Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Pflegefamilien als guter Ort für sehr junge Kinder

Von Klaus Wolf

Alle Gesellschaften müssen die Frage beantworten, was mit den Kindern geschehen soll, die von ihren biologischen Eltern nicht versorgt werden können. Es gibt ein breites Spektrum von Gründen, warum die Sorge der biologischen Eltern um ihre Kinder ausfallen kann: Kriege und die dadurch erzwungene Trennung von den Eltern oder deren Tod, schwere Erkrankungen der Eltern oder die Gleichgültigkeit von Lebewesen, deren Brutpflegeinstinkt schwach entwickelt ist und deren kulturell im Zivilisationsprozess entwickeltes System von moralischen Orientierungen und rechtlichen Verpflichtungen kollektiv und individuell brüchig werden kann und sowieso nur eine recht dünne Schicht bildet – wie uns aktuelle Kriege und historische Rückblicke in die Geschichte der Kindheit zeigen.

Ein liebevoller Umgang mit den eigenen Kindern (von den anderen ganz zu schweigen), ist also das Ergebnis eines Inkulturations- und Sozialisationsprozesses, keineswegs anthropologische Konstante. Da Menschenkinder extrem stark und extrem lange auf die Sorge und den Schutz durch andere angewiesen sind, erhält die Frage „Was tun, wenn die biologischen Eltern ausfallen?“ ein besonderes Gewicht und es erfordert nicht nur eine Antwort im Einzelfall, sondern eine gesellschaftliche. Diese kann sehr unterschiedlich ausfallen und in der Menschheitsgeschichte finden wir manche, die uns heute unmenschlich erscheinen, etwa das Aussetzen von Kindern, insbesondere von Mädchen, so dass sie zur Beute für wilde Tiere wurden (Niederberger1997: 23f).

In unserer Gesellschaft lautet die etablierte Antwort: Sind die Eltern ausgefallen, sollen an ihre Stelle andere Erwachsene treten, die die Sorge für eine begrenzte Zeit oder auf Dauer übernehmen. Diese anderen Menschen können Verwandte des Kindes sein (Verwandtenpflege), Personen aus dem sozialen Umfeld, die das Kind kennen und die das Kind kennt (Netzwerkpflege), (zunächst) fremde Menschen („klassische“ Pflegefamilien) oder auch professionelle Mitarbeiter(innen), die diese Tätigkeit als Beruf in der Heimerziehung übernehmen, wobei es Heimerziehungsformen gibt, die der Betreuung in Pflegefamilien sehr ähnlich sind. Ich werde mich im Folgenden – unter Vernachlässigung aller anderen Differenzierungen – besonders auf Bereitschaftspflegefamilien konzentrieren, die ein Kleinstkind aufnehmen.

Ein Ausgangspunkt ist folgendes Szenario: Das Kleinstkind war an seinem bisherigen Lebensort gefährdet, sein körperliches oder seelisches Überleben war nicht garantiert. Alle Entscheidungen zu einer Herausnahme aus dem bisherigen, sein Wohl gefährdenden Ort sind getroffen und vollzogen. Nun sind – jenseits aller rechtlichen Fragen zur Personensorge, die natürlich relevant sind, aber hier nicht erörtert werden sollen – Soziale Dienste für Entscheidungen zum weiteren Lebensort und der kurzen und langen Perspektive für das Kind zuständig. Wenn sie ein hinreichend leistungsfähiges Pflegekinderwesen entwickelt haben – was regional sehr unterschiedlich sorgfältig getan wird – verfügen sie über die Option, es in einer Pflegefamilie betreuen zu lassen. Da wir nicht einen einzelnen Fall in den Mittelpunkt der Analyse stellen wollen, geht es um Strukturen, also die grundsätzliche Frage: Was können Pflegefamilien für das Kind tun?

