Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Alt und Jung: Intergenerative Kooperation außerhalb der Familie

von Harald Uhlendorff

Die demographische Zusammensetzung der Bevölkerung verändert sich in Deutschland mit hoher Geschwindigkeit. Bereits in den nächsten Jahrzehnten kommt es höchstwahrscheinlich zu einer deutlichen Zunahme der absoluten und relativen Anzahl älterer Menschen. Aus der „Bevölkerungspyramide“ des späten Kaiserreiches um 1900 (viele junge Menschen als Basis, wenige alte und noch weniger hochaltrige Menschen an der Spitze der Pyramide) wird immer deutlicher ein „Bevölkerungspilz“ (wenige junge und viele alte Menschen; Jacobs 2006). Je nach Perspektive spricht man von „Überalterung“ oder aber auch von „Unterjüngung“ (Kolland 2006). Wie Alt und Jung unter sich verändernden demographischen Bedingungen in Zukunft miteinander leben möchten, ist eine wichtige und bisher ungeklärte gesellschaftliche Frage (Amrhein/Schüler, 2005).

Es gibt keine historischen Modelle dafür, wie eine lange nachberufliche Lebensphase bei oftmals guter Gesundheit, hinreichendem Einkommen und beträchtlichen Kompetenzen indidviduell auszugestalten ist (Karl 2005). Oft tragen diese älteren Menschen aktiv zum Wohle der Gesellschaft bei, wie es sich etwa im Titel des fünften Berichts zur Lage der älteren Generation in Deutschland ausdrückt: „Potenziale des Alters. Der Beitrag älterer Menschen zum Zusammenhalt der Generationen“ (2005). Die Sachverständigenkommission erarbeitet hier Empfehlungen, wie günstigere Voraussetzungen für das gesellschaftlich-soziale Engagement der älteren Generation geschaffen werden können.

Jugendliche schätzen die ältere Generation mehrheitlich als familienorientiert, pflichtbewusst, fleißig und sozial engagiert ein (Schneekloth 2006). Nur wenige Jugendliche glauben, Ältere seien vor allen Dingen auf ihren persönlichen Vorteil aus. Alt sein bedeutet für die Jugendlichen „die Früchte des Lebens genießen“ und „Zeit für neue Aufgaben haben“. Hier zeigt sich, dass Jugendliche die Potenziale des Alters wahrnehmen und auch mit dem gesellschaftlich-sozialen Engagement der Älteren rechnen. Etwa gleich viele Jugendliche schätzen das Verhältnis zwischen den Generationen als harmonisch oder als angespannt ein. Zukünftig rechnen Jugendliche ebenso wie Erwachsene mit einer Verschlechterung des Generationenverhältnisses. Befürchtungen, dass Spannungen und Konflikte bald schon zunehmen könnten, haben in letzter Zeit diverse Aktivitäten ausgelöst. Neben wissenschaftlichen Arbeiten (z.B. Jacobs 2006, Suck/Tinzmann 2005), viel beachteten Ausstellungen und Kongressen (z.B. „Alt und Jung. Das Abenteuer der Generationen“ im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden 1997/98) und eindeutigem politischem Gestaltungswillen (z.B. Gründung und Förderung des Projektebüros „Dialog der Generationen“ im Jahre 1995 durch das Bundesfamilienministerium) sind tausende von konkreten generationsübergreifenden Projekten entstanden, die einen nachhaltig wirksamen, Vorurteilen entgegen wirkenden Dialog zwischen Jung und Alt anregen (siehe unter www.generationendialog.de).

Generationen
Im Alltag wird der Generationenbegriff unscharf und vieldeutig verwendet, daher soll hier auf drei leicht unterscheidbare Konzepte des Generationenbegriffs zurückgegriffen werden.

Relativ eindeutig ist der genealogische Generationenbegriff, weil er sich auf die Abfolge von Familiengenerationen bezieht. Auf das Verhältnis zwischen vermittelnder und aneignender Generation bezieht sich der pädagogische Generationenbegriff. In wenig dynamischen Gesellschaften ist die vermittelnde Generation eindeutig älter ist als die aneignende Generation, in hochdynamischen Gesellschaften mit schnell zunehmendem Spezialwissen kann sich das Verhältnis im Einzelfall umkehren. Bei der Analyse von intergenerativen Projekten außerhalb der Familie hat sich der pädagogische Generationenbegriff als hilfreich erwiesen. In den Projekten treten sowohl alte als auch junge Menschen als vermittelnde Generation auf, Ältere z.B. als Mentoren für den Berufseinstieg, Jüngere als Spezialisten bei Computer- und Handynutzung. Gleichzeitig zur vermittelnden und zur aneignenden Generation zu gehören ist heute weit verbreitet.

