Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Rezensionen

Frühe Risiken und frühe Hilfen

Was bedeutet es, wenn Säuglinge und Kleinkinder häufig schreien, nicht essen und nicht schlafen wollen, trotzig oder überängstlich sind? Wie lassen sich frühe Störungen der emotionalen Entwicklung diagnostizieren? Welche Hilfsangebote bestehen und was für Wirkungen haben diese?

„Das Schreien des Säuglings hat zwei Gesichter: Es gibt Anlass zu Zärtlichkeit und Glück oder aber zu Hilflosigkeit und Wut; es wirkt als bindungsstiftendes Signal oder aber als ein bindungsgefährdender Auslöser von Depressivität oder sogar Kindesmisshandlung.“ Was die Münchner Herausgebergruppe um Mechthild Papoušek hier beschreibt, spiegelt das Erfahrungswissen wohl der meisten Eltern wider. Unter dem Stichwort der „frühkindlichen Regulationsstörungen“ nimmt die Diskussion über frühe Gefährdungen der Eltern-Kind-Bindung und die Chancen früher Hilfen seit einigen Jahren auch in Fachkreisen breiten Raum ein. Was bislang allerdings fehlte, war eine Zusammenfassung der verstreuten Ergebnisse aus Beobachtung und wissenschaftlicher Analyse.

Diese Lücke ist nun geschlossen worden. Vor dem Hintergrund der zwölfjährigen diagnostischen und therapeutischen Erfahrungen aus der Münchner Sprechstunde für Schreibabys vermitteln namhafte Autore(inne)n aktuelle Konzepte und Kenntnisse über Entstehungsbedingungen, Entwicklungsdynamik und Langzeitprognosen der unterschiedlichen Störungsbilder. Entstanden ist ein für Praktiker wie Forscher gleichermaßen unentbehrliches und wegweisendes Lehr- und Handbuch zu den wichtigsten Störungen der frühkindlichen Verhaltensregulation und der emotionalen Entwicklung in den ersten Lebensjahren.

Dr. Jörg Maywald

Mechthild Papoušek, Michael Schieche, Harald Wurmser (Hg.)
Regulationsstörungen der frühen Kindheit
Frühe Risiken und Hilfen im Entwicklungskontext
der Eltern-Kind-Beziehungen

Bern 2004, 408 Seiten
39,95 Euro

Wie der Zauber des Zusammenspiels gelingen kann

Nach der Geburt muss ein Säugling sich langsam an seine neue Umgebung gewöhnen und sich zurecht finden in der Welt. Die Natur hat es so eingerichtet, dass sowohl das Baby als auch die Eltern spezifische Fähigkeiten und intuitive Verhaltensweisen besitzen, die diesen Übergang erleichtern, eine gesunde Entwicklung des Kindes fördern und Bindungen entstehen lassen.

„Das Gesicht von Mama oder Papa ist das Aufregendste, was einem Baby in den ersten Monaten begegnen kann.“ Mauri Fries, Psychologin und deutsche Vorsitzende der Deutschsprachigen Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit e.V. (GAIMH), vermittelt in ihrem Elternbuch anschaulich und einfühlsam den Prozess des Sich-Abstimmens zwischen Kind und Eltern und geht ausführlich auf die Schnittstellen der menschlichen Begegnungen ein.

Entwicklungspsychologische Hintergründe, Funktion und Ursachen des Schreiens sowie praktische Anleitungen werden aufgezeigt und machen das Buch zu einer lohnenswerten Lektüre für alle Eltern, insbesondere aber für die, deren Beziehungsaufnahme durch scheinbar unstillbares Schreien ihres Babys erschwert wird. Das Buch stärkt die Eltern und macht Mut, sich in schwierigen Zeiten Hilfe zu suchen, denn es steht viel auf dem Zusammen-Spiel.

Marita Salewski

Mauri Fries
Unser Baby schreit Tag und Nacht.
Hilfen für erschöpfte Eltern.

München 2002, 130 Seiten
9,90 Euro