Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Mehrwert gerecht steuern – 7 % für Kinder

Bündnis fordert reduzierten Mehrwertsteuersatz auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder

Familien wenden einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Einkommens für die Versorgung und die Erziehung ihrer Kinder auf. Es ist dringend notwendig, Eltern finanziell zu entlasten und sie bei der guten und gesunden Entwicklung ihrer Kinder zu unterstützen. Das Bündnis „7 % für Kinder“ fordert den reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder.

Zahlreiche Branchen und Produkte profitieren vom reduzierten Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Dabei hat die Politik es über all die Jahre versäumt, die Bedürfnisse von Kindern ernst zu nehmen: Kinderkleidung und -schuhe, Windeln, Autokindersitze, Schul- und Kitaessen – all dies wird noch immer mit 19 Prozent besteuert. Das Bündnis „7 % für Kinder“ macht auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam und fordert, die Mehrwertsteuer auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder auf 7 Prozent zu senken.

Familien sind die Zukunft unserer Gesellschaft
Familien leisten einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung unserer Gesellschaft und Kinder sind die Gestalter unserer Zukunft. Das gute und gesunde Aufwachsen von Kindern ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft und damit gehören die Bedürfnisse von Kindern zu den Grundbedürfnissen der ganzen Gesellschaft. Die Erfüllung dieser Bedürfnisse ist für Eltern jedoch mit hohen Kosten verbunden. Nicht allen fällt es leicht, diese Ausgaben zu schultern. Babys und Kleinkinder benötigen Windeln. Kinder im Wachstum brauchen ständig neue Kleidung und Schuhe. Bei Schuleintritt müssen Schulranzen, Hefte und Stifte angeschafft werden. Diese Produkte sind notwendig, um am normalen gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Es handelt sich um Ausgaben, auf die Eltern nicht verzichten können und die das Familieneinkommen stark belasten.

Reduzierte Mehrwertsteuer: Chance für Familien
Obwohl die Zahl der steuerlich begünstigten Produkte und Dienstleistungen im Laufe der Jahrzehnte stetig zugenommen hat, wurden Kinder mit ihren Bedürfnissen beständig ignoriert. Das führt besonders bei Familien zu großen finanziellen Belastungen, denn sie wenden einen hohen Anteil ihres verfügbaren Geldes für die Versorgung ihrer Kinder auf. Der Vorschlag, die reduzierte Mehrwertsteuer abzuschaffen und stattdessen die Einkommensteuern zu senken, schadet vielen Familien. Insbesondere Familien mit geringem Einkommen werden dabei überproportional belastet, während sie kaum von einer niedrigen Einkommensteuer profitieren.

Die Gesellschaft steht in der Verantwortung, Familien mit Kindern besonders zu unterstützen. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder ist dabei ein wichtiger Baustein. Er bedeutet ein klares „Ja!“ zu einer gesellschaftlichen Verantwortung für Kinder, ist Teil einer familienfreundlichen Politik, die das Leben mit Kindern unterstützt und Familien fördert, und leistet einen Beitrag dazu, Kinderarmut zu reduzieren und Familien zu entlasten.

Europäische Richtlinien verbessern
Die Mehrwertsteuer hat auch eine europäische Dimension: Eine europäische Richtlinie bestimmt, welche Produkte für den reduzierten Mehrwertsteuersatz in Frage kommen. Auch diese Richtlinie befindet sich aktuell in der Diskussion. Daher müssen sich deutsche Politiker/innen für eine Aufnahme von weiteren Produkten und Dienstleistungen für Kinder in den Katalog einsetzen.

Kampagne „7 % für Kinder“: Alle können mitmachen!
Bei der Umsetzung dieses Vorhabens sind alle gefragt. Die Kampagne „7 % für Kinder“ macht auf das Anliegen aufmerksam und regt die politische Debatte zur Gestaltung des Mehrwertsteuersystems an. „7 % für Kinder“ richtet sich sowohl an die breite Öffentlichkeit als auch an politische Entscheidungsträger(innen). Die Kampagne macht deutlich, dass die Mehrwertsteuer nicht nur eine sprudelnde Einnahmequelle des Staates ist, sondern dass sie auch sozial gerecht gestaltet werden muss. Dafür steht der Slogan „Mehrwert gerecht steuern!“

Das Bündnis „7 % für Kinder“: starke Familienbande
„7 % für Kinder“ ist ein Bündnis von Verbänden, Organisationen und Einrichtungen aus Gesellschaft und Wirtschaft. Sie alle eint das Anliegen, die Mehrwertsteuer auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder auf 7 Prozent zu reduzieren. Entstanden ist das Bündnis auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen e.V. (AGF) und von JAKO-O in Kooperation mit dem Deutschen Kinderhilfswerk e.V. (DKHW). Mitgliedsorganisationen der AGF sind der Deutsche Familienverband e.V. (DFV), die Evangelische Aktionsgemeinschaft für Familienfragen e.V. (eaf), der Familienbund der Katholiken e.V. (FDK), der Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Bundesverband e.V. (VAMV) sowie der Verband binationaler Familien und Partnerschaften e.V. (iaf).

Zu den weiteren Unterstützern gehören der AWO-Bundesverband e.V., die Deutsche Liga für das Kind e.V., die Deutsche Sportjugend im Deutschen Olympischen Sportbund e.V., der Deutsche Frauenrat e.V., der Deutsche Kinderschutzbund e.V. (DKSB), der Deutsche LandFrauenverband e.V. (dlv), das DHB-Netzwerk Haushalt Berufsverband der Haushaltsführenden e.V., Home Instruction for Parents of Preschool Youngers – HIPPY Deutschland e.V., das Kolpingwerk Deutschland gGmbH (KWD), der Bundesverband der Selbstilfeinitiativen Alleinerziehender SHIA e. V., der Sozialverband Deutschland e.V. (SoVD) und das Zukunftsforum Familie e.V. (ZFF).