Zeitschrift frühe Kindheit – Archiv

Anderssein & Spielen im Labyrinth Kindermuseum Berlin

von Nikola Mirza

In seiner neuen Erlebnisausstellung „Alle anders anders“ beschäftigt sich das Labyrinth Kindermuseum Berlin mit einem Thema, das jeden Menschen angeht: dem Anderssein. Auf spielerische Art und Weise lernen Kinder von 4-11 Jahren hier Facetten des Andersseins kennen, beschäftigen sich mit Behinderungen, Vorurteilen und anderen Menschen. Ganz in der Tradition der Kindermuseen steht der Ansatz des „learning by doing“ im Vordergrund: Alle Stationen und Themen können wortwörtlich angefasst werden und erfüllen den Wunsch der Kinder, Dinge allein, aktiv und sinnlich zu erleben. Lernen und Spielen gehen dabei Hand in Hand

„Guck mal, wie die anderen sind! Dagegen sind wir doch ganz normal, oder?!“ Nicht selten verwenden wir im Alltag den Begriff „Normalsein“ als Gegenteil von „Anderssein“ – und belegen Anderssein negativ. Dabei ist jeder einzelne Mensch anders, ist etwas ganz besonderes und einzigartiges – und damit eines nicht: normal. Erst das Anderssein, die Unterschiede, machen den Reiz und die Vielfalt im Zusammenleben aus. Man mag nicht daran denken, wie langweilig eine Ehe oder eine Beziehung ohne das Anderssein wäre, denn der Umgang mit dem Anderssein erfordert Kommunikation. Der Reichtum des Andersseins will erkämpft und gepflegt werden, erfordert Nachdenken, Auseinandersetzung und Respekt, gerade weil das Anderssein, das Unbekannte, auch Ängste und Unsicherheiten auslösen kann, die dann, unbearbeitet, zu klebrigen Vorurteilen werden. Wie erklärt man Mädchen und Jungen, die am liebsten spielen wollen, das Anderssein? Klar, durch Spielen und beim Spielen. Die interaktiven Ausstellungen des Kindermuseums werden für die Lebenswelten und den unerschöpflichen Wissens- und Erfahrungsdrang der Kinder konzipiert – und in deren Welten ist das Spiel nun mal mit das allerwichtigste. Im Spiel lernen sie mit allen Sinnen Zusammenhänge begreifen, setzen sich mit Alltagsthemen und -problemen auseinander. Das Anderssein spielt dabei, unbewusst oder bewusst, eine tragende Rolle, denn täglich werden Kinder damit konfrontiert: Mein Freund baut sein Auto anders als ich, die Frau da sieht anders aus als Mutter, wieso geht der alte Mann anders und lahm, wieso sieht meine Freundin anders aus und wieso sitzt das Kind da im Rollstuhl? Fragen über Fragen häufen sich an, werden abgespeichert, machen die Kinder zugleich neugierig aber auch unsicher. Ihre Suche nach Antworten und Erklärungen zum Anderssein beginnt. Am Ende der Suche sollte Respekt und Empathie gegenüber Anderen und Anderem stehen. Die von Aktion Mensch unterstützte Ausstellung Alle anders anders widmet sich in vier thematischen Blicken dem Anderssein: Sehbehinderung, Alt-Jung, Gehörlosigkeit und die Alltäglichkeit des Andersseins. Alle Sujets werden verwandelt in „Spielzeug“ und bespielbare Ausstellungsstationen: Ein großer Irrgarten als Herzstück der Ausstellung lädt Kinder ein, auf „Umwegen“ Erfahrungen zum Anderssein zu machen. Dabei können sie die Braille-Schrift entdecken, mit deren Hilfe blinde Menschen lesen, im Restaurant „Zur Fledermaus“ den Tisch decken, ohne zu sehen, im Supermarkt einkaufen, ohne zu sprechen und zu hören. Die sinnliche und spielerische Erfahrung des Fremden, des Andersseins, ist dabei das wichtigste. Oder auch: Der spielerische Weg ist das Ziel. Im Ausstellungsbereich „Man ist so jung, wie man sich fühlt“ erkunden die Kinder einen langen Lebensweg, können anderen Kindern und Erwachsenen zuhören, die sich über das Altsein austauschen. Und nach den vielen Eindrücken wird es wieder Zeit zum Spielen und kreativen Verarbeiten: Im Anders-A(l)telier malen, zeichnen, basteln oder bauen sie zum Thema Alt und Jung. Der Praxis nicht genug: Im gesamten Ausstellungszeitraum bietet das Labyrinth Kindermuseum Berlin interessierten Kitas und Schulen Projekte zum Thema Anderssein an. Das Projektteam kommt auf Wunsch direkt in die Kita oder Schule. Der „außerschulische Lernort“ Kindermuseum wandert, und wendet sich so auch außerhalb seiner Mauern den Kindern und Erwachsenen zu. Es geht eben auch anders – mit Bildung, die sich bewegen kann. Alle anders anders – Vom Reichtum des Andersseins, 21.5.2009-28.11.2010 Labyrinth Kindermuseum Berlin, www.alle-anders-anders.de

Nikola Mirza ist Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Labyrinth Kindermuseums Berlin.