Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Buchrezensionen

Lebens-Gefahr auf Spielplätzen

Frühere Generationen von Kindern organisierten ihre Spiele zumeist selbst an ganz alltäglichen Orten ihrer Wohnumgebung: auf Straßen, Plätzen, Höfen, auf Wiesen und an Bachläufen, in Wäldern und Feldern, auf Baustellen. Auf eigens hergerichteten Spielplätzen hielt man sich kaum oder nur sehr kurz auf, weil sie nicht viel boten und schnell langweilig wurden.

In seinem Spielplatzbuch plädiert Toni Anderfuhren dafür, sich bei der Planung von neuen Spielorten wieder an die Qualitäten der eigenen Kindheit zu erinnern und sie für unsere Kinder aufs Neue erlebbar zu machen: in einem bewussten Rahmen, der die Sinne und die Fantasie anspricht, Herausforderungen und unmittelbare Erfahrungen (z. B. von Erde, Wasser, Feuer) bietet und Raum für eigene Gestaltung und Entwicklung lässt.
Sowohl die ansprechend und verständlich geschriebenen Texte als auch die zahlreichen Bilder und Illustrationen bieten Anregungen für die Umsetzung von zündenden Ideen und öffnen Einblicke in den über 25jährigen Erfahrungsschatz Anderfuhrens als Gestalter von kindergerechten Spielräumen.
Ein Spielplatz ist nie fertig. Von Anfang an, auch schon in der Planung, befindet er sich in einem lustvollen Entstehungsprozess, in dem die Wünsche und Visionen aller beteiligten Erwachsenen und Kinder in ein realisierbares Konzept umgewandelt werden. Er sollte Kindern lebensfrohe Erfahrungen ermöglichen und ein Platz sein, auf dem die Gefahr besteht, dass Kinder hier lebendig werden!

Marita Salewski

Toni Anderfuhren
Das Spielplatzbuch
Wege zu Trauminseln der Kindheit
Mit praktischen Anleitungen und vielen Beispielen
AT Verlag Baden und München 2007
144 Seiten
23,90 €

Wenn die Enden des Lebens zusammenrücken…

Bis ins Aussehen und in die Sprache hinein teilen sehr junge und sehr alte Menschen so manche Gemeinsamkeit. Seltsam eigentlich, dass in modernen Gesellschaften Begegnungen zwischen jungen Kindern und Hochbetagten zur Ausnahme gehören. In Japan gibt es erste Versuche, die Kluft zu überbrücken.

Der Film „Lebenserwartung“ von Donate Elschenbroich und Otto Schweitzer dokumentiert, welche Formen gefunden werden können, um die Generation der (Ur-)Großeltern und die der (Ur-)Enkel in Kontakt zu bringen. Und er zeigt, dass davon beide Seiten profitieren: Die Kinder, weil sie neue Bildungspartner und manchmal sogar Spielgefährten finden, die sie an ihren Fähigkeiten teilhaben lassen, von Kuchen backen über Blumen stecken (Ikebana) bis zum Kreisel drehen. Die Alten, da sie auf ein Gegenüber treffen, das an ihrer Lebenserfahrung interessiert ist und weil die Nähe zu Kindern das beste Mittel gegen Resignation ist. Funktionieren kann die Begegnung nur, weil es Profis in Kitas und Stadtteilzentren gibt, die Strukturen anbieten, innerhalb derer sich die unterschiedlichen Rhythmen von Alt und Jung sinnvoll kreuzen.
Nicht von ungefähr wurde der Film in Japan gedreht, dem Land mit dem größten Anteil alter Menschen weltweit. Präsentiert wird eine Gesellschaft, in der die fast rund um die Uhr beschäftigte mittlere Generation kaum noch Zeit für Kinder hat. Ausgenommen von der Welt des Business bleiben die Jungen und die Alten, die manchmal sogar über mehr Zeit verfügen, als ihnen lieb ist.
Ein Film, der auch deshalb so sehenswert ist, weil er ein Stück unserer eigenen Zukunft anklingen lässt – und zugleich Projekte beschreibt, die im Land der Kirschblüte bereits Gegenwart geworden sind.

Jörg Maywald

Donata Elschenbroich und Otto Schweitzer
Lebenserwartung
Die Alten und die Kinder in Japan
DJI Filmproduktion 2009
DVD 55 Minuten
25,00 €