinemäßig gestellte Frage, bei der in der Regel nicht einmal eine genaue Antwort erwartet wird. Was so selbstverständlich ist, so vertraut klingt, sich so nah anfühlt wie Familie, ist gleichzeitig so schwer zu fassen. Wie aber geht es der Familie wirklich? Welche Wandlungen haben stattgefunden, welche Trends gibt es?

Familien sind anders geworden. Entgegen Vermutungen, die den Untergang der Familie ankündigten, im Gegensatz aber auch zu Behauptungen, die von der Unwandelbarkeit einer angeblich natürlichen Familiennorm sprechen, ist gegenwärtig eine große Vielfalt verschiedener Familienformen anzutreffen. Die Familie in der postmodernen Gesellschaft hat sich als erstaunlich anpassungsfähig erwiesen. Und auch bei jungen Menschen steht sie hoch im Kurs: nach der jüngsten Shell Jugendstudie meinen rund 70 Prozent der Jugendlichen, dass man eine Familie zum „Glücklich sein“ braucht. Über zwei Drittel wollen später eigenen Nachwuchs.

Aus Sicht der Kinder sind gegenläufige Tendenzen festzustellen. Die abnehmende Zahl der Geschwister und der – aufgrund des hohen Anteils kinderloser Onkel und Tanten – zahlenmäßige Rückgang von Cousins und Cousinen hat zu einer Ausdünnung der Beziehungen auf der horizontalen Ebene der (etwa) Gleichaltrigen geführt. Zugleich bringt gerade die abnehmende Zahl von Kindern mit sich, dass ihre Bedeutung über die Generationen hinweg immer mehr steigt. Die hohe Lebenserwartung in Verbindung mit einer wachsenden Scheidungs- und Wiederverheiratungsrate schließlich führt dazu, dass in vertikaler Perspektive die Zahl der potentiellen Groß- und Urgroßelternbeziehungen für Kinder zunimmt.

Ob Familien mit beiden Eltern zumindest in den so wichtigen ersten Lebensjahren der Kinder stabil bleiben, hängt vor allem davon ab, ob der Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft gelingt. Unsicherheit, enttäuschte Erwartungen und mangelnde Unterstützung führen nicht selten dazu, dass Spannungen entstehen, unter denen die Kinder zu leiden haben. Frühe Hilfen rund um die Geburt und in den ersten Lebensjahren anzubieten ist daher eine lohnende Investition in die Zukunft.

Unter dem Titel „Eine Sommernacht im MoMA in Berlin“ veranstaltet die Liga am 25. Juni 2004 in Zusammenarbeit mit der International Association for Child and Adolescent Psychiatry and Allied Professions (IACAPAP) einen Benefizabend mit exklusiver Führung durch die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art, die zur Zeit in Berlins Neuer Nationalgalerie gastiert. Karten erhalten Sie über die Geschäftsstelle.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind