Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Projektideen für globales Lernen präsentiert vom niedlichen Nager

Für alle Pädagog(inn)en, denen es nicht reicht, das wichtige Thema globales Lernen auf die multikulturelle Salatbar beim Sommerfest zu beschränken, stellt dieses Praxisbuch eine anregende Methodensammlung zur Verfügung.

Identifikationsfigur „Aguti“, ein weltgewandtes Nagetier, lädt ein, über den eigenen (europäischen) Bildungszaun zu schauen. Mit ihm erhalten Kinder die Möglichkeit, gemeinsam mit Erzieher(inne)n und Lehrer(inne)n ihr Weltwissen zu erweitern und über vielfältige Aktivitäten in globale Themen einzusteigen. Kinderrechte, fairer Handel, Leben der Kinder in unterschiedlichen Regionen der Welt kommen dabei ins Spiel, ohne Armut und Elend in den Mittelpunkt zu stellen. Der Ideenschatz des Praxisbuchs unterstützt die vorurteilsbewusste Bildung von Kindern im Kindergartenalter bis hin zu den ersten Schuljahren. Ich-Identität und Gruppengefühl entwickeln, Erfahrungen mit Vielfalt zu machen und kritisches Denken gegenüber Vorurteilen und Einseitigkeit zu fördern – im Ordner finden sich zahlreiche Ideen, um Bildungsprozesse zu unterstützen. Vorlese-Geschichten, Lieder, Anregungen für Aktivitäten sowie Hintergrundinformationen inspirieren zu einem kreativen Umgang. Piktogramme verweisen auf Anregungspotenziale in den einzelnen Bildungsbereichen. Kopiervorlagen ergänzen das Material.

Stella Valentien

Welthaus Bielefeld e.V. (Hrsg.)
KiTa global – das Praxisbuch
Ideenschatz zum Globalen Lernen für die Arbeit im Kindergarten und in der ersten Schulzeit
Ringmappe, 100 Seiten, farbig, Bielefeld 2010
Bezug: www.welthaus.de/publikationen-shop
25,00 €

Feinabstimmung im ersten Lebensjahr

Dass es beim Zusammensein mit einem Säugling nicht nur um die Befriedigung kindlicher Bedürfnisse, sondern um das gegenseitige Kennenlernen und den wechselseitigen Austausch zwischen großen und noch ganz kleinen Menschen geht, ist für Eltern eine zutiefst berührende Erfahrung.

Nicht nur das Baby entdeckt die Welt, sondern auch die Eltern sind Entdecker von Neuland. Sie müssen ihr Kind erst entdecken, das ihnen von Anfang an als Persönlichkeit gegenübertritt. Diese frühe Interaktion gleichermaßen aus Sicht des Kindes und aus der Perspektive der Elter n a nschau l ich besch r ieben zu haben, ist das Verdienst der Entwicklungspsychologin und Familientherapeutin Mauri Fries. In ihrem Buch „Wie ein Baby die Welt entdeckt“ beschreibt die Autorin den Prozess der Feinabstimmung zwischen dem Säugling und seinen Eltern im ersten Lebensjahr. Dabei wird deutlich, dass diese Abstimmung „nebenbei“ in den alltäglichen Momenten beim Füttern, Baden oder Wickeln stattfi ndet, wenn Kind und Erwachsener sich anschauen, Geräusche und Worte austauschen, Gesten wiederholen und imitieren, erste Spiele entstehen. Dass zur Abstimmung der Umgang mit Missverständnissen gehört, ist dabei selbstverständlich. Denn nicht die vergebliche Suche nach Perfektion, sondern eine Haltung, die auch Fehler zulässt und darauf vertraut, dass das Baby mit seinem Verhalten zeigen wird, was zu viel, zu wenig und was richtig ist, führt zu glücklicher Elternschaft. Ein gelungenes Buch, das die modernen Erkenntnisse der Säuglingspsychologie souverän für Eltern übersetzt und konsequent den Subjektstatus des Kindes berücksichtigt.

Dr. Jörg Maywald

Mauri Fries
Wie ein Baby die Welt entdeckt
Die Entwicklung Ihres Kindes verstehen und begleiten
BELTZ Verlag 2010
12,95 €