Infos für Eltern
Ein guter Start ins Leben
Der erste Schrei Ihres Babys kurz nach der Geburt hat Sie erleichtert und glücklich gemacht. Der Moment, als Ihr Baby das erste Mal in ihren Armen lag, Sie seinen Körper und seine Haut spürten, hat Sie an ein Wunder glauben lassen.
Wer ist dieser kleine Mensch?
Sie werden ihn kennenlernen
Die Deutsche Liga für das Kind möchte Sie unterstützen - mit aller Erfahrung, die hinter uns steht. Als Dachverband von über 200 Vereinen und Verbänden, darunter wissenschaftliche Gesellschaften, kinderärztliche und psychologische Berufsgruppen, aber auch Familienverbände, setzt sich die Deutsche Liga für das Kind seit über 20 Jahren bundesweit für die Belange der Kinder in den ersten Lebensjahren ein.
... die ersten Tage
Viele Frauen leiden an Stimmungsschwankungen in den Tagen nach der Geburt, dem Baby-Blues, der manchmal fast einen Monat andauern kann. Ihr Körper hat durch die Geburt Höchstleistungen vollbracht und muß sich erst einmal an die hormonelle Umstellung gewöhnen. Übrigens, auch Väter können mit heftigen Gefühlsausbrüchen reagieren.
Halten Sie Ihre Gefühle nicht zurück
Selbstbeherrschung kann Sie jetzt nur noch niedergeschlagener machen. Wenn Tränen allerdings nicht erleichtern und der Trost vom Partner und Freunden nichts bewirken können, sondern ein Gefühl von tiefer Niedergeschlagenheit und Lethargie überwiegt, holen Sie sich professionelle Hilfe.
Mutter und Vater zu sein ist ungewohnt
So seltsam Sie sich jetzt auch fühlen mögen, in einigen Wochen wird Ihnen das neue Leben mit dem Kind selbstverständlich sein. Quälen Sie sich in diesen Tagen nicht damit, wenn Sie für Ihr Baby nicht das empfinden, was Sie Liebe nennen. Sie kommt. Aber sie braucht Zeit.
Stillen oder Fläschchen?
Eine besondere Bedeutung haben die Zeiten, in denen Sie Ihr Baby stillen oder ihm die Flasche geben. Muttermilch ist unter medizinischen Gesichtspunkten gesünder. Sie fördert die Gehirnentwicklung, schützt Ihr Kind vor Krankheiten und beugt Allergien vor, während sich das kindliche Immunsystem noch entwickelt. Vor allem bei Frühgeborenen hat Muttermilchnahrung, selbst für Tage oder wenige Wochen, viele gesundheitliche Vorteile. Stillen kann, wenn keine besonderen Komplikationen auftreten, eine entspannende Erfahrung sein. Wichtiger noch als die Frage, ob Sie Ihr Kind stillen oder ihm ein Fläschchen geben, ist die Zeit, die Sie ihm widmen. Versorgen Sie Ihr Kind immer, wenn es Hunger hat und sei es tief in der Nacht, so anstrengend es auch für Sie ist. Schauen Sie dabei nicht auf die Uhr, denn hier gibt es keine starren Regeln. An manchen Tagen ist der Appetit besonders groß, Ihr Kind saugt und braucht große Mengen, an anderen Tagen ist es an allem interessiert, nur nicht an der Nahrungsaufnahme. Schauen Sie Ihr Kind dabei an, halten Sie behutsam seinen Kopf, denn Blick- und Hautkontakt sind ebenso wichtig wie die Nahrung, die es aufnimmt.
... die ersten Wochen
Der Umgang mit ihrem Kind wird Sie am Anfang vielleicht verunsichern. Die Tagesrhythmen werden durch die Anwesenheit des kleinen Menschen neu geregelt. Sie haben das Gefühl, Ihr Baby verfügt jetzt über Ihre Zeit, voll und ganz. Es bestimmt, wann Sie essen oder sich entspannen, nämlich dann, wenn es gerade keinen Hunger hat und nicht schreit, sondern in seinem Bettchen schläft. Wann? An einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus ist noch nicht zu denken. Das istgewöhnungsbedürftig. Noch geschwächt von den Anforderungen und Aufregungen der Geburt und der ersten Tage, scheinen die Schlafdefizite niemals aufholbar, die Kräfte schwinden und Sie haben Angst zu versagen. Einige Mütter und Väter fühlen sich wie eingesperrt, wenn Sie daran denken, nun für immer an das Kind gebunden zu sein. Dabei befinden Sie sich gerade mitten in einem intensiven Lernprozeß. Sie lernen, den Reaktionen ihres Kindes zu folgen, es zu füttern, wenn es Hunger hat, mit ihm zu sprechen, wenn es Sie ansieht, es zärtlich auf den Arm zu nehmen und es zu beruhigen, wenn es schreit. Und Ihr Kind lernt, daß seine Rufe gehört und verstanden werden. Das ist einfacher gesagt, als getan.