Der sozialpädagogische Anspruch ist nicht nur, irgendeine Platzierung vorzunehmen oder die Aufsichtspflicht abzudecken, sondern einen guten pädagogischen Ort für das Kind zu finden, an dem es sich gut entwickeln kann. Ich plädiere dafür, die Frage nach den guten Entwicklungsbedingungen radikal in den Mittelpunkt zu stellen: Sie soll den Kompass für die professionellen Entscheidungen bilden. Mein Eindruck ist, dass zwar viel vom Kindeswohl die Rede ist – bei den Menschen, die Interessen in Bezug auf ein Kind haben, und bei den Sozialen Diensten. Die ständige Rede davon garantiert aber noch längst nicht, dass sein Wohl das Handeln bestimmt. Gerade in hochstrittigen Konstellationen – wir treffen auf sie oft in der biografischen Forschung zu Pflegekindern (www.uni-siegen.de/pflegekinder-forschung/) – ist das einzelne Kind oft geradezu umzingelt von Menschen, die alle nur sein Bestes wollen. Die (älteren) Kinder haben dabei nicht unbedingt das Gefühl, dass es ihnen besonders gut dabei geht und auch in sozialpädagogischer Deutung der Umgangsformen – zum Beispiel hinsichtlich ihrer Partizipation – werden oft ungünstige Abläufe deutlich (Reimer & Wolf 2009).

Die Erklärungen der Akteure, es gehe ihnen nur um das Kindeswohl, dürfen uns daher von einer kritischen Betrachtung der Praxis nicht abhalten. Dabei unterstelle ich nicht, dass absichtlich und in kühler Planung eine Tarnung der eigenen Interessen als Kindeswohl erfolgt. Je selbstloser die Akteure sich inszenieren (müssen), um eine moralisch akzeptable Position einnehmen zu können, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass die eigenen Interessen unsichtbar gemacht werden – vor anderen und vor sich selbst.

Was braucht ein sehr junges Kind, um sich gut entwickeln zu können?
Diese Fragestellung eröffnet ein weites Feld (eine gute Übersicht bei Rolf Göppel 2009). Interessante Hinweise finden wir insbesondere in den Studien von Mia Kellmer Pringle (1975; deutsch 1979) und T. Berry Brazelton und Stanley I. Greenspan (2000; deutsch 2002). Sie lassen sich so zusammenfassen:

Kinder benötigen zum guten Aufwachsen:
– eine liebevolle Beziehung, zumindest aber ein hohes Maß an freundlicher, wohlwollender respektvoller Interaktion;
– eine ihrem Alter entsprechende Versorgung, Schutz und Sicherheit;
– eine einigermaßen stabile und berechenbare Lebenssituation;
– einen Anregungsraum für ihren Forschungsdrang und eine Förderung ihrer individuellen Fähigkeiten;
– angemessene und wohlwollende Reaktionen auf ihre Aktivitäten sowie
– eine ihre Selbstständigkeit zulassende und fördernde Interaktion.

Betrachten wir dazu die familiale Bereitschaftsbetreuung, also die ad-hoc-Aufnahme eines Kleinstkindes in eine Bereitschaftspflegefamilie, die mit dem Ziel eingerichtet worden ist, ein Kind zu jeder Zeit erst einmal aufzunehmen, um anschließend den weiteren Verlauf zu klären.

Familiale Bereitschaftsbetreuung
Die Stärken der familialen Bereitschaftsbetreuung sind so offenkundig, dass sie hier nur kurz skizziert werden sollen (DJI 1987). Die als „andere Familie auf Zeit“ konzipierte Bereitschaftsbetreuung kann eine enge Verzahnung zwischen der Befriedigung physiologischer Grundbedürfnisse, dem Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit und der Bedürfnisse nach freundlicher Interaktion und Anregung erreichen. Das was eine leistungsfähige stationäre Einrichtung an dichter emotionaler Betreuungsstruktur spezifisch arrangieren muss, ist hier ein a priori vorhandenes Strukturmerkmal.

