Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Pädagogische Begleitung junger Familien

von Heidi Bickel, Vorstandsmitglied des PEKiP e.V.

Das Prager-Eltern-Kind-Programm (PEKiP) ist der Name für eine Form der pädagogischen Begleitung junger Familien während des ersten Lebensjahres des Kindes. Dabei werden den Eltern in sozialpädagogischen Gruppen durch eine PEKiP-Gruppenleiterin Spiele und Anregungen vermittelt, die diese in enger Beziehung mit ihren Kindern ab dem Alter von sechs Wochen durchführen können.

In wöchentlichen Treffen in Einrichtungen der Familienbildung haben die Eltern neben dem Spiel mit den Kindern Gelegenheit, sich mit anderen Erwachsenen auszutauschen.

Durch den regelmäßigen Kontakt zwischen den Familien entstehen häufig bis zur Kindergartenzeit Unterstützung und Solidarität untereinander.

Der PEKiP e.V. ist außerdem Träger der beruflichen Fortbildung zur PEKiP-Gruppenleiterin.

Das Prager-Eltern-Kind-Programm hat zum Ziel, das Kind durch Bewegungs- und Spielanregungen in seiner Entwicklung zu begleiten und zu unterstützen, die Beziehung zwischen Kind und Eltern zu stärken, den Erfahrungsaustausch und Kontakt der Eltern untereinander zu fördern und Kontakte der Kinder zu Gleichaltrigen zu ermöglichen.

Eine kleine Zeitreise soll unserer Arbeit deutlich machen: Wir wollen Anna, geboren am 1. Januar 2000, und ihre Eltern die nächsten Jahre begleiten.

Anna wird geboren – Die Eltern sind unerfahren im Umgang mit dem Säugling, haben keine Modelle erfahren können, sind unsicher. Anna ist nun sechs Wochen alt und ihre Eltern besuchen mit ihr eine PEKiP-Gruppe. Annas Mutter denkt sich: „Muttersein ist ein Risikoberuf, aber die Gruppe ist ein Korsett für die strapazierte Mutterseele; man sieht mal jemanden, sagt eine der Frauen. Manche sind den ganzen Tag mit ihrem Kind allein, manche sind sogar regelrecht isoliert. Da beginnt sich im Kopf ein Kreisel zu drehen: Wie schaffe ich das bloß?“

Ein Jahr lang besuchen Anna und ihre Eltern eine PEKiP-Gruppe, in der sich bis zu acht Eltern mit ihren Babys treffen. Es handelt sich um eine geschlossene Gruppe, meistens Frauen in der gleichen Ausgangslage mit Kindern gleichen Alters. Die Gruppe hat eine Gruppenleitung, die entscheidende Momente des vielfältigen Gruppengeschehens erkennt, beachtet und möglicherweise ausbalancieren kann.

Gegen Ende des ersten Lebensjahres beobachten die Babys einander immer aufmerksamer. Wenn eines von ihnen mit dem Finger zeigt oder lächelt, so ahmt das andere es nach – ein erster bedeutungsvolle Austausch entsteht, der den Grundstein für die Entwicklung späterer Gemeinsamkeiten in der Peer-Gruppe legt.

Nach einem Jahr entsteht aus der PEKiP-Gruppe eine gemeinsame Spielgruppe.

Es ist gut zu erkennen, dass verschiedene Basisqualitäten bei Anna und ihren Eltern im Rahmen der Gruppenarbeit weiter eingeübt werden: Sensibilität, Empathie, Selbstbehauptung, Kooperation, Kreativität, Selbstkontrolle und Frustationstoleranz.

Durch die Unterstützung der Gruppenleiterin haben die Eltern früh gelernt, Anna zu beobachten, ihr Verhalten angemessen zu interpretieren, ihre Bedürfnisse zu erkennen und von den eigenen elterlichen Bedürfnissen zu unterscheiden, mit ihr in Dialog zu treten, sie nicht zu über- aber auch nicht zu unterfordern und Konflikte gemeinsam zu lösen.

Nach der Spielgruppen- und Kindergartenzeit, in der sich Anna gut in Gruppen zurechtfand, beginnt für sie nun der Eintritt in die Schule. Da die Eltern über soziale Kompetenz im Umgang mit Fachleuten verfügen, können sie gut mit der Grundschule zusammenarbeiten.

Im nächsten Jahrhundert wird vor allem derjenige sein Leben bestehen, der von klein auf menschliche Zuwendung und eine gute Erziehung erfahren hatte. Die Familien zu stärken muss deshalb ein vorrangiges Ziel unserer Gesellschaft sein. Wir wollen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Liga für das Kind dazu beitragen, das Eltern gestärkt und begleitet werden, um Deprivation bei Kindern zu verhindern und Unsicherheiten bei Eltern auszugleichen.

PEKiP e.V.

pekip@t-online.de
http://mbtsells.com/