Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Resolution

der Deutschen Liga für das Kind und der rund 400 Teilnehmer(innen) der Tagung „Für die Jüngsten das Beste. Gute Qualität in Krippe und Kindertagespflege“ an die Parteivorsitzenden, Fraktionsvorsitzenden und Generalsekretäre der drei die neue Bundesregierung bildenden Parteien sowie an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Deutschland soll eine Bildungsrepublik werden. Dafür muss das Fundament gefestigt werden. Denn hier herrscht nicht nur Reformstau, sondern im internationalen Vergleich erheblicher Nachholbedarf. Mit dem Beschluss der Bundesregierung, die frühkindliche Betreuung auszubauen und ab dem 1.8.2013 einen Rechtsanspruch für jedes Kind ab dem zweiten Lebensjahr einzuführen, wurde ein erster Schritt getan.

Frühe Tagesbetreuung kann aber nur gelingen, wenn die Qualität stimmt. Es geht um wesentlich mehr als einen bloß quantitativen Aus- und Aufbau. Im Zentrum eines nachhaltigen Ausbaus der frühen Bildung muss die Qualität stehen, nicht nur die möglichst schnelle Schaffung von Plätzen oder gar eine „Unterbringung“ von Null- bis Dreijährigen in normalen Kindergartengruppen. Kinderkrippen und Tagespflegestellen sind Bildungseinrichtungen, die Kinder nicht nur verlässlich betreuen, sondern sie erziehen, bilden und fördern sollen.

Qualität heißt insbesondere:
Ein kind- und altersgerechter Personalschlüssel: eine Fachkraft für drei bis vier Kinder, angemessene Gruppenstrukturen mit altersangepasster Raumausstattung, Ernährung, Angebotsstruktur und Tagesgestaltung.
Eine Qualifizierungsoffensive beim Personal auf Hochschulniveau kombiniert mit angemessener gesellschaftlicher Bewertung (Vergütung) und ständiger Weiterqualifizierung über Fortbildungen und begleitende Fachberatung.
Kontrollierte Qualitätsstandards: Einrichtungen müssen auch extern evaluiert werden. Eltern brauchen Qualitätssiegel, um sich über das Qualitätsniveau von Krippen und Tagespflegestellen ein Bild machen zu können. Die Standards müssen transparent, verbindlich und nachvollziehbar sein.

Jedes Kind hat ein Menschenrecht auf gute Bildung (einschließlich sozio-emotionaler Bildung) und damit auf Chancengerechtigkeit. Kinder haben einen Anspruch auf gute frühe Tagesbetreuung, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und unabhängig von einer Erwerbstätigkeit ihrer Eltern.

Wir fordern die neue Regierungskoalition auf,
(1) in den Koalitionsvertrag einen Schwerpunkt „frühe Bildung, Erziehung und Betreuung“ aufzunehmen, der auch die Schaffung wissenschaftlich anerkannter Qualitätsstandards für Krippen, Kindertageseinrichtungen und Tagespflegestellen vorsieht;
(2) alle rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten des Bundes zu nutzen, um die Qualität in der frühen Tagesbetreuung zu verbessern;
(3) in einer konzertierten Aktion mit den Ländern, Kommunen, Trägervereinigungen, Aus- und Fortbildungsstätten, Fachgesellschaften und Verbänden eine Bildungs- und Qualifizierungsoffensive „frühe Kindheit“ zu vereinbaren;
(4) sich für die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz auszusprechen, um bei allen Kinder betreffenden Entscheidungen das Kindeswohl stärker zu berücksichtigen.