Das, was einerseits die Stärke der Bereitschaftsbetreuung ist – nämlich privates Leben mit dichter gegenseitiger Abhängigkeit (Wolf 1998) –, bringt andererseits aber auch Risiken hervor. Wenn es völlig misslingt, sind die Risiken so hoch wie in anderen eskalierenden Familiensituationen auch. Deswegen sind eine professionelle Vorbereitung und Begleitung der Pflegeeltern und ein regelmäßiger Kontakt einer verantwortlichen Fachkraft zum Kind unverzichtbar. Um es deutlich zu sagen: Ohne eine solche professionelle Begleitung kann man eine Bereitschaftsbetreuung nicht verantworten.

Wir haben dramatische Hinweise, dass die Kleinstkinder, um die wir uns hier Gedanken machen, manchmal in einer desolaten Verfassung sind: Drogenentzugserscheinungen und -folgen, sehr ungünstiges Schlaf- und Essverhalten und extreme physiologische Erregbarkeit können eine hoch anspruchsvolle Betreuungsaufgabe hervorbringen. Viele der Pflegeeltern meistern das in beeindruckender Weise (siehe www.pflegeelternforum.de; Jespersen 2010). Sie müssen dabei aber intensiv unterstützt werden.

Ein keineswegs besonders dramatisches Beispiel soll die Aufgaben illustrieren, vor denen Pflegeeltern oft stehen. Christina Keller (2009) zitiert in ihrer Diplomarbeit eine (Dauer-)Pflegemutter, die gerade sehr junge Kinder aufgenommen hat: „Beim ersten Anblick der Kinder musste sie sehen, dass diese in einem unterernährten und vernachlässigten Zustand waren. Sie beschreibt dies als: „ne Nebenwirkung die uns eigentlich erschrocken hat, weil so hatten wir uns die Kinder net vorgestellt, gell. Und ich musste dann gleich denken, die ganzen Sachen, die ich gekauft hab, die passen vielleicht in zwei Jahren.“ Auch die erste Nacht erlebte Anette, wie sie sagt, als ganz schlimm. Bei dem Versuch, Tim sein Fläschchen zu geben: „hat der nur geschrieen […] ich konnt ihm das überhaupt net geben, der hat das überhaupt net genommen.“ Als sie am nächsten Tag beim Jugendamt anrief und die Angst, dass Tim ihr verhungern würde, ausdrückte, erhielt sie den Tipp, es mit abgekühlter Milch zu versuchen. Auf ihre Empörung hin: „Ich kann dem Jung doch kein kaltes Fläschchen geben“, (5/48) erfuhr sie, dass die Mutter morgens immer nur ein Fläschchen Milch gekocht hatte und Franzi dieses Tim über den Tag verteilt gab. „Und dann ham wir angefangen, obwohl das mir widerlich war, dem Jungen das Fläschchen soweit abzukühlen, dass das kalt war. Dann hat der das genommen. Das war mir also ganz schlimm. Aber da wussten wir wenigstens, wie wir ihn über die Runden kriegen“ (5/50-6/9).“

Ein weiteres Risiko besteht in dem Kontakt zur Herkunftsfamilie. Schon in „normalen“ Pflegeverhältnissen sind Besuchskontakte oft eine Belastungsquelle. Wenn die weitere Perspektive erst noch abgeklärt wird und die Herkunftsfamilie durch die Herausnahme sehr irritiert ist, können solche Kontakte noch schwieriger werden. Durch Fachkräfte begleitete Besuchskontakte – ggf. auch am neutralen Ort – und eine klare Organisation und Darstellung der Hilfeplanverantwortung sind notwendige Ressourcen.

Die familiale Bereitschaftsbetreuung ist als eine zeitlich eng begrenzte Betreuung konzipiert. Tatsächlich zeigen Untersuchungen aber, dass der Aufenthalt gerade der besonders jungen Kinder oft lange dauert, insbesondere wenn die Vernachlässigung der Kinder ein zentraler Grund für die Herausnahme war. So blieben viele Kinder über ein halbes Jahr in der Bereitschaftspflegefamilie, besonders, wenn sie in ihren Familien stark vernachlässigt worden waren: wenn keine Suchtprobleme vorlagen in 40,6 Prozent und mit Suchtproblemen bei weiteren 34,8 Prozent. Im zeitlichen Erleben der Kleinstkinder ist eine Dauer von mehr als 6 Monaten selbstverständlich keine vorübergehende Unterbringung. Unter solchen Bedingungen entwickeln die Kinder Bindungen (und die Erwachsenen auch) und verlieren sie wieder bei der Umplatzierung.

