Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Verfahrensgestaltung interdisziplinär

Das am 1. September 2009 in Kraft tretende neue Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit (FamFG) legt nicht nur für Eltern, Kinder und Richter(innen), sondern ebenso für Anwälte, das Jugendamt, Verfahrensbeistände, Sachverständige und Beratungsstellen neue Regeln für Verfahren vor Gericht fest. Um sich in dem komplexen Regelungswerk zurechtzufinden, braucht es einen praxisnahen und interdisziplinär handhabbaren Kommentar.

Dass ein solcher fundierter Praxiskommentar bereits einige Wochen vor Inkrafttreten des neuen FamFG vorliegt, ist das Verdienst eines kompetenten und interdisziplinär zusammengesetzten Autor(inn)enteams, dem zwei Rechtsanwältinnen (Edith Kindermann und Ingeborg Rakete-Dombek), ein OLG-Richter (Fritz Finke), eine Amtsgerichtsdirektorin und Familienrichterin (Birgit Niepmann), zwei familienpsychologische Sachverständige (Dr. Rainer Balloff und Dr. Manuela Stötzel) sowie ein Jurist aus einem Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (Dr. Thomas Meysen, zugleich Herausgeber des Kommentars) angehören. Ausführlich, übersichtlich und gut verständlich werden in dem umfassenden Werk sowohl die in „Allgemeiner Teil“ als auch in „Verfahren über Familiensachen“ niedergelegten Normen nach einem einheitlichen Schema dargestellt, kommentiert und zu anderen Vorschriften in Beziehung gesetzt. Hilfreich für die Praxis sind die auch auf der CD-ROM enthaltenen Ablaufdiagramme, Checklisten und Übersichten.
Besonders gelungen ist die in einem eigenen Kapitel enthaltene und der Kommentierung voraus gestellte Darstellung sämtlicher Akteure im familiengerichtlichen Verfahren. Dies trägt der Tatsache Rechnung, dass angesichts einer wachsenden Vielfalt der in familiengerichtlichen Angelegenheiten tätigen Akteure eine professionelle Eigenschaft unverzichtbar ist und immer mehr an Bedeutung gewinnt: die Fähigkeit zu Rollenklarheit und wechselseitigem Respekt vor der Rolle des jeweils anderen.

Jörg Maywald

Thomas Meysen (Hrsg.)
Das Familienverfahrensrecht – FamFG
Praxiskommentar mit Einführung, Erläuterung, Arbeitshilfen
mit CD-ROM
Bundesanzeiger Verlag 2009
754 Seiten
74,00 €

Kinderschutz: sachlich und ohne Schuldvorwürfe

Kinderschutz in der Kita ist mehr als nur ein persönliches Anliegen der Erzieher(innen) in den Kindertageseinrichtungen: Seit Oktober 2005 verpflichtet sie der § 8a SGB VIII, den „Schutzauftrag wahrzunehmen“ und bei Hinweisen auf eine Kindeswohlgefährdung aktiv zu werden. Aber was müssen Erzieher(innen) wissen, was müssen sie tun und was genau bedeutet das für ihren Alltag in der Kita?

Auf diese und andere Fragen gibt Jörg Maywald mit „Kinderschutz in der Kita“ Antworten. Das Buch greift entscheidende Fragen zum Thema Kindeswohlgefährdung auf und gibt konkrete Anregungen zum Handeln in diesem schwierigen Feld. Es informiert über die verschiedenen Formen der Kindeswohlgefährdung und gibt Hinweise, wie Erzieher(innen) diese frühzeitig erkennen und professionell reagieren können. Der Autor ermuntert oder ermahnt die Erzieher(innen), den Eltern sachlich und ohne Schuldvorwürfe zu begegnen – nur so können sie Zugang zu den Eltern bekommen und diese wenn nötig motivieren, Hilfen anzunehmen, die geeignet sind, die Gefährdungssituation für das Kind zu beenden. Darüber hinaus macht Jörg Maywald den Zusammenhang zwischen Kinderschutz und Kinderrechten deutlich. Außerdem enthält das Buch Hinweise für eine wirkungsvolle Prävention. „Kinderschutz in der Kita“ ist nicht nur ein ausgezeichneter Leitfaden für die Praxis, sondern auch ein Plädoyer für starke Eltern und starke Kinder.

Irene Johns

Jörg Maywald
Kinderschutz in der Kita
Herder Verlag 2009
176 Seiten
14,95 €