Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Mütterzentren – Frauen auf neuen Wegen

Für viele Frauen bedeutet ein Kind nicht nur Bereicherung und neue Verantwortung. In der Regel müssen Mütter ihren Beruf aufgeben, meist für mehrere Jahre. Gleichzeitig steigen die finanziellen Belastungen der Familie. Als besonders belastend erleben gerade jüngere Mütter den Verlust sozialer Bezüge und gesellschaftlicher Anerkennung. Beides geht mit der Erwerbstätigkeit verloren. Häuslicher Bereich und Beruf gelten weithin nicht als gleichwertig.

Mütter sind mehr oder weniger ans Haus gebunden, für neue Kontakte gibt es kaum Gelegenheit, es fehlen Anknüpfungspunkte. Traditionelle Netze wie Familienverband oder Nachbarschaft lösen sich mehr und mehr auf.

Offene Zentren für Mütter

Ausgrenzung als Preis für Kinder? Eine zeitgemäße Form nachbarschaftlicher Selbsthilfeprojekte öffnet Müttern einen Weg aus Isolation und Autonomieverlust: die Mütterzentren. Sie sind offene Treffpunkte für Mütter und Frauen ohne Kinder, die von ihren Nutzerinnen selbst gestaltet und verwaltet werden. Mütterzentren sind für alle Frauen offen, unabhängig von religiösen oder politischen Anschauungen und sozialer Herkunft.

Die „Idee“ Mütterzentrum wurde im Rahmen eines Forschungsprojekts des Deutschen Jugendinstituts entwickelt. Das Bundesfamilienministerium förderte die ersten drei Zentren in Salzgitter-Bad, München-Neuaubing und Darmstadt als Modellprojekte. Inzwischen existieren rund 300 Mütterzentren und Initiativen in den alten und 25 in den neuen Bundesländern.

Mehr als ein Treffpunkt

Mütterzentren sind in erster Linie ein Forum für Kommunikation und Erfahrungsaustausch. Sie haben sich aber auch als Anlaufstellen in Krisen- und Konfliktsituationen bewährt. Mit ihrer unkonventionellen Art der Beratung, die dort einsetzt, wo professionelle Einrichtungen noch nicht wirksam werden, wird von den Frauen in Mütterzentren viel soziale Arbeit erbracht, ohne daß sie im klassischen Sinn Sozialarbeit leisten.

Hilfe zur Selbsthilfe bedeutet im Mütterzentrum: Anerkennung der Kompetenzen, gegenseitige Ermutigung zu Aktivität, Stärkung des Selbstbewußtseins und des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten. Mütterzentren erbringen nachbarschaftliche Dienstleistungen und Entlastungsangebote für Familien, die soziale Zusammenhänge im Stadtteil neu beleben. Das Mütterzentrum ermöglicht es den Frauen, ein gemeinsames Bewußtsein ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen zu entwickeln. Hier hört man einander zu, weil die gleiche Lebenssituation und ähnliche Probleme miteinander verbinden.

Leben mit Kindern

Im Mütterzentrum sind die Kinder ebenso selbstverständlich anwesend wie die Mütter selbst. Keine Frau muß sich hier für Belästigung entschuldigen. Beim zwanglosen Gespräch über Erziehungsfragen findet in der offenen Kaffeestube die unmittelbarste Beratung statt, die man sich nur denken kann. Frauen mit schwerwiegenden Problemen und Ängsten vor professioneller Beratung werden ermuntert, bekommen die entsprechenden Adressen und Begleitung.

Für die Kinder ist ein Mütterzentrum im Zeitalter des Einzelkindes besonders wertvoll. Hier finden sie Spielkameraden, mit denen sie geschwisterliche Erfahrungen machen können. Jüngere lernen von Älteren; Ältere lernen, auf Jüngere Rücksicht zu nehmen. Außerdem finden sie in anderen Erwachsenen Bezugspersonen und erleben vor allem ihre Mütter in anderen gesellschaftlichen Rollen.

Mütterzentren Bundesverband e.V.
Geschäftsstelle
Müggenkampstr. 30a, 20257 Hamburg
Tel.: 040 – 40 17 06 06
http://muetterzentren-bv.de/