Der historisch-gesellschaftliche Generationenbegriff bezieht sich auf Gruppierungen, denen historische oder soziale Gemeinsamkeiten zugeordnet werden. Der „Ankertext“ der historisch-gesellschaftlichen Sichtweise ist der Text „Das Problem der Generationen“ von Karl Mannheim aus dem Jahre 1928. Mannheim definiert dabei die „Generationenlagerung“ als die Zugehörigkeit zu einer Altersgruppe zu einer bestimmten Zeit, dieser Begriff wird oftmals der „Geburtskohorte“ gleichgestellt. Ein „Generationenzusammenhang“ entsteht erst bei einer gemeinsamen schicksalhaften Betroffenheit durch historische Konstellationen. Durch ein einheitliches Reagieren oder Mitschwingen auf diese historischen Konstellationen bilden sich wiederum noch kleinere „Generationeneinheiten“ heraus. Zinnecker (2002) fragt, ob sich bei Kindern und Jugendlichen angesichts eines stark beschleunigten gesellschaftlichen Wandels überhaupt noch klare, voneinander abgrenzbare Generationen im historisch-gesellschaftlichen Sinn bilden oder ob nicht eher eine Überlagerung und Verdeckung von Generationen erzeugt wird.

Höpflinger (1999) klärt die uneindeutigen und teilweise sogar widersprüchlichen Verhältnisse zwischen älteren und jüngeren Generationen weiter auf. Als „negative Interdependenz“ (Generationenkonflikt) beschreibt er Wert- oder Interessenkonflikte zwischen Generationen. So wird z.B. eine medienwirksame Vorstellung von einem Krieg zwischen den Generationen dadurch inszeniert, dass Ältere in erster Linie als wirtschaftliche Belastungen für Jüngere angesehen werden. „Positive Interdependenz“ (Generationensolidarität) ist vor allem innerhalb von Familien offensichtlich. Enkelbetreuung und auch materielle Zuwendungen von den Älteren sind heute weit verbreitet. Die jüngeren Familiengenerationen helfen den Älteren bei alltäglichen Verrichtungen, im Krankheitsfall und nicht selten auch bei längerer Pflegebedürftigkeit.

Eine Solidarität zwischen den Generationen zeigt sich aber auch in außerfamilialen intergenerativen Projekten. Nach dem Modell „Unabhängigkeit/Independenz“ (Segregation) hat jede Generation vor allem ihre eigenen Interessen, und die Generationen existieren relativ unverbunden nebeneinanderher. Zwar kommt es kaum zu Konflikten, Berührungen oder gar Solidarität entstehen aber auch nicht. Eine Segregation zwischen den Generationen findet sich heute am ehesten im Freizeitbereich. Mit der „Ambivalenz der Generationen“ (Lüscher/Liegle 2003) wird angedeutet, dass die unterschiedliche Generationsmodelle, also Konflikt, Solidarität und Unabhängigkeit, gleichzeitig wirksam sein können und dass konkretes Verhalten zwischen den Generationen deshalb vieldeutig bleiben muss.

Entwicklungsaufgaben
Der Dialog zwischen den Generationen mag zwar aus einer gesellschaftlichen Perspektive heraus als wertvoll betrachtet werden, eine andere Frage ist aber, ob alte und junge Menschen individuell dazu motiviert sind. Das Konzept der Entwicklungsaufgaben von Havighurst (1953) bietet die Möglichkeit, die motivationale Grundlage für generationenübergreifende Interaktionen darzulegen. In verschiedenen Lebensphasen sieht sich das Individuum unterschiedlichen Entwicklungsaufgaben gegenüber gestellt. Die gelungene Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgaben bringt Lebenszufriedenheit mit sich und erhöht gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit, auch künftige Entwicklungsaufgaben erfolgreich zu bearbeiten. Nach Havighurst entstehen die Entwicklungsaufgaben auf der Basis (a) von biologischen Veränderungen beim Individuum (z.B. körperliche und geistige Reifung in Kindheit und Jugend, zunehmende Krankheitsanfälligkeit im Alter), (b) gesellschaftlicher Erwartungen (z.B. verantwortungsvoller Umgang mit wachsender Autonomie bei jungen Menschen, soziales Engagement im Alter) und (c) durch das Verfolgen selbst gesteckter Ziele.

