Pressemitteilung vom 7.10.2016

WIR SIND DA! Kinder aus Krisenregionen

Deutsche Liga für das Kind fordert eine an den Rechten geflüchteter Kinder orientierte Integration

Etwa jeder dritte der im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommenen 890.000 Flüchtlinge ist ein Kind oder Jugendlicher. Bei den unter 18-Jährigen wurden sehr viele Erstanträge auf Asyl für Säuglinge und Kleinkinder gestellt. Die meisten dieser sehr jungen Kinder werden voraussichtlich auf Dauer hier bleiben. Inwieweit die sprachliche, soziale und kulturelle Integration gelingt, entscheidet sich in den ersten Monaten und Jahren. Orientierungspunkt für sämtliche Integrationsbemühungen müssen die für jedes Kind geltenden Schutz-, Förder- und Beteiligungsrechte gemäß UN-Kinderrechtskonvention sein.

„Kinder mit Fluchterfahrungen sind besonders schutzbedürftig. Sie benötigen sichere Orte für Kinder, in denen anerkannte Standards gelten, um sie vor Unfällen, Gewalt, Missbrauch und Diskriminierung zu schützen“, sagt Prof. Dr. Sabine Walper, Forschungsdirektorin am Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München und Präsidentin der Deutschen Liga für das Kind. „Ebenso notwendig sind Spiel- und Bildungsangebote, sowohl in den Flüchtlingsunterkünften als auch in den Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflegestellen. Junge Kinder können nicht warten. Die Integration in Einrichtungen der frühen Tagesbetreuung und der Gesundheitsfürsorge muss zügig erfolgen, damit die Kinder ihre oft sehr belastenden Erfahrungen verarbeiten können und die Chancen, die sich ihnen in Deutschland bieten, nutzen können. Dies ist auch im Interesse der Aufnahmegesellschaft.“

Anlässlich ihrer wissenschaftlichen Jahrestagung „WIR SIND DA! Kinder aus Krisenregionen – Eine Herausforderung für unsere Gesellschaft“ am 7./8. Oktober im Rheinischen Industriemuseum in Oberhausen in Kooperation mit dem Landschaftsverband Rheinland fordert die Deutsche Liga für das Kind (1) die verpflichtende Einführung von Kinderschutzstandards einschließlich Beschwerdemöglichkeiten in allen Einrichtungen, in den sich geflüchtete Kinder aufhalten; (2) den Ausbau der Sprachförderung und Etablierung des Kinderrechtsansatzes in Kindertageseinrichtungen; (3) uneingeschränkten Zugang zu sämtlichen Gesundheitsleistungen für Flüchtlingskinder; (4) beschleunigte Entscheidungen über Aufenthaltsperspektive und Familienzusammenführung unter Beachtung des Vorrangs des Kindeswohls sowie (5) die Verankerung traumapädagogischer und interkultureller Inhalte in den Aus- und Fortbildungen für Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe sowie im Bildungs- und Gesundheitsbereich.

Zu den Referentinnen und Referenten der Tagung unter der Schirmherrschaft von Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, gehören der Geschäftsführer des Deutschen Komitees für UNICEF, Christian Schneider, der Direktor des Zentrums für Türkeistudien und Integrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Haci-Halil Uslucan, die Oberärztin in der Ambulanz für seelisch erkrankte Kinder und Jugendliche am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Dr. med. Kerstin Stellermann-Strehlow, der fachliche Leiter des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) in Heidelberg, Dr. Thomas Meysen, sowie Petra Wagner, Direktorin des Instituts für den Situationsansatz und Leiterin der Fachstelle Kinderwelten in Berlin.

In einem YouTube-Kanal „Mein Baby. Filme für Eltern in Arabisch“ hat die Deutsche Liga für das Kind kurze zweisprachige Filme (Regie: Anja Freyhoff und Thomas Uhlmann) mit Informationen für Eltern zu Schwangerschaft, Geburt, Familie, Erziehung und Kinderrechten veröffentlicht. Zehn neue Filme und Übersetzungen bestehenden Materials wurden gefördert vom Nationalen Zentrum Frühe Hilfen aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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