Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

BabyCare

Für eine gesunde Schwangerschaft

Von Susanne Felkel

Rund 660.000 Kinder werden jährlich in Deutschland geboren. Neun Prozent der Neugeborenen wiegen unter 2.500 Gramm, von diesen kommt der Großteil vor der abgeschlossenen 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Die Frühgeburt stellt das zentrale Problem in der Geburtshilfe dar. So sind national und international steigende Frühgeburtenraten zu verzeichnen. Vor allem das steigende Alter der Schwangeren, die ihr erstes Kind zur Welt bringen, aber auch medizinische Interventionen und die zunehmenden, erfolgreichen Kinderwunschbehandlungen spielen dabei eine Rolle.

Nicht wenige dieser Frühgeburten leiden ein Leben lang überdurchschnittlich häufig an Krankheiten und Behinderungen im Vergleich zu normal ausgetragenen Kindern. Ein bis zwei Prozent der Neugeborenen weisen Fehlbildungen des Nervensystems auf (vgl. Friese et al 2009). Das allgemeine Risiko des Kindes, im ersten Lebensjahr zu sterben, liegt 2009 in Deutschland bei 3,5 auf 1000 Lebendgeburten (vgl. Statistisches Bundesamt 2009). Diese Risiken sind einerseits auf einem historischen Tiefstand angekommen, andererseits aber sinkt die Rate gewisser Komplikationen, wie zum Beispiel vorzeitige Wehen, Geburt von Kindern mit Fehlbildungen oder Fehlgeburten in den ersten zwölf Wochen, seit Jahren nicht mehr. Die Gründe hierfür liegen unter anderem in der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung, wie zum Beispiel dem Alter der Frau, dem Zigarettenkonsum, der Medikamenteneinnahme und der Ernährung.

Diese Risikofaktoren können nicht allein durch medizinische Maßnahmen vermindert werden – viele sind intervenierbar oder prävenierbar – die Verantwortung liegt hier bei jeder Schwangeren selbst. Nur Änderungen des persönlichen Verhaltens, des Lifestyle und die Einstellung der werdenden Mütter können zu Verbesserungen bzw. Veränderungen führen.

Frühgeburten stellen also nicht nur das häufigste Problem in der Geburtshilfe dar, sie verursachen außerdem viel menschliches Leid und Mehrkosten von mindestens ca. 10.000 Euro allein bei der Geburt und in den ersten Lebenstagen des Kindes im Vergleich zu Termingeburten. Die Gesamtkosten der Frühgeburten zum Beispiel im ersten Lebensjahr der Kinder sind noch um ein Vielfaches höher.

Vor diesem Hintergrund und um einen komplikationsfreien Schwangerschaftsverlauf zu unterstützen, entwickelten erfahrene Geburtshelfer, Sozialmediziner, Hebammen und Kinderärzte im Jahr 2000 das Schwangerenvorsorgeprogramm BabyCare. Dieses Programm soll Schwangere unterstützen und so unnötiges Leid und belastende Aufregungen während einer Schwangerschaft vermeiden.

BabyCare erkennt mögliche individuelle Risiken in der Schwangerschaft und vermindert durch Hinweise und Empfehlungen diese Risiken und aktiviert gleichzeitig protektive Faktoren. Neben dem allgemeinen Ziel der Verringerung von Komplikationen im Verlauf von Schwangerschaft und Geburt verfolgt BabyCare auch ein weiteres spezifisches Ziel – die Verringerung der Frühgeburtenrate.

Bestandteile des Programms
Das Programm besteht aus vier Informations-, Lern- und Handlungsschritten: (1) über alle Risiken (auch „Nichtrisiken“) gut, wissenschaftlich gesichert informiert zu sein;
(2) allgemeine Verhaltensempfehlungen zur Verringerung bzw. Vermeidung der Risiken zu
erhalten, Ressourcen bzw. gesundheitliche Potentiale in der Schwangerschaft zu aktivieren;
(3) den eigenen Gesundheitsstatus und mögliche Risiken zu kennen;
(4) und persönliche Verhaltensempfehlungen vermittelt zu bekommen.

Das Oberziel ist, die Schwangere sicherer zu machen. Denn besonders Frauen, die das erste Mal schwanger sind, haben erfahrungsgemäß viele Ängste und lernen mit BabyCare die Komplexität der auf sie einströmenden Informationen zu reduzieren und so Wichtiges von weniger Wichtigem unterscheiden zu können.

Die zentralen Instrumente dafür sind das ausführliche Handbuch, welches in vielen Situationen eine wertvolle Entscheidungshilfe sein kann und Tipps zu einer gesunden Schwangerschaft bietet sowie der BabyCare-Fragebogen (Profil und Analyse). Die BabyCare-Rezeptbroschüre enthält viele Rezepte, die helfen, den zusätzlichen Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen während der Schwangerschaft zu decken.

Das BabyCare-Handbuch
Das Handbuch umfasst alle Aspekte, die in einer Schwangerschaft wichtig sind und informiert beispielsweise zu den Themen Stress, Ernährung, Sport, Fernreisen, Medikamenten und noch vielem mehr.

Der BabyCare-Fragebogen
Der Fragebogen gibt jeder Schwangeren die Möglichkeit, das eigene gesundheitliche Profil analysieren zu lassen. Nach Einsenden des Fragebogens erhalten die Schwangeren mit dem BabyCare-Auswertungsschreiben individuelle Tipps und eine Beratung für ihre gesunde Schwangerschaft.

