Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Die Kinder haben Tula und Tim in ihr Herz geschlossen

Erfolgreicher Verlauf der bundesweiten Umsetzung des Programms Kindergarten plus

von Jörg Maywald

Im Kindergartenjahr 2004/2005 wurde das Bildungsprogramm Kindergarten plus erstmals bundesweit in mehr als 80 Kindergartengruppen erfolgreich umgesetzt. Kindergarten plus ist ein Programm zur Förderung der emotionalen und sozialen Fähigkeiten vier- bis fünfjähriger Kinder in Kindertageseinrichtungen. Das von der Deutschen Liga für das Kind entwickelte Programm besteht aus neun Bausteinen (Modulen), die in einer extra dafür zusammengestellten Gruppe im Zeitraum etwa eines halben Jahres durchgeführt werden.

Handpuppen als „Türöffner“

Die Kinder verbinden mit Kindergarten plus in erster Linie die beiden Handpuppen Tula und Tim. Als Spiel- und Identifikationsfiguren zeigen sie ihnen, dass über Gefühle gesprochen werden kann und dass sich auch in schwierigen Situationen Lösungen finden lassen. Sie regen die Kinder an, selbst über ihre Gefühle zu sprechen und sich mit anderen darüber auszutauschen. Am Ende eines Moduls erhält jedes Kind eine so genannte Gefühlsperle. Im Verlauf des Programms ergänzen sich diese Perlen zu einer kleinen Gefühlskette, mit der die Kinder an ihre neuen Erfahrungen erinnert werden.

Neben den Handpuppen sind Gesprächskreise, Bewegungsspiele, kreative Elemente und das Singen von Kinderliedern (siehe nebenstehender Bericht) wichtige Bestandteile der Module, bei denen es um die Themen „Körper“, „Sinne“, „Gefühle“, „Angst und Mut“, „Wut und Freude“, „Traurigkeit und Glück“ sowie „Kommunikation“, „Grenzen“ und „Identität“ geht. Eine erste Auswertung der Rückmeldebögen zeigt, dass die Kinder in der Lage sind, das neu Gelernte auch auf andere Situationen anzuwenden.

Die Eltern werden auf dem Laufenden gehalten

Die Eltern der an dem Programm beteiligten Kinder werden durch schriftliche Informationen (Elternbriefe) parallel zur Durchführung der Module auf dem Laufenden gehalten. Auf Elternabenden vor Beginn und am Ende des Programms tauschen sie sich über die Entwicklungen der Kinder aus. Besonders wertschätzend wird erlebt, dass alle Eltern eine CD mit den Liedern von Kindergarten plus erhalten.

Neue Herausforderungen für die Erzieher(innen)

Für viele Erzieher(innen) ist es eine besondere Herausforderung, Kindergarten plus mit einer ihnen zunächst fremden Kindergruppe durchzuführen. Manche nehmen dafür Fahrwege in benachbarte Kindergärten in Kauf, andere führen das Programm im Austausch mit einer zweiten Gruppe ihrer Einrichtung durch.

Lions Clubs übernehmen Patenschaften vor Ort

Rund 20 Lions Clubs haben Patenschaften für die Durchführung von Kindergarten plus vor Ort übernommen. Zusätzliche Mittel wurden u.a. von Kommunen, Kirchengemeinden, Krankenkassen und Elternvereinigungen zur Verfügung gestellt. Das Programm wird bisher in acht Bundesländern in etwa 60 Kindertageseinrichtungen in mehr als 80 Gruppen durchgeführt. Rund 200 Erzieher(innen) haben an den Fortbildungen teilgenommen. Mehr als 1.000 Kinder und ihre Eltern profitieren von dem Programm. Zahlreiche weitere Orte sind in Planung.

Ausblick

Noch in diesem Jahr ist vorgesehen, einen Dokumentationsfilm über Kindergarten plus herzustellen. Außerdem soll eine Kurzinformation in den wichtigsten Sprachen herausgegeben werden, mit der auch nicht deutsch sprechende Eltern erreicht und über die Grundlagen des Programms informiert werden. Bei einer weiteren Verbreitung des Programms ist geplant, in den Bundesländern regionale Koordinator(inn)en einzusetzen, über die u.a. die Fortbildungen vor Ort durchgeführt werden.

Dr. Jörg Maywald ist Geschäftsführer der Deutschen Liga für das Kind und Ansprechpartner für das Programm Kindergarten plus.

Deutsche Liga für das Kind
Chausseestr. 17, 10115 Berlin
Tel.: 030-28 59 99 70
E-Mail: post [at] liga-kind.de
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