Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Verhaltensweisen richtig deuten und Auffälligkeiten behandeln

Bindungsstörungen sind oft ein Grund für Verhaltensauffälligkeiten. Auf welche Weise beeinflussen Erwachsene ihr eigenes Kind? Wie spiegeln sich innere Ängste in der Erziehung wieder? Wann ist das Kind auffällig? Welche Behandlungsmethoden gibt es? Wann ist ein Kind reif für die Krippe?

Diese und andere Fragen behandelt die Pädagogin und Psychoanalytikerin Éva Hédervári-Heller in ihrem Buch: „Emotionen und Bindung bei Kleinkindern: Entwicklung verstehen und Störungen behandeln“. Anhand neuester Forschungserkenntnisse werden die Entwicklungsprozesse des Kindes zwischen null und drei Jahren erläutert. Unumstritten ist, dass eine sichere Bindung zwischen Kind und Bezugsperson eine notwendige Bedingung für die gesunde Entwicklung darstellt. Thematisiert werden die Voraussetzungen für eine sichere Bindung, Merkmale von Bindungsstörungen und deren Folgen, mögliche psychische Erkrankungen der Mutter sowie soziale und biologische Risikofaktoren. Daran schließt sich ein Überblick über verschiedene Behandlungsmethoden an. Aus erster Hand – die Autorin ist Mitbegründerin des Berliner Eingewöhnungsmodells – werden abschließend die wichtigsten Punkte für eine gelingende Eingewöhnung in frühe Tagesbetreuung vorgestellt. Insgesamt ist ein Handbuch für Fachleute entstanden, dem es gelingt, trotz der Fülle von Informationen den Blick für das Wesentliche zu bewahren.

Alexandra Köpp

Éva Hédervári-Heller
Emotionen und Bindung bei Kleinkindern
Entwicklung verstehen und Störungen behandeln
BELTZ Verlag 2011
173 Seiten
24,95 €

Frühe Hilfen interdisziplinär

Der alarmierende Zuwachs an Kindeswohlgefährdungen aufgrund von Armut, Vernachlässigung, Misshandlung oder sexuellen Missbrauch erfährt seit Jahren nicht nur in der Fachwelt, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit hohe Beachtung. Der Sammelband enthält Beiträge aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen zum Thema frühe Risiken und frühe Hilfen. Die Autor(inn)en plädieren für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Das Buch gliedert sich in zwei Bereiche. Im ersten Teil werden auf einer breiten Basis Frühe Risiken auf theoretischer Ebene vorgestellt und Ergebnisse aus der empirischen Forschung präsentiert. Risiken für Kinder sozial benachteiligter Familien, aufgrund von Armut sowie Risiken im Zusammenhang mit geistiger, emotionaler und psychosozialer Entwicklung werden behandelt. Im zweiten Teil erfährt der Leser von einer Vielzahl an Maßnahmen früher Hilfen, die in Deutschland und der Schweiz Anwendung finden.
Der eindeutige Gewinn dieses Sammelbandes liegt in den umfangreichen Informationen, die der Leser im Hinblick auf Frühe Risiken und Frühe Hilfen theoretisch, wissenschaftlich und bezüglich der praktischen Umsetzung erhält. Das Lesen lohnt sich für alle, die sich um die Belange von jungen Kindern kümmern.

Prof. Dr. Éva Hédervári-Heller

Rüdiger Kißgen und Norbert Heinen (Hrsg.)
Frühe Risiken und frühe Hilfen
Grundlagen, Diagnostik, Prävention
Klett-Cotta 2010
293 Seiten
34,90 €(plus Arbeitsbuch 14,90 €)