Für jedes Paar ist das erste Kindeine besondere Herausforderung
Alle Zärtlichkeit und Aufmerksamkeit konzentriert sich auf das Baby. Viele Frauen fühlen sich emotional ausgebrannt und möchten Freiräume eher für sich allein, als mit dem Mann verbringen. Viele Männer fühlen sich zurückgesetzt und ausgeschlossen. Unvorbereitet fällt das Elternpaar in längst überwunden geglaubte Rollenmuster zurück. Ihre Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt, wenn Sie über diese neuen und ungewohnten Verhaltensweisen nicht sprechen. Versuchen Sie, die Verantwortung für Kind und Haushalt so gerecht wie möglich aufzuteilen. Finden Sie gegenseitig Ihre Lieblingsaufgaben heraus, daran wird auch Ihr Kind Freude haben. Beziehen Sie dabei berufliche Verpflichtungen mit ein und die Pausen, die jeder von Ihnen braucht, allein und gemeinsam. Planen Sie eher kurzfristig und finden Sie möglichst jeden Tag einen Zeitpunkt, um Alltagserlebnisse austauschen und neue Vereinbarungen treffen zu können. Überlegen Sie vor allem, was jetzt Vorrang hat und was eher vernachlässigt werden kann. Daß die Regale allmählich verstauben und auch der große Hausputz in diesem Jahr ausfallen wird, ist kein Drama, entspannen Sie sich.
Versuchen Sie sich nicht mit Schuldgefühlen zu plagen
Dieser Hinweis richtet sich besonders an Alleinerziehende. Haushalt, Kind und möglicherweise schon bald wieder zurück in den Beruf, da kommt manches zu kurz. Schließlich können Sie sich nicht um alles gleichzeitig kümmern. Sprechen Sie Freunde und Verwandte an, die Sie und Ihr Kind möglichst zuverlässig und regelmäßig unterstützen. Es ist keineswegs so, daß Babys nur von einer Person betreut werden müssen. Es können auch zwei oder drei verschiedene sein, nur sollten es immer dieselben sein. Je mehr Sie entlastet sind, um so besser wird es Ihnen gehen und Ihrem Kind.
... die ersten Monate
Ihr Baby hat Sie angelächelt - mit unwiderstehlichem Charme. Sie sind fasziniert. Schon einen Monat später zeigt es großes Interesse an Ihrem Gesicht und es liebt die Lallspiele mit Ihnen. Ihre Stimme, Gestik und Mimik stimulieren seine Sinne. Und genau das ist es, was Ihr Baby braucht. Denn in seinem Gehirn vollzieht sich eine Sensation. Winzige Impulse schießen durch sein kleines Gehirn, die Nervenschaltkreise anlegen. Das können Sie sich vorstellen wie das Einrichten der Festplatte eines Computers. Ihr Kind lernt dabei Erfahrungen zu machen. Es versichert sich, ob Sie da sind, wenn es Sie braucht und es lernt, sich mit Ihnen zu unterhalten.
Ihr Kind braucht vor allem Sie
Je sicherer ein kleines Kind sich fühlt, desto neugieriger wird es seine Umwelt erforschen. Das haben auch Verlage und Firmen erkannt. Sie überbieten sich im Angebot von Lernspielzeugen, Trainingsprogrammen oder Frühfördervideos. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken. Sie sind der wichtigste Partner Ihres Kindes, denn Fernseher können nicht antworten. Selbst die einfachsten Spiele regen das geistige Wachstum an. Denn alles ist neu. Die schwimmende Ente in der Badewanne oder das Klingeln an der Haustür. Vertrauen Sie Ihrer Intuition und folgen Sie ihr. Beobachten Sie ihr Kind, finden Sie heraus, was ihm Spaß macht und spielen Sie mit Ihm, soviel Sie können. Aber überfordern Sie es nicht mit Ihren Erwartungen. Auch wenn Ihr Kind beim Krabbeln Wettrennen veranstaltet, qualifiziert es sich damit noch nicht für eine Olympiade.
