Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Kinder sind von Geburt an kreativ. Neugierig nehmen sie ihre Umgebung wahr und verändern die äußere Wirklichkeit nach ihren eigenen Vorstellungen. Im vielfältigen Umgang mit Materialien kommt ihre ursprüngliche Lust am Gestalten zum Ausdruck. Auf diese Weise machen sie sich ein Bild von der Welt und erfinden diese zugleich immer wieder neu.

Voraussetzungen für die Entfaltung von Kreativität sind der zweckfreie Umgang mit Stoffen und die freie Entfaltung der Phantasie. Auch ein gewisses Maß an Langeweile fördert die schöpferische Umwandlung des Bestehenden. Kreatives Gestalten ist oft nicht leicht vom Spiel zu trennen. Anders als beim Spiel jedoch bauen viele Formen der Kreativität auf die Bewältigung des Materials auf. Während sich das Spiel oft gänzlich von der Wirklichkeit entfernt, erfolgt das kreative Gestalten anhand vorgegebener Materialien. Dabei nutzen Kinder alles, was sich ihnen gerade bietet.

Kindern früh die Begegnung mit bildender Kunst, Musik und Theater zu ermöglichen, ist Teil ganzheitlicher Bildung. Kinder brauchen vielfältige sinnliche Erfahrungsmöglichkeiten, in der Familie ebenso wie in Kindertageseinrichtungen. Sie sollten Gelegenheit erhalten, ausgiebig mit möglichst vielen unterschiedlichen Materialien zu experi-mentieren. Dabei ist nicht die Produktion „schöner“ Ergebnisse das Ziel. In erster Linie geht es um die Differenzierung ihrer Wahrnehmung und die kreative Auseinandersetzung mit der Welt.

Wie andere Lernbereiche auch, bedarf die ästhetische Bildung beständiger Anregung und Förderung. Neben ungestalteten Frei- und Spielräumen sind kompetente Anleitung und Hinführung zu Material und Techniken seiner Bearbeitung notwendig. Insofern hat Kreativität auch mit handwerklicher Kompetenz, Lernbereit-schaft und Durchhaltevermögen zu tun. Um Kinder ästhetisch zu bilden und an Kulturtechniken heranzuführen, sind Gestaltungs-projekte im Alltag ebenso förderlich wie die Begegnung mit Künst-lern und der Besuch in Museum oder Theater.

Bereits zum vierten Mal schreibt die Deutsche Liga für das Kind den Präventionspreis Frühe Kindheit aus. Ausgezeichnet werden wissenschaftliche Leistungen oder praxisbezogene Projekte, die sich die Förderung der seelischen Gesundheit und der Rechte der Kinder in den ersten Lebensjahren (null bis sechs Jahre) zur Aufgabe gemacht haben und deren Ergebnisse eine wegweisende oder beispielgebende Funktion erwarten lassen. Das Thema des Präventionspreises 2009 lautet: „Für die Jüngsten das Beste. Pädagogische Qualität in Krippe und Kindertagespflege“. Das Preisgeld beträgt 5.000,- Euro. Bewerbungsschluss ist der 31. März 2009.

Mit herzlichen Grüßen

Prof. Dr. Franz Resch, Präsident der Deutschen Liga für das Kind
Dr. Jörg Maywald, Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind