Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Rezensionen Bücher fK 5-03

Bausteine für eine Bildungsreform im Kindergarten

Alle reden davon, dass sich Kindertagesstätten zu Bildungseinrichtungen entwickeln müssen. Aber wer weiß schon, was genau damit gemeint ist? Das Buch gibt einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Diskussion in Wissenschaft, Praxis und Ausbildung.

Worin bestehen die neurobiologischen Grundlagen frühkindlichen Lernens? Welche lernmethodischen und interkulturellen Kompetenzen benötigen Kinder für die Welt von morgen? Was bedeuten eigentlich Metakognition oder Back-up-Care? Dies sind nur einige der Fragen, die in den insgesamt achtzehn Beiträgen des von Wassilios E. Fthenakis herausgegebenen Sammelbandes erörtert werden. Die Autorinnen und Autoren sind allesamt ausgewiesene Fachleute, die sich mit Theorie und Praxis der Elementarpädagogik bestens auskennen. Das Themenspektrum reicht von entwicklungspsychologischen Grundlagen über seelische Gesundheit bei Kindergartenkindern und pädagogischer Qualität bis hin zu Fragen der Erzieherinnenausbildung und der Entwicklung von Kindergärten hin zu Service-Einrichtungen für Familien.

Herausgekommen ist eine materialreiche und gut lesbare Gesamtschau von fast 400 Seiten über die „Baustellen“, auf denen gegenwärtig in Deutschland der Kindergarten der Zukunft entwickelt und erprobt wird.

Dr. Jörg Maywald

Wassilios E. Fthenakis
Elementarpädagogik nach PISA
Wie aus Kindertagesstätten Bildungseinrichtungen werden
Herder Verlag
Freiburg 2003, 375 Seiten
19,90 Euro

Der Kindergarten als Bildungseinrichtung

Seit der Veröffentlichung der PISA-Studie wird der Kindergarten in der Öffentlichkeit wieder verstärkt als Bildungseinrichtung wahrgenommen und diskutiert. Das Buch macht deutlich, dass Lernangebote in der frühen Kindheit von einem ganzheitlichen Bildungsbegriff ausgehen müssen.

Ergebnisse aus der Hirnforschung, der Entwicklungs- und Kognitionspsychologie und der Reformpädagogik belegen, dass Lernerfahrungen in der frühen Kindheit spätere Bildungsprozesse nachhaltig beeinflussen. Die Autoren zeichnen ein Bild der Bandbreite der Möglichkeiten frühkindlicher Bildung von emotionaler und sozialer über sprachliche bis hin zu mathematisch-naturwissenschaftlichen Bildung. Dabei hat die kognitive, an gesellschaftlichen Verwertungsinteressen ausgerichtete Wissensvermittlung keine Priorität, sondern vielmehr werden pädagogische und psychologische Konzepte vorgestellt, die sich am Wohl und an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Schwerpunkt des Buches ist eine Gleichgewichtung der sozialen und emotionalen Schulung neben der kognitiven Bildung. Denn „unter frühkindlicher Bildung (ist) nicht das zu verstehen, was Erwachsene meinen als Wissen an das Kind vermitteln zu müssen. Vielmehr geht es um das Wissen, welches das Kind selbst produziert“ (Sigrid Ebert). Neben wissenschaftlichen Erkenntnissen vermittelt das Buch auch praktische Anwendungsbeispiele, die es damit nicht nur zu einem Basiswerk für Erzieher(innen) sondern durchaus auch als Hintergrundlektüre für Eltern interessant machen.

Mareike Dittmer

Sigrid Weber (Hg.)
Die Bildungsbereiche im Kindergarten. Basiswissen für Ausbildung und Praxis
Herder Verlag
Freiburg 2003, 208 Seiten
14,90 Euro