Neben Fragen zur momentanen Lebenssituation (Wohnung, Arbeit, Ernährung, körperliche Aktivität, Krankheiten, Reisen) und Beratung zur Medikamenteneinnahme umfasst die Auswertung des Fragebogens auch die Analyse des 7-Tage-Ernährungsprotokolls der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Denn die meisten Frauen wissen zwar um die Notwendigkeit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung während der Schwangerschaft, aber wie es wirklich um ihre eigene individuelle Versorgung mit Mikronährstoffen und Vitaminen bestellt ist, wissen die wenigsten. Vor allem die empfohlenen Mengen an Folsäure, Jod, Calcium und Eisen können während der Schwangerschaft meist nicht allein durch eine gesunde Ernährung aufgenommen werden. So sind z. B. 70 Prozent der Schwangeren mit Folsäure deutlich unterversorgt.

Das BabyCare-Programm findet eine sehr hohe Akzeptanz bei niedergelassenen Frauenärzten, Krankenkassen und Schwangeren
Nach über zehn Jahren BabyCare gehören etwa 1.500 niedergelassene Frauenärzte in Deutschland sowie rund hundert gesetzliche Krankenversicherungen zu den Kooperationspartnern, die allesamt durch entsprechende Werbung als Vermittler von BabyCare fungieren. Auch der Berufsverband der Frauenärzte in Deutschland empfiehlt das Schwangerenvorsorgeprogramm.

BabyCare wird von den Ärzten und vor allem auch von den Schwangeren sehr positiv aufgenommen. Die kooperierenden Ärzte sehen sich durch das Handbuch, wie auch durch die individuellen Maßnahmen der Gesundheits- und Ernährungsberatung in der Schwangerenvorsorge unterstützt. Durch die Lektüre des Handbuchs und die gezielten Vorschläge zum Gesundheits- und Ernährungsverhalten sind die teilnehmenden Schwangeren aufgeklärter und der Frauenarzt kann sich auf die wenigen verbliebenen medizinischen Fragen konzentrieren.

Die Teilnehmerinnen sehen in BabyCare einen unterstützenden Begleiter in der Schwangerschaft, der nahezu keine Fragen offen lässt. Sollte dies doch der Fall sein, besteht jederzeit die Möglichkeit, Fragen an das BabyCare-Team zu stellen. 88 Prozent der Teilnehmerinnen benoten das Programm mit der Note sehr gut oder gut (vgl. Dudenhausen 2007).

Die jährliche Evaluation der Geburtsergebnisse des BabyCare-Programms zeigt eine stabile Reduktion der Frühgeburtenrate
Seit der Einführung im Jahr 2000 ist es gelungen, die Frühgeburtenrate um fast 30 Prozent bei den mehr als 150.000 BabyCare-Teilnehmerinnen – im Vergleich zu einer Kontrollgruppe – zu senken. Durch die regelmäßig durchgeführten Evaluationen auf Basis der Geburtsergebnismeldungen der teilnehmenden Frauenärzte zeigt sich ein stabiler Rückgang der Frühgeburten im Vergleich zu den Perinataldaten in Niedersachsen (Dudenhausen 2007, S. 142).

Abschließend kommen wir zu dem Ergebnis, dass durch Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsförderung, die das BabyCare-Programm umfasst, sich die Zahl der Frühgeburten signifikant senkt. Das Programm ist effektiv und auch wirtschaftlich. Der ganzheitliche Ansatz des Programms rückt die Schwangere selbst in den Mittelpunkt und hilft gezielt Probleme und Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Exkurs: Der Bedarf an Mikronährstoffen vor und während der Schwangerschaft Während der Schwangerschaft steigt beispielsweise bei Eisen der Bedarf von 15 Milligramm vor der Schwangerschaft auf nunmehr 30 Milligramm um genau 100 Prozent. Bei B6 und Folsäure liegt die Zunahme bei über 50 Prozent, bei Jod noch bei 15 Prozent. Die erhöhten Zufuhrmengen berücksichtigen den Zusatzbedarf, den Schwangere wegen der Schwangerschaft auch zur Versorgung des heranwachsenden Kindes haben.

Glücklicherweise müssen Schwangere sich nicht um alle möglichen Vitamine und Mineralstoffe Gedanken machen, denn bei der Mehrzahl der Stoffe ist – wie wir aus den Ernährungsanalysen von über 20.000 Schwangeren wissen – auch der zusätzliche Bedarf in der Schwangerschaft durch die übliche Ernährung in der Regel gut gedeckt.
Drei Stoffe verdienen dabei jedoch eine uneingeschränkte Aufmerksamkeit:
• Eisen
• Folsäure
• Jod

Auch Unterversorgungen bei Vitamin E und Calcium treten aber in Teilgruppen von Schwangeren nicht selten auf. Dies zeigt sich in der persönlichen Ernährungsanalyse.

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Susanne Felkel (M. Sc.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der FB+E Forschung, Beratung + Evaluation GmbH, Projektteam BabyCare, in Berlin.

Literatur
Friese, K., et al. (2009). Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit. Stuttgart.

Dudenhausen, J.W., et al. (2007). Präkonzeptionelle Gesundheitsberatung und Beratung zur Wahl der Geburtsklinik als weitere Instrumente zur Verringerung von Frühgeburten. Z Geburtsh Neonatol 2007; 211: 142–146.