Kinder brauchen eine sichere Basis
Jedes Kind entwickelt Bindungen an die Mutter, den Vater, Geschwister oder andere Betreuungs-personen, an alle, mit denen es regelmäßig Kontakt hat. Ob sich ein Kind sicher fühlt oder Angst haben muss, von Ihnen abgewiesen zu werden oder Sie zu verlieren, hängt davon ab, wie Sie sich ihm gegenüber verhalten. Wenn Sie verständnisvoll und zuverlässig auf die Gefühle und Bedürfnisse Ihres Kindes reagieren, wird Ihr Kind Ihnen genauso offen seine Gefühle zeigen. Es entwickelt Selbstbewusstsein, Neugierde und Vertrauen. Eine als sicher erlebte Bindung fördert sein seelisches und geistiges Wachstum. Wenn Sie sich überfordert fühlen und nicht genügend Ruhe und Zeit aufbringen, um die Gefühle Ihres Kindes zu verstehen, wird es sich einsam fühlen. Wenn Sie sein andauerndes Weinen nicht beruhigen können, Sie manchmal die Kontrolle über sich verlieren und Ihr Kind durch Anschreien oder sogar Schläge strafen, wird es ängstlich und unsicher. Wenn Sie es mal mit Liebe überschütten und dann wieder unvorbereitet in einer schwierigen Situation allein lassen, wird es sich in Zukunft vorsichtiger und verschlossener verhalten. Auch ein häufiger Wechsel der Betreuungspersonen überfordert Ihr Kind. Länger andauernde Trennungen ohne eine vertraute Ersatzperson schädigen sein Vertrauen in Sie.
Verhaltensauffälligkeiten können aber auch körperliche Ursachen haben. Der Arzt, den Sie in diesem Fall einschalten sollten, kann durch verschiedene Untersuchungen feststellen, ob Ihr Kind krank oder mit seiner Entwicklung im Rückstand ist. Nehmen Sie auch die Früherkennungsuntersuchungen und Impftermine bei Ihrem Kinderarzt wahr.
Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung
Vernachlässigung und Misshandlung sind für die seelische und geistige Entwicklung des Kindes von gravierender Bedeutung und können Verhaltensauffälligkeiten und Depressionen auslösen. Aber auch das körperliche Wohlbefinden leidet. Ess- und Schlafstörungen, Anfälligkeiten für Krankheiten können die Folgen sein.
Gewalt als Erziehungsmittel ist von Anfang an tabu. Auch ein vermeintlich kleiner Klaps trifft das Kind in seinem Selbstvertrauen und trübt das Verhältnis zu den Eltern. Seit November 2000 haben Kinder ein gesetzlich verankertes Recht auf gewaltfreie Erziehung: Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.
Trotz bester Absichten sind Probleme und Stress nicht immer zu vermeiden. Es kann Lebensumstände geben, die es Ihnen schwer machen, sich auf Ihr Kind einzustellen, zum Beispiel Krankheit, Partnerkonflikte, familiäre, berufliche oder finanzielle Probleme. Wenn Sie sich unsicher oder überlastet fühlen und die Erziehung Ihnen Probleme bereitet, dann suchen Sie sich bitte professionelle Unterstützung. Auch das bedeutet Verantwortung.
... das erste Jahr
Das Wichtigste, was ein Kind im ersten Lebensjahr lernen kann, ist die Freude am Lernen, Entdecken, Selbermachen und Kommunizieren. Sein späterer schulischer und beruflicher Erfolg wird wesentlich von seinen emotionalen Fähigkeiten beeinflusst. Die sogenannte Intelligenz der Gefühle ist nichts anderes als Selbstbewusstsein, Neugier, Durchhaltevermögen, Selbstbeherrschung, Einfühlungvermögen und Beziehungsfähigkeit.
Sanfte Übergänge sind wichtig
Ihr Kind braucht Freunde und Sie brauchen den Austausch mit anderen Müttern und Vätern. Falls Sie keine Eltern mit kleinen Kindern kennen, erkundigen Sie sich nach Eltern-Kind- oder Mutter-Kind-Kursen in Ihrer Umgebung. Dies gilt besonders, wenn für Sie die Rückkehr in den Beruf ansteht. Neben öffentlichen Informationsstellen, die Sie über Mutterschutz, Erziehungsurlaub und Teilzeitarbeit aufklären, können Ihnen auch die Erfahrungen anderer Eltern weiterhelfen. Denn fast alle stehen vor dem gleichen Problem.
Sie möchten gerne soviel Zeit wie möglich mit Ihrem Kind verbringen, doch das ist meist weder finanziell noch mit den Berufswünschen vereinbar. Gerade bei Alleinerziehenden ist häufig eine ganztägige Berufstätigkeit unumgänglich. Ob Tagesmutter, Kinderfrau oder Kinderkrippe, bereiten Sie Ihr Kind darauf vor. Wichtig ist ein sanfter Übergang, eine Phase der Eingewöhnung, in der Sie Ihrem Kind die neue Person in seinem Leben bekannt machen. Wählen Sie jemanden aus, der Ihren Erziehungsvorstellungen entspricht und bei dem Ihr Kind sich wohl fühlt. Und noch ein wichtiges Kriterium: Die Betreuung Ihres Kindes sollte einen längeren Zeitraum bei einer Person umfassen. Denn jeder Wechsel verunsichert Ihr Kind.
Newsletter Nr. 349
vom 5. März 2010