Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Die Kinderzeichnung als Weg zur Erlebnis- und Phantasiewelt des Kindes

Wie können Kinder zum Zeichnen angeregt werden? Was möchte das Kind von seiner Sicht auf die Welt mitteilen? Kann man von der Kinderzeichnung auf den Entwicklungsstand eines Kindes schließen?

Die Psychologin Christa Seidel gibt in einer umfassenden, theoretisch fundierten Darstellung unter dem Titel „Leitlinien zur Interpretation der Kinderzeichnung“ einen Überblick über entwicklungspsychologische und kunstpädagogische Grundlagen des kindlichen Zeichenprozesses.
Mit Hilfe des eigenen Einsatzes von Kinderzeichnungen in der psychologischen Diagnostik, Therapie und Beratung hat die Autorin klar gegliederte Leitlinien zur Interpretation von Kinderzeichnungen unter Berücksichtigung diverser anderer psychologischer Schulen entwickelt. Dabei macht sie deutlich, dass die Interpretation psychodiagnostische und therapeutische Verfahren unterstützen, diese jedoch nicht ersetzen kann.
Die Interpretation der Kinderzeichnung kann – mit Sachverstand und Einfühlungsvermögen durchgeführt – zur inneren Welt des Kindes führen. Es lässt sich aber auch Aufschluss über das soziale Umfeld und die kulturellen Hintergründe gewinnen. Dies erläutert Christa Seidel anhand von erfolgreichen Langzeit-Therapien von entwicklungsgestörten oder verhaltensauffälligen Kindern, die sie aus Sicht der Eltern, der Therapeuten zum Teil aber auch der erwachsenen Betroffenen selbst rückblickend beleuchtet.
Das Buch regt dazu an, Kinderzeichnungen genau und detailliert zu betrachten und somit auch die Kinder selbst genauer zu beobachten.
Das mit zahlreichen Fallbeispiele und Abbildungen ausgestattete Fachbuch ist gut verständlich und eignet sich für alle Berufsgruppen, die mit Kindern arbeiten, und für Eltern mit Interesse am Thema. Es informiert, gibt Hilfestellung und ermutigt. Ein Buch für Herz und Verstand.

Sabine Beckmann

Christa Seidel
Leitlinien zur Interpretation der Kinderzeichnung.
Praxisbezogene Anwendung in Diagnostik, Beratung, Förderung und Therapie.
Journal Verlag, Lienz in Osttirol, 2007
890 Seiten
48,00 €

Eintauchen in die Welt der Farben und Formen

Henri Matisse wurde 1869 in Nordfrankreich geboren und entschließt sich, nach einem Versuch eine juristische Laufbahn einzuschlagen, Maler zu werden. Seine Kunstwerke zeichnen sich aus durch die Verwendung kräftiger, bunter Farben und einfacher Formen. Als Motive dienen ihm häufig Pflanzen, Blumen und verspielte Muster. Neben Zeichnungen und Gemälden arbeitet er viel mit Scherenschnitten und hatte im Alter von 77 Jahren die Möglichkeit, einen ganzen Raum mit all seinen Ausstattungen zu gestalten: die Rosenkranzkapelle im südfranzösischen Vence. Im Alter von 84 Jahren stirbt Matisse in seinem langjährigen Wohnsitz Nizza.

Ausgehend von diesen Eckdaten gelingt es der Museumspädagogin und Kunsthistorikerin Britta Benke in ihrem Buch „Wer ist eigentlich dieser Matisse?“ durch kindgerechte Beschreibungen seiner Bilder und gezielte Fragestellungen Leser(innen) ab sechs Jahren mit dem Leben und Werk des Künstlers vertraut zu machen. Kenntnisreiche Hinweise zu den verwendeten Farben und Formen, zum Aufbau sowie verschiedenen Techniken laden ein zur bewussten Wahrnehmung und regen an zur eigenen aktiven Erkundung der qualitativ hochwertig gedruckten Abbildungen. So wird der Zauber der Farbenwelt und die Freude Matisse’ an der Schönheit der Dinge spürbar und macht das Buch zu einem Genuss. Vorschläge zu eigenen kreativen Umsetzungen in einem kleinen Workshop-Teil und eine Auflistung von Museen, in denen die Werke von Matisse ausgestellt sind, machen Lust auf mehr.

Marita Salewski

Britta Benke
Wer ist eigentlich dieser Matisse?
Kinder entdecken Kunst
Kindermann Verlag Berlin, 2007
44 Seiten
15,50 €