Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Unterstützung beim Übergang zur Elternschaft

von Ines Albrecht-Engel, Bundesvorsitzende der Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – e.V.

Wie beugen wir im nächsten Jahrhundert Fehlentwicklungen von Kindern vor? Die Antwort sollte ganz einfach sein: Indem wir positive Bedingungen für das Heranwachsen von Kindern schaffen. Hierfür ist die gesamte Gesellschaft verantwortlich. Sie muß zunächst und vor allem positive Bedingungen für Familien schaffen, damit diese mit Unterstützung der Gesellschaft ihren Kindern optimale Bedingungen für die Entwicklung bieten können. Nicht nur die finanzielle Unterstützung ist damit gemeint, sondern vor allem die praktische Unterstützung zur Bewältigung kritischer Lebensphasen. Der Übergang vom Paar zu (Erst-)Eltern ist dabei besonders entscheidend.

Die Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – e.V. (GfG) unterstützt Eltern, die Umstellung zur Familie positiv zu gestalten und zu erleben. Ziel der Arbeit ist es, Eltern nicht mit neuen Maßstäben, Vorschlägen, und jeweils aktuellen Theorien einzuengen, sondern sie in ihren eigenen Bewältigungsstrategien zu fördern und sie im Vertrauen in ihre eigene Kompetenz und Intuition zu stärken, gerade im Umgang mit einem Neugeborenen.

Zu Beginn der 80er Jahre hat die GfG eine neue Form der Geburtsvorbereitung in Deutschland etabliert. Diese beinhaltete jetzt auch die Vorbereitung auf die Elternschaft. Ebenso neu damals: Die werdenden Väter wurden bei den Treffen integriert und in ihrer Vaterrolle ernst genommen. Dieser Ansatz ist besonders wichtig, da Väter nach der Geburt kaum noch für Kurse zu erreichen sind.

Neu war auch das obligatorische Babytreffen nach der Geburt. Hier erleben die Geburtsvorbereiterinnen hautnah die vielfältigen Schwierigkeiten der jungen Eltern, die sich aus den Anforderungen des neugeborenen Kindes rund um die Uhr ergeben, aber auch aus den Problemen, die eigene Beziehung neu zu ordnen und den Alltag neu zu strukturieren und zu bewältigen.

Konsequenterweise entwickelte die GfG ein Kursangebot für Eltern nach der Geburt. Die Entwicklung eines Curriculums für die Weiterbildung zur Familienbegleiter(in) wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gefördert und vom Institut Frau und Gesellschaft (IFG) evaluiert. Themen des Curriculums sind u.a.: Gesprächsführung und Gruppenleitung; Elternschaft als identitätsverändernder Prozess; Grundbedürfnisse des Säuglings; Stillen, Ernährung und Kinderkrankheiten; Rückbildungsprozesse nach der Geburt; Selbstwahrnehmung, Selbstregulation und Entspannungsübungen; Familiensoziologie.

Schwerpunkt des neuen Weiterbildungskonzeptes der GfG ist es, die Teilnehmer(innen) in Gesprächsführung und in der Leitung von Gruppen auszubilden. Eine kompetente und emphatische Gesprächsführung in Eltern-Kind-Kursen ist wichtig, um die Eltern miteinander ins Gespräch zu bringen, unterschiedliche Meinungen und Standpunkte zu diskutieren und zu akzeptieren und um die Hilfe der Eltern untereinander zu initiieren. Das Erleben in der Eltern-Kind-Gruppe, dass auch andere Eltern unsicher, manchmal gar am Rande ihrer Kräfte sind, und die unterschiedliche Bewältigung belastender Situationen schrauben im Idealfall die Ansprüche an sich selbst zurück, immer perfekte Eltern zu sein. Mütter und Väter erleben, dass es keine allgemeingültige absolut richtige Strategie gibt, sondern dass der Leitfaden zur Befriedigung der elementaren kindlichen Bedürfnisse und zur Förderung der kindlichen Entwicklung zu allererst Liebe, Nähe, Geborgenheit und Verläßlichkeit ist.

Die GfG versteht ihre Arbeit als ein Baustein zur Förderung der kindlichen Entwicklung und der Familie, zu der wir gemeinsam mit anderen Berufsgruppen und Elterninitiativen beitragen wollen.

Gesellschaft für Geburtsvorbereitung – Familienbildung und Frauengesundheit – e.V. (GfG)
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