Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Was ich Dir zum Abschied gern sagen will

Den Gruppenwechsel der Kleinsten begleiten

Von Heide Burg

Wenn Kleinkind, Erzieherin und Gruppe voneinander Abschied nehmen, ist dies eine emotionale Angelegenheit. Es ist verbunden mit Unsicherheiten und dem Hin- und Hergerissensein zwischen der Neugier aufs Neue und der Verbundenheit mit dem Gewohnten. Deshalb sollte ein Abschied von der Erzieherin behutsam und aufmerksam gestaltet und begleitet werden. Abschieds- und Übergangsrituale können helfen, dem Kind den Übergang zu erleichtern, und ihm so die Starthilfen geben, die es befähigen, mutig und selbstbewusst die Veränderung zu bewältigen.

Die gemeinsame Vorbereitung
Drei bis vier Wochen vor dem Abschied lädt die Erzieherin symbolisch mit einem Kärtchen das Kind zu einem Abschiedsgespräch mit anschließendem Besuch in der neuen Gruppe ein. Fragen wie z.B. „Freust du dich auf die neue Gruppe?“ oder „Kennst du dort schon jemanden?“ regen das Kind an, seine Gedanken mitzuteilen, vielleicht auch Bedenken zu äußern („… aber da ist der Florian, der haut immer …“). Auch die Erzieherin äußert sich in diesem Gespräch: „Du wirst uns fehlen, aber du kannst uns ja immer besuchen kommen“, „Ganz besonders gern habe ich mit Dir… gespielt“. Die Kinder der anderen Gruppe sind über den Besuch informiert und heißen das neue Kind mit einem Lied z. B. im Morgenkreis willkommen. Das Abschiedsgespräch wird als Erinnerung von der Erzieherin für das Portfolio dokumentiert.

Wunschleine
Zeitgleich werden die Kinder der Gruppe im Gesprächskreis offiziell über den baldigen Abschied/Wechsel informiert. Die Erzieherin gibt ihnen den genauen Termin an – eventuell mit deutlicher Markierung im Gruppenkalender – und sammelt gemeinsam mit allen Kindern Ideen, was man in den letzten Wochen noch zusammen tun will. Das „Abschiedskind“ hat natürlich das Vorrecht auszuwählen. Die Wünsche können aufgemalt und an eine Pinnwand, Wäscheleine o. Ä. drapiert werden.

Besuche in der neuen Gruppe
In den letzten zwei Wochen vor dem Wechsel ermutigt die Erzieherin das „Abschiedskind“ zu einem Kurzbesuch in der neuen Gruppe oder die neue Erzieherin kommt und lädt es ein. Eine schöne Möglichkeit ist auch, gemeinsam ein älteres Kind der neuen Gruppe als „Partnerkind“ auszusuchen. Mit dem Partnerkind ist besprochen, was es für das neue Kind tun und wie es ihm behilflich sein kann, damit jenes sich bald in der Gruppe zurechtfindet.

Koffer richten
In der letzten Woche erfährt das „Abschiedskind“ besondere Aufmerksamkeit: Als Höhepunkt wird gleich zu Wochenbeginn ein eigens angeschaffter Reisetrolley im Gruppenraum bereitgestellt. Die Woche über packt das Kind selbstständig alle seine „Schätze“ in den Trolley: sein Portfolio, sein Gruppensymbol vom Geburtstagskalender, seinen Turnbeutel, seine Hausschuhe, Jacke, Geschenke der Kinder … An der Gruppenpinnwand wird ein Brief für die Eltern ausgehängt (z. B.: „Wir verabschieden uns diese Woche von … mit seiner Familie und wünschen ihm/ihr weiterhin alles Gute.“). Die Erzieherin sucht ein Gruppenfoto heraus.

Das Abschiedsfest
Zum Abschied feiert die gesamte Gruppe ein Fest. An diesem Tag findet das Essen gemeinsam statt. Im Abschiedskreis wird noch einmal das Lieblingskreisspiel des Abschiedskindes gespielt. Die Kinder äußern Wünsche, die sie ihm mit auf den Weg geben wollen.

Die Reise beginnt
Die beiden besten Freunde und eine Erzieherin begleiten nun das Kind in die andere Gruppe, wo eine Erzieherin und eventuell das Partnerkind schon warten und zusammen mit ihm den Koffer auspacken und die Dinge an den neuen Platz räumen. Die Eltern holen an diesem Tag ihr Kind in der neuen Gruppe ab.

Der Beitrag erschien erstmals in: kindergarten heute 6-7/2011, S. 42-43. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Herder Verlages.

Heide Burg ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und ehemalige Leiterin einer großen Kindertageseinrichtung in Südbaden.