Zentrale Entwicklungsaufgaben des Alters sind die Akzeptanz biologischer Vulnerabilitäten, die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit und die Ausübung von „Generativität“. Als Generativität wird die Vermittlung von Erfahrungen und Kompetenzen an Jüngere bezeichnet. Generativität bietet den Älteren die Möglichkeit, hoch sinnvoll erlebte Aktivitäten gegenüber Jüngeren entfalten zu können und dabei „eine Spur zu hinterlassen, die über den eigenen Tod hinaus Bestand hat“ (Lang/Baltes 1997, S.170).

Jüngere Kinder stehen vor der Aufgabe, vertrauensvolle Beziehungen gegenüber Bezugspersonen aufzubauen und danach die außerfamiliale Welt selbstbewusst zu erobern (angelehnt an E.H. Erikson). Wie Großeltern ihre Enkelkinder im Vor- und Grundschulalter bei der Lösung von diesen Entwicklungsaufgaben unterstützen, beschreibt Krappmann (1997): Großeltern sind „wegen ihrer Vertrautheit mit dem Kind und der dennoch spürbaren Verschiedenheit von den Eltern in besonderer Weise geeignet, die Kinder vor die Aufgabe zu stellen, ihre ersten sozialen Fähigkeiten unter leicht veränderten Bedingungen anzuwenden. Gemeinsame Unternehmungen von Großeltern und Enkeln können als Schritte in die Welt jenseits der Grenzen der Kernfamilie betrachtet werden“ (Krappmann 1997, S.196).

Ältere Kinder bzw. Jugendliche stehen vor der Entwicklungsaufgabe der Identitätsfindung. Sie explorieren dabei verschiedene Lebensbereiche um sich selber besser orientieren zu können. Großeltern aber auch andere ältere Menschen können Jugendliche bei dieser Orientierung unterstützen, indem sie den jüngeren neue „Lebenshorizonte eröffnen, denn sie überschauen viel Leben und können darstellen, worauf es ihrer Meinung nach ankommt. Vor allem Menschen außerhalb der Familie könnten eine unabhängige Sicht an die Jugendlichen herantragen. Dadurch werden den Jugendlichen Reflektionsmöglichkeiten eröffnet, die wichtig sind, wenn sie eigene Lebenspläne zu klären versuchen“ (Krappmann 1997, S. 197).

Kessler erkennt eine Komplementarität zwischen den Entwicklungsaufgaben der Generativität im Alter und der Identitätsbildung in der Jugend. Danach ergänzt sich das Bedürfnis Jugendlicher, Informationen über sich und die Welt zu sammeln, vorzüglich mit dem Wunsch älterer Menschen, eigene Lebenserfahrung weiterzugeben. In ihrer empirischen Untersuchung (Kessler 2006) zeigte sich die Generativität der älteren darin, dass sie sich den Jüngeren gegenüber sehr zugewandt, unterstützend und solidarisch verhielten, während bei den Jüngeren infolge der Aktivierung von Exploration insbesondere Neugier und Aufmerksamkeit geweckt wurde. Hier entsteht der Eindruck, dass Alt und Jung im generationsübergreifenden Dialog gemeinsam an ihren Entwicklungsaufgaben arbeiten können und dass auf diese Weise beide die Aussicht haben, Stärkung und Wohlbehagen aus den Interaktionen zu gewinnen.

Alt und Jung außerhalb der Familie
Verwandtschaftliche Netzwerke werden durch die inzwischen seit Jahrzehnten anhaltend niedrige Geburtenrate immer kleiner. Wo in den Familien zunächst die Geschwister fehlten, ist heute die Möglichkeit von intergenerationalen Beziehungen mit Tanten und Onkeln und demnächst auch mit Großtanten und Großonkeln drastisch einschränkt. Nun könnte man hoffen, dass die fehlenden verwandtschaftlichen Beziehungen zu älteren Menschen durch außerfamiliale Kontakte zwischen Jung und Alt leicht ersetzt werden könnten. Die Ergebnisse der repräsentativen Studie von Ueltzhöffner (1999) stützen diese Hoffnung keineswegs: Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Menschen sind danach weitgehend auf Familien beschränkt. Im Kontext von Schule und Beruf haben nur etwa 13 Prozent der 15- bis 20-Jährigen mit über 60-Jährigen zu tun, wahrscheinlich weil nur noch wenige über 60-Jährige berufstätig sind. Im Freizeitbereich, also außerhalb von Familie, Schule und Beruf geben weniger als fünf Prozent der Jüngeren an, intensiv mit Älteren zu interagieren.

Die Studie zeigt deutlich, dass persönliches und intensives Kennen lernen von Alt und Jung außerhalb der Familie nur selten vorkommt. Ungenügende Kontakte steigern die Gefahr, negative Vorurteile aufzubauen und beizubehalten. Weitere Interaktionen werden dann eher vermieden. Alle intergenerativen Projekte, die sich auf intensive außerfamiliale Kontakte zwischen Alt und Jung beziehen, können helfen, diese Segregation zwischen Generationen zu entschärfen. Einen Überblick über aktuelle intergenerationale Projekte bieten Suck und Tinzmann (2005): z.B. Großelterndienste, Hausaufgabenhilfe, Computer- und Handykurse, Mentorenprogramme für den Berufeinstieg, Projekte aus den Bereichen gemeinsames Wohnen, Schule, Theater, Gewaltprävention, Politik und Sport.

Großelterndienste, Berufseinstiegsprojekte und intergenerative Schulprojekte sollen wegen ihrer großen lebenspraktischen Relevanz genauer angesehen werden. Auf erfolgreiche ehrenamtliche Großelterndienste verweisen Amrhein und Schüler (2005). Bereits durch die Begriffe „Großelterndienst“ oder „Leihoma “ zeigt sich der Rückgriff auf die vertraute und geschätzte Großelternrolle, die allen Beteiligten Sicherheit hinsichtlich der gegenseitiger Erwartungen vermittelt. Besonders allein erziehende Mütter und Väter nehmen gerne Großelterndienste in Anspruch, weil sie ihre Kinder dabei gut versorgt wissen. Die ehrenamtlichen Großeltern selbst haben oftmals keine eigenen Enkel oder die Familien ihrer Kinder leben weit entfernt.

Mentoren für den Berufseinstieg (Amrhein/Schüler 2005) sind ältere Menschen aus Berufen wie Maurer, Schlosser, Ingenieur, Büro-, Bank- und Industriekaufmann. Sie haben sich im Berufsleben viele Kompetenzen angeeignet und möchten jetzt im Alter ihre Erfahrungen weitergeben. Sie treffen in den Berufseinstiegsprojekten oft auf Jugendliche, denen wegen ihres sozialen und schulischen Hintergrunds der Übergang in den Beruf zu misslingen droht. Die Mentoren informieren die Jugendlichen bereits in den letzten Schulklassen, mit Hilfe ihrer Kontakte zum Berufsalltag akquirieren sie manchmal Ausbildungsplätze, sie helfen den Jugendlichen in Bewerbungsphasen und stehen auch noch während der Ausbildung als Ansprechpartner zur Verfügung (Karl 2005). Bei diesen anspruchsvollen Aufgaben werden hohe Anforderungen an Mentoren gestellt (Amrhein, 2002).

Viele intergenerative Projekte sind heute institutionell an Schulen angebunden. Bei zunehmenden Ganztagsangeboten könnten diese schulbezogenen Projekte noch relevanter werden (Jacobs 2006). Ältere Menschen nehmen dabei vielfältige Aufgaben wahr, z.B. Hilfen beim Übergang in die Grundschule, Unterstützung des Lehrers während des Unterrichts, Nachhilfe, Betreuung des Schulgartens oder Vorbereitung einer Theateraufführung.