Gerade die relativ kostengünstige und den (anderen) kindlichen Entwicklungsbedürfnissen gerecht werdende Betreuung kann überlastete Dienste (und Gerichte) dazu verführen, lange Entscheidungs- und Klärungsphasen zuzulassen. Bevor ich die Handlungsmöglichkeiten Sozialer Dienste skizziere, Diskontinuität einzuschränken, können wir zusammenfassen: Die familiale Bereitschaftsbetreuung kann ein sehr guter pädagogischer Ort für die Kleinstkinder sein, wenn (1) die Pflegefamilien so vorbereitet und begleitet werden, dass sie auch sehr belastende Situationen bewältigen können; wenn (2) sie auch bei den Kontakten zur Herkunftsfamilie unterstützt werden und wenn (3) die Bereitschaftsbetreuung nicht allmählich in eine nicht-intendierte Dauerpflege übergeht und (weitere) Beziehungsabbrüche vorprogrammiert werden.

Kontinuität als unverzichtbare Bedingung guter Entwicklung
Das zentrale Risiko für Kleinstkinder in Pflegefamilien ist für Außenstehende relativ unsichtbar. Die nicht beabsichtigte aber intensive Produktion von Diskontinuität. Weil ständige Ortswechsel und Beziehungsabbrüche einen extrem negativen Einfluss auf die Entwicklungschancen der Kinder haben, soll dies nun etwas ausführlicher skizziert werden.

Das am Anfang skizzierte Szenario setzt voraus: das Kleinstkind ist derzeit an einem sicheren Ort. Für die Sozialen Dienste – insbesondere den Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) – ist damit ein erster Abschluss einer Interventionsphase erreicht. Oft steht die/der ASD-Mitarbeiter(in) jetzt in anderen heiklen Fällen unter Entscheidungs- und Handlungsdruck, während dieses Kind jetzt in Sicherheit ist. Das ist – insbesondere bei dem extremen Zeitdruck unter dem viele ASD´s arbeiten – verständlich, vielleicht auch unvermeidbar. Aber es führt leicht dazu, dass auf Kontinuität ausgerichtete Planungsprozesse für das Kleinstkind nun vernachlässigt werden. Denn diese sind oft sehr zeitaufwendig – insbesondere wegen der Kommunikationserfordernisse mit vielen Menschen im Umfeld des Kindes, mit anderen Einrichtungen und Diensten und nicht zuletzt mit der Justiz. Nach der oft dramatischen Gefährdung der Entwicklungsbedingungen des Kindes bis zur Herausnahme entsteht dann ein weniger dramatisch sichtbares aber auf lange Sicht eben auch gravierendes Risiko: diskontinuierliche Lebensverhältnisse.

Joseph Goldstein, Anna Freud und Albert Solnit (1982: 43) haben ihre Ergebnisse unaufgeregt so zusammengefasst:„Unsere Kenntnisse belegen, dass kein Kind für unbestimmte Zeit – bis abwesende Eltern in der Lage und willens sind, es zurückzuholen – „auf Eis“ gelegt werden kann, ohne dass seine Gesundheit und sein Wohlsein gefährdet werden.“ In der Forschung zu Biografien von Pflegekindern (Wolf & Reimer 2008) stoßen wir immer wieder auf extreme Beispiele von Diskontinuität: Kinder haben schon bis zu ihrem zehnten Lebensjahr ganze Serien an Ortswechseln und Beziehungsabbrüchen erfahren. Wir können die Entwicklungschancen von Kindern auf Dauer kaum wirkungsvoller ruinieren als durch eine solche Praxis. Das ist insbesondere durch die Bindungsforschung unzweifelhaft belegt (eindrucksvoll im Lehrbuch von Grossmann und Grossmann 2005 zusammengefasst).

Soziale Dienste und Gerichte sind dann an der Produktion von Persönlichkeitsmerkmalen beteiligt, die den Kindern später als Störungen zugeschrieben werden: alle möglichen Beziehungs- und Bindungsstörungen. Tatsächlich kann das Verhalten der Kinder und – in ihrer weiteren Biografie – auch der Jugendlichen und Erwachsenen als Strategie verstanden werden, um in Verhältnissen ständiger Ungewissheit, fehlender Treue in der Betreuung und wiederholten Umplatzierungsexperimenten überleben zu können. Deswegen ist Kontinuität eine unverzichtbare Bedingung guter Entwicklung und Diskontinuität ist eine zentrale Belastungsquelle.

Selbst dort, wo von älteren Kindern sichere Bindungserfahrungen nur noch sehr begrenzt nachgeholt werden können, ist Stabilität und Kontinuität eine Voraussetzung für dichte emotionale Beziehungen, und in der Entwicklungsperspektive sind viele Kompetenzen an den bekannten Ort mit bekannten Alltagsstrukturen gekoppelt: ständiges, von außen erzwungenes Neuorientieren bindet Kapazitäten, die für die Lösung anderer Entwicklungsaufgaben fehlen. Auch wenn das Bedürfnis nach sicheren Bindungen nicht mehr uneingeschränkt beantwortet werden kann, wird schon das Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Berechenbarkeit verletzt und das Bedürfnis nach freundlicher Interaktion wird nur bei relativer Kontinuität wirksam beantwortet.

Andererseits ist Kontinuität kein absolutes Ziel, es kann gute Gründe für einen Ortswechsel und auch gute Gründe für Beziehungsabbrüche geben, zum Beispiel weil sonst das Überleben des Kindes gefährdet wäre. Betrachten wir die Risiken und Chancen im Zusammenspiel, können wir festhalten: Aus pädagogischer Sicht können, – aber auch: müssen – Ortswechsel und Beziehungsabbrüche legitimiert werden. Es geht um das Abwägen von möglichen Schäden und Belastungen für das Kind einerseits und seinen Entwicklungschancen andererseits.

Auf einem Fachtag an der Universität Siegen (www.uni-siegen.de/pflegekinder-forschung/veranstaltungen.html) haben wir die Fragen, die bei der notwendigen Abwägung zu beantwortet sind, so aufgeschlüsselt:
– Werden die Risiken und Chancen des Verbleibens im bisherigen Lebens- und Lernfeld realistisch eingeschätzt und angemessen berücksichtigt?
– Werden die Chancen und zusätzlichen Belastungen im alternativen Lebens- und Lernfeld realistisch eingeschätzt und angemessen berücksichtigt?
– Werden beide Einschätzungen angemessen verglichen und die Belastungen im Übergang bei der Entscheidung berücksichtigt?
– Werden die Kinder ihrem Alter entsprechend an den Entscheidungen beteiligt?
– Werden Planungen und Aktivitäten entwickelt, um die Nachteile und zusätzlichen Belastungen, die aus den Entscheidungen resultieren, zu minimieren?
– Werden Planungen und Aktivitäten entwickelt, (weitere) Beziehungsabbrüche zu verhindern?

In den Interviews mit ehemaligen Pflegekindern werden ständige Ortswechsel – wie auch die geringe Partizipation der Kinder und die Geschwistertrennung – als herausragende Belastungen und Leidensquelle deutlich. In der Praxis der Pflegekinderdienste gibt es einen teilweise vehement geführten Streit darüber, wie sinnvoll Rückführungen in die Herkunftsfamilie sind. Die Forschungsgruppe Pflegekinder an der Universität Siegen wirbt für die Durchführung einer repräsentativen empirische Untersuchung, die seriöse Daten über den Erfolg und Misserfolg der Rückführungen vorlegt und die Faktoren herausarbeitet, die den Erfolg stark beeinflussen. Dann wissen wir genauer, was wir tun (sollten).

Die Literaturangaben sind über die Geschäftsstelle erhältlich.

Dr. Klaus Wolf ist Professor für Sozialpädagogik am Fachbereich Erziehungswissenschaft/Psychologie der Universität Siegen.