Karl (2005) beschreibt Vorgehensweisen, denen langjährige Erfahrungen mit intergenerativen Schulprojekten aus den USA zugrunde liegen: Im Vorschulbereich steht es den Seniorinnen und Senioren frei, ihre Betreuung auf bestimmte Kinder zu konzentrieren und den Umfang ihrer Tätigkeit frei zu bestimmen. Viel Zeit ist nötig, um die Erziehungsstile von Ehrenamtlichen und Professionellen aufeinander abzustimmen. Hier sind Aussprachen, Supervisionsmöglichkeiten und Fortbildungen unerlässlich. Für die Arbeit in Schulen werden ehrenamtliche Senioren durch „Tage der offenen Tür“ angeworben. Bei anschließenden Workshops werden die Senioren auf ihre Arbeit intensiv vorbereitet. Dabei lernen sich Lehrer und Ehrenamtliche kennen und klären ihre Interessen und Wünsche unter Berücksichtigung der Lernziele für die Schüler. Nach Probephasen wird dann eine längere Mitarbeit vereinbart, die ungefähr einen Vormittag pro Woche umfasst. Bei diesen ausgereiften Entwürfen zur intergenerativen Zusammenarbeit wird deutlich, dass die mittlere, hauptberuflich tätige Erzieher- und Lehrergeneration die Hauptverantwortung für den Erfolg der Projekte trägt. Daher eignet sich das Engagement der Seniorinnen und Senioren überhaupt nicht als Vorwand für einen Personalabbau bei Erziehern und Lehrern. Auf derartige Gefahren weisen die Autoren des Fünften Altenbericht (2005) nachdrücklich hin.

Möglichkeiten und Grenzen
Kessler (2006) fasst in ihrer Studie intergenerationale Interventionsprogramme zusammen und zeigt, welche Ziele derartiger Programme erreicht werden können. Evaluationen decken auf, dass der Abbau negativ-abwertender Einstellungen von Jüngeren gegenüber Älteren am ehesten erreicht wird, wenn die Jüngeren mit gesunden und aktiven älteren Menschen in Kontakt treten. Auf Seiten der älteren Menschen ist die Steigerung von Lebenszufriedenheit, Selbstwert und Optimismus ein zentrales Ziel. Diese Ziele werden häufig erreicht, wenn die älteren Personen als Mentoren tätig sind. Misserfolge treten vor allem dann auf, wenn die Interaktionen aus der Sicht der Älteren als überstimulierend erlebt werden, wenn keine Rückzugsmöglichkeiten angeboten werden, aber auch wenn die intergenerativen Aktivitäten von den Älteren als infantilisierend eingeschätzt werden.

Suck und Tinzmann (2005) betonten, dass im Dialog der Generationen eine oftmals unausgesprochene „Reziprozitätsnorm“ gilt. Diese Norm wird insbesondere dann verletzt, wenn Ältere nur einseitig Hilfe von Jüngeren annehmen. Schuldgefühle bei den Älteren und auch Ansehensverluste können eine Folge dieser Einseitigkeit sein. Einseitig orientierte „Jung hilft Alt Projekte“ sind aus dieser Perspektive eher kritisch zu bewerten. Auch die oft erwähnten Handy- und Computerkurse von jungen Menschen für ältere Menschen sollten in einen umfassenderen Projektrahmen eingebettet sein, der äquivalente Hilfen von Seiten der Älteren gestattet.

Ueltzhöffer (1999) zeigt anhand seiner repräsentativen Befragung, dass Jugendliche und auch Ältere vor allen Dingen fürchten, von der jeweils anderen Generation nicht richtig verstanden zu werden. Die Älteren argwöhnen auf kaum überbrückbare Einstellungs- und Auffassungsdifferenzen zu treffen. Die Jüngeren achten dagegen sehr genau darauf, wirklich ernst genommen zu werden. Als Vermittler kann ein Mediator auftreten. Der Mediator klärt, welche Bedürfnisse und Wünsche bestehen und welche Absprachen zu treffen sind. Meistens müssen die Mediatoren nicht nur die Altersunterschiede, sondern auch ganz unterschiedliche kulturell-soziale Hintergründe der Beteiligten überbrücken. Vor übergroßem Idealismus hinsichtlich des intergenerationalen Dialogs warnen auch Amrhein und Schüler (2005): Zunächst sind oft disharmonische Phasen zu überwinden, bis „beide Seiten für ihren Mut belohnt werden“.

Der Artikel ist die stark gekürzte und veränderte Fassung eines Beitrages in: Hoffmann, D. Schubarth, W. & Lohmann, M. (Hg.) (im Druck). Jungsein in einer alternden Gesellschaft – Gegenwart und Zukunft des Zusammenlebens der Generationen. Weinheim/München: Juventa. Die Literaturangaben sind über die Geschäftsstelle erhältlich.

Prof. Dr. Harald Uhlendorff ist Psychotherapeut und außerplanmäßiger Professor am